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Langenfeld Eine junge Frau aus Madagaskar hat jetzt einen Aufenthaltstitel, sie will Pflegerin werden,

Pflegekräfte dringend gesucht : Mirindra darf jetzt Pflegerin werden

Die junge Frau aus Madagaskar, die derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr im Seniorenzentrum St. Martinus absolviert, hat einen Aufenthaltstitel. Sie kann jetzt eine Ausbildung zur Pflegefachfrau absolvieren.

Vorigen Donnerstag brach im Seniorenzentrum St. Martinus in Richrath spontan großer Jubel aus. Eine junge Frau vollführte Freudentänze. Auslöser war eine E-Mail der Ausländerbehörde der Kreisverwaltung in Mettmann. Mirindra, eine 26-jährige angehende Altenpflegeschülerin aus Madagaskar, hatte die Nachricht erhalten, dass sie am nächsten Morgen in Mettmann die seit Wochen sehnlichst erwartete Aufenthaltsgenehmigung abholen könne. Schon seit einem Jahr arbeitete die in Monheim lebende Frau als FSJ-lerin im Haus, und sollte im September mit der Ausbildung zur examinierten Pflegekraft beginnen (siehe Info). Im Sommer 2019 hatte sich Mirindra beworben, erfolgreich hospitiert und den Wunsch entwickelt, diesen Beruf zu erlernen. Mit Blick auf die guten Leistungen der jungen Frau, die ursprünglich als Au-pair-Mädchen nach Deutschland gekommen war, und angesichts des allseits beklagten Mangels an Fachkräften unterstützte nicht nur die stellvertretende Pflegedienstleiterin Silvia Stoffel das Vorhaben. „Der Aufenthaltstitel war die zwingend notwendige Voraussetzung für den Arbeitsvertrag und den Schulbesuch“, erklärt Markus Peuker, seit wenigen Wochen neuer Einrichtungs- und Pflegedienstleiter im Seniorenzentrum. Das Heim musste der Ausländerbehörde auch zusichern, dass Mirindra nach der Ausbildung einen unbefristeten Arbeitsvertrag bekommt. Die kompletten Unterlagen lagen bei der Kreisverwaltung, „aber es gab keinen Zwischenbescheid, und die Zeit lief uns davon“. Auch die häusliche Unterbringung Mirindras war damit unklar.

Die Unsicherheit war für Mirindra, die ohne Angehörige in Deutschland lebt, schwer zu ertragen: „Ich wusste nicht, wie es weitergeht“. Aber die Heimbewohner solidarisierten sich mit Mirindra. „Innerhalb einer Stunde hatten wir 100 Unterschriften für eine Petition an den Bürgermeister zusammen“, so Peuker. „Wir wären mit allen Bewohnern vors Rathaus gezogen“, versichert er. Bei Bürgermeister Frank Schneider rannte er damit aber offene Türen ein, er musste Mitarbeiter und Bewohner des Seniorenzentrums gar nicht erst aufmarschieren lassen.

Die Bildungsakademie für Gesundheits- und Sozialberufe des Kreises Mettmann GmbH in Metmann, die nun auch Mirandra drei Jahre besuchen wird, ist ein Herzensanliegen der Bürgermeister-Konferenz. „Wir wissen um den Mangel an Fachkräften in den Altenheimen und in der LVR-Klinik, und hoffen, mit den 550 Ausbildungsplätzen langfristig wirksam zu helfen“, so Schneider. An der Akademie wird Mirindra während ihrer Ausbildung 2.100 Stunden theoretischen Unterricht erhalten, der fachpraktische Einsatz im Seniorenzentrum umfasst 2.500 Stunden. Dabei geht es „nur“ um pflegerische Kenntnisse. Um Mirindra beim Erlernen der deutschen Sprache zu helfen, haben die Richrather eine besondere Idee. Sabine Henckel, eine pensionierte Studienrätin, die seit 2018 im Seniorenzentrum wohnt, erteilt Mirindra und einem jungen Eritreer, der auch im Haus arbeitet, ehrenamtlich Sprachunterricht.