Aterbaletto mit beeindruckendem Tanz im Erholungshaus in Leverkusen

Im Erholungshaus : Aterballetto mit beeindruckendem Tanz

Philippe Kratz trat mit seiner Compagnie im Erholungshaus auf – als Choreograf und als Tänzer mit außergewöhnlichen Szenen.

Das war ein perfektes Gastspiel für Philippe Kratz. Aber der  heftige Applaus galt nicht nur dem gebürtigen Schlebuscher, der seinen Weg auf die internationalen Tanzbühnen geschafft hat, sondern auch einer begeisternden und frischen jungen Compagnie, die wirklich einen großartigen Tanzabend ins Erholungshaus gebracht hat. Ein Highlight im Programm von Bayer Kultur, wo Kratz im vergangenen Jahr in das Förderprogramm stARTacademy aufgenommen wurde. Und zwar als Choreograf.

Mit zwei Stücken konnte er beim Gastspiel „seiner“ Fondazione Nazionale della Danza – Aterballetto, der er seit zehn Jahren als Tänzer angehört, zeigen, was er in diesem Fach drauf hat. Da erlebte man Philippe Kratz als Choreograf, im anschließenden Pas de deux zudem als Tänzer mit einem eigenen Werk und schließlich als Ensemble-Mitglied in der ganzen Compagnie.

In dieser letzten Choreographie „Bliss“, die der Schwede Johan Inger zum Mitschnitt von Keith Jarretts legendärem Köln-Konzert geschaffen hat, vermittelten die Tänzer etwas von dem Glücksgefühl und der ausgelassenen Bewegungslust ihres Berufsstandes. Mit Intensität und Energie nahmen sie in immer neuen Konstellationen, vereinzelt, zu zweit oder in der Gruppe die Musik mit dem Körper auf. Das wirkte fast wie spontane Improvisation, dem neugierigen Ausprobieren des Machbaren, so wie man sich Tänzer beim täglichen Training vorstellen mag.

Und tatsächlich hatte man auch optisch eine solche Situation vermittelt. Durch aufgezogene Seiten und Rückwandvorhänge, die den Blick auf Leitungen und technisches Equipment freigeben im grellen Arbeitslicht und in unspektakulärer Straßenkleidung. Das hatte nichts von dem Zauber und der Illusion einer perfekt ausgeleuchteten Vorstellung zwischen schwarzen Wänden. In diesem Fall wirkte nur der Tanz an sich und die unglaubliche Variationsbreite der Produktion.

Die muss man auch dem Choreografen Philippe Kratz bescheinigen, der für das Eröffnungsstück „Phoenix“ zwar das Leben von Geburt, Wachstum, Blüte und Verfall bis zum Tod als unendlich wiederkehrenden Kreislauf in die Bewegungen von neun Tänzern übersetzt hat, ohne dabei wirklich viele Wiederholungen zu zeigen. Fließend und weich ineinander übergehend ist sein persönlicher Stil. Dazu kommt die neugierige Suche nach Bewegungen, die manchmal durch die Länge der Phrase ihre ganz besondere Wirkung entfalten.

Was sich bei „Phoenix“ bereits abzeichnete, wurde beim folgenden Duo „O“, das Philippe Kratz mit Ivana Mastroviti tanzte, noch deutlicher. Die fliegenden gestreckten Hände der seitlich stehenden Tänzer etwa und ganz besonders die seitlichen Kniedrehungen unter einem völlig still stehenden Körper, die das faszinierte Publikum in Atem hielten.

Kein Wunder, dass Philippe Kratz für dieses unglaublich engagiert getanzte Stück, das die Tänzer in einem Wechsel von Mensch und Roboter zeigt, 2018 mit dem ersten Preis beim Wettbewerb „choreography“ in Hannover ausgezeichnet wurde.

Mehr von RP ONLINE