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Handball: So viel Leidenschaft: Krimi ohne Happy End

Handball : So viel Leidenschaft: Krimi ohne Happy End

Handball-Oberligist SG Langenfeld verlor gegen den TV Aldekerk nach einem großen Kampf erst auf der Zielgeraden mit 31:34.

Die Zeiten scheinen sich zu ändern beim Handball-Oberligisten SG Langenfeld (SGL) und damit auch die Ansprüche. Anders war es kaum zu erklären, dass viele nach dem Heimspiel gegen den TV Aldekerk bedient in verschiedenen Ecken der Halle hockten. Dabei gab es nicht den geringsten Grund für derart viel Frust — trotz der 31:34 (17:16)-Niederlage. Trainer Leszek Hoft fasste die allgemeine Gemütslage treffend zusammen: "Ich kann der Mannschaft überhaupt keinen Vorwurf machen. Aber ich verliere nicht so gerne." Die SGL, die sich nach drei klaren Auftakt-Erfolgen zum ersten Mal geschlagen geben musste, war über 60 Minuten an einem Krimi auf hohem Niveau beteiligt. Und die Hausherren, deren leidenschaftlicher Kampf manches personelle Handicap ausglich, durften sogar eine Hauptrolle für sich beanspruchen.

Das Duell war ein echtes Spitzenspiel, in dem beide Seiten auf Augenhöhe agierten. Während die Gäste auf vielen Positionen sehr stark und doppelt besetzt waren, musste sich Langenfeld viel einfallen lassen — um etwa das Fehlen des verletzten Rückraumspielers Dawid Rosiak zu kompensieren. Das übernahm erst Mirko Stolley, ehe später Regisseur André Eich und der eingewechselte André Bölken diese Aufgabe auf der linken Seite erfüllten. Im Spiel traf es die SGL dann noch mal besonders hart, als Andreas Nelte wegen seiner dritten Zeitstrafe die Rote Karte sah und nun einen Platz auf der Tribüne einnehmen musste (41.). Der 31-Jährige, inzwischen der erfahrenste Langenfelder, fehlte jetzt vorne als Kreisläufer und hinten als zentraler Abwehrspieler.

Schon die erste Hälfte sorgte mit wechselnden Führungen für Hochspannung — 0:2 (3.), 5:4 (11.), 8:7 (14.), 10:10 (19.), 11:12 (21.), 13:14 (25.), 17:15 (29.), 17:16 (30.). Für Langenfeld ständig am engen Verlauf beteiligt waren der glänzende André Eich (insgesamt zehn Tore/ fünf per Siebenmeter) und der brillant auftrumpfende Vinzenz Preiss-egger (ebenfalls zehn), der sehenswerte Treffer nahezu wie auf Knopfdruck anbrachte. Zusammen mit seinem Auftritt als vorgezogener Deckungsspieler lieferte er ein außergewöhnlich großes Pensum ab. Weil beide gut unterwegs waren, standen sie nahezu pausenlos auf dem Feld. Preissegger bekam nur durch eine Zeitstrafe gegen Ende der ersten Halbzeit die Gelegenheit, mal ein bisschen durchzuatmen.

Langenfeld geriet mit 19:21 (36.), 22:25 (43.) und 25:27 (47.) in Rückstand, gab jedoch nicht auf. Die vier Tore von Christian Majeres (26:27), Preissegger (27:28/28:28) und Dustin Thöne brachten beim 29:28 (52.) vielmehr die nächste Führung, ehe der müder werdenden SGL nach dem 29:32 (56.) die Zeit weglief. Die Waage neigte sich doch zugunsten der cleverer wirkenden Aldekerker — für die die bis dahin kaum in Erscheinung getretenen Thomas Jentjens und Stefan Pietralla die letzten fünf TV-Treffer beisteuerten.

Hoft und seine Schützlinge waren enttäuscht, dass sie darauf keine richtigen Antworten mehr fanden. Und Regisseur Eich konnte mit seiner persönlichen Ausbeute ebenfalls wenig anfangen: "Diese zehn Tore helfen uns nicht. Wir müssen als Mannschaft 35 Tore schießen." Dann hätte es tatsächlich zum Sieg gereicht. Auch dieser Standpunkt darf als Beleg dafür dienen, dass sich die Zeiten ändern. Lob allein für einen unterhaltsamen Abend scheint zumindest derzeit nicht mehr zu genügen.

SGL: Hanke, Geske — Thöne (2), Majeres (6), Wolter, Preissegger (10), Klimke (2), Herff, Körner (1), Stolley, Eich (10/5), A. Bölken, Pake, Nelte.

(RP)