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Langenfeld Trauernde leiden unten Abstandsregeln.

Langenfeld Bestattungswesen : Trauernde leiden unter Abstandsregeln

Die Beerdigungsinstitute spüren die Folgen des Corona-Lockdowns. Sie nehmen auch eine gewisse Untersterblichkeit wahr. Die neuen Regeln erfordern viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Trauernden.

Wer glaubt zu den Hochzeiten von Corona hätten die hiesigen Beerdigungsinstitute „floriert“, der irrt. „Im Gegenteil. Das Jahr war für uns schlechter als andere. Die normale Grippewelle blieb aus“, sagt Jasmin Herbertz vom gleichnamigen Bestattungsinstitut in Langenfeld an der Kirschstraße. Durch die geschlossenen Kitas und Schulen hätten sich innerhalb der Familien insgesamt weniger tödlich endende Infekte verbreitet. „Die Zahl der Corona-Todesfälle war gering. Wir hatten bisher drei Erkrankte plus vier Verdachtsfälle, die nicht mehr getestet worden sind, die wir aber aus Sorge um unsere Angestellten aber wie Infizierte behandelt haben“, sagt die Chefin des Unternehmens.

Ähnliche Erfahrungen hat auch Christiane Ingendorn-Dolhaine aus dem Team des alt eingesessenen Beerdigungsunternehmens Müller an der Hitdorfer Straße in Langenfeld in den letzten Monaten gemacht. „Die Corona-Fälle sind nicht ins Gewicht gefallen. Wir hatten ebenfalls drei bestätigte sowie drei Verdachtsfälle. Und dadurch, dass die Altenheime derart abgeschottet waren, gab es generell weniger Tote“, sagt sie. Einig sind sich die beiden Damen, dass gerade in diesen Zeiten der Bestatter nicht nur besonders auf Hygiene-Vorschriften achten, sondern auch viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Angehörigen und Freunden der Verstorbenen haben muss. „Das ist ein emotionales Tief für die Menschen. Und wir müssen ihnen sagen, dass sie sich nicht umarmen dürfen und auf Abstand achten sollen“, sagt Herbertz. „In der Lockdown-Phase durften nur engste Familienmitglieder zur Beerdigung kommen, maximal zehn Leute. Das ist heute besser. Da dürfen beliebig viele Trauernde teilnehmen, müssen aber 1,50 Meter Abstand wahren“, sagt Ingendorn-Dolhaine, „manchmal bitten die Angehörigen uns, ihre Gäste darauf hinzuweisen.“

Nicht leicht seien heute auch die Vorbereitungen auf die Beerdigungsfeiern. „Alle Gemeinden und Friedhöfe haben andere Regeln in Corona-Zeiten. Wir müssen darüber hinaus entsprechend große Kirchen finden, wo die Trauergäste hinein passen“, so Herbertz. „Es gibt Kirchen, da ist nur für 30 Leute Platz, und in andere passen über 90 hinein.“ Für Familien, die in einem Haushalt leben, gelten die Corona-Abstandregeln natürlich nicht. Einig sind sich beide auch, dass die Langzeitfolgen bei den Hinterbliebenen schlimm sein können. „Die oft nicht gelebte Trauer, der fehlende angemessene Abschied führen dazu, dass Angehörige den Tod schlechter verarbeiten“, ist das Müller-Team sicher. Früher seien die Verwandten jeden Tag ins Altenheim gegangen, wenn es Mutter oder Vater, Oma oder Opa schlecht ging, und haben den Prozess des Abschiednehmens langsam und stetig erlebt. Das ist heute nicht möglich.“ Oft sei der Abschied eher abrupt.

Normalerweise begleitet das Beerdigungsinstitut Müller drüber hinaus zweimal im Jahr die Trauerfeier und Beisetzung für Eltern, die ihre Kinder durch Früh- oder Fehlgeburten verloren haben. Organisiert wird die Feier vom St. Martinus-Krankenhaus gemeinsam mit der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde. Wegen Corona musste die Trauerfeier im ersten Halbjahr ausfallen. Am 30. September darf sie nun wieder stattfinden. Das Müller-Team rechnet mit 60 Müttern und Vätern, Geschwistern und Großeltern, die kommen werden. „Das sind die Angehörigen der Sternenkinder des ganzen Jahres. Das ist alles sehr traurig“, sagt Ingendorn-Dolhaine. Angesichts der Trauer der Hinterbliebenen falle die zusätzliche Arbeit mit Listenführen, Desinfizieren und der aufwändigen Organisation für das Bestatter-Team kaum ins Gewicht.