Kreis Heinsberg: Kunstverein zeigt Werke von Emil Sorge

Ausstellung : In der Abstraktion zeigt sich der Kern

Der Kunstverein Heinsberg zeigt in seiner letzten Ausstellung des Jahres Holzrelief-Malerei von Emil Sorge unter dem Titel „Share“.

Beim Betreten der Ausstellungsräume fällt der Blick sofort auf ein Holzrelief mit dem Namen „Taiga“, das sich aus vier großformatigen Teilen zusammensetzt und eine ganze Wand einnimmt. Abstrahierte Bäume mit starker Betonung der Vertikalen sind zu erkennen. Die Stämme des Waldes stehen im Vordergrund, ihre Krone lässt sich nicht erkennen. „Es war als Fries, als Panorama gedacht“, bemerkt Emil Sorge. „Es ist ein starkes Symbol für den Wald, dieser nördliche Wald im Winter.“

Die Arbeit wurde speziell für diese Räumlichkeiten geschaffen, welche die Möglichkeit bieten, räumlichen Abstand zur Arbeit zu nehmen und sie in ihrer Ganzheit zu betrachten und wirken zu lassen. Sie wird daher zum ersten Mal gezeigt. „Allen Arbeiten steht etwas Reales, Zeitgemäßes im Hintergrund“, sagt der Künstler. Meist steht ein Bild einer Ist-Situation am Anfang des Arbeitsprozesses, das dann als Holzrelief umgesetzt wird und somit den Bezug zum Jetzt unmittelbar herstellt. „Damit zeige ich meine Sicht unserer Welt“. Aus den tausenden Bildern, die uns tagtäglich begegnen, sieht Emil Sorge die Aufgabe und Herausforderung des Künstlers, einen Eindruck herauszufiltern, ihn zu transformieren und somit in individueller Weise sichtbar zu machen. Für ihn sind es sowohl Stadtlandschaften oder Aufsichten auf Stadtelemente als auch Natur wie Meer oder Wald.

Emil Sorge arbeitet nicht figurativ oder porträtierend, sondern aufgelöst in Strukturen. Er stellt den Mensch in seiner Sicht, in seinem Wirken dar, als Abbild selbst. Den Bezug zur Gegenstandswelt stellt er in seinem Relief „Taiga“ durch die Abstraktion her. „Man kann abstrahiert einen Strichcode assoziieren“, bemerkt er und baut damit die Brücke zur digitalen Welt. Technisch-architektonische Ansichten inspirierten ihn zu seiner Arbeit „Township“, welche aus der Vogelperspektive eine abstrahierte Stadtlandschaft zeigt. Waagrechte und senkrechte Formen und Linien, in unterschiedlicher Art durchbrochen und aneinander gesetzt, ergeben den Gesamteindruck. „Die Farbe spielt eine wichtige Rolle für mich“, äußert er.

Die Holzreliefarbeiten bekommen erst durch die Reduktion einen starken Ausdruck, deshalb ist die Farbigkeit dabei eher zurückhaltend. Beim Holzschnitt werden lediglich die höher gelegenen Formen nach Auftrag der Farbe auf das Papier übertragen. Die Technik lässt somit Druckstock und Abzug auf Papier oder Leinwand entstehen. In der gezeigten Arbeit „Turm“ stellt er Druckstock und die Frottage, also den Abdruck auf Leinwand, sich gegenüber. Dabei wird die Spiegelbildlichkeit markant sichtbar und wirkt als Einheit mit dem Holzrelief. Emil Sorges kritische Betrachtung mit Natur und was der Mensch damit macht, zeigt sich in seiner Arbeit „Strandgut“. Abstrahiertes Wasser und darin erkennbare, vom Menschen weggeworfene Gegenstände treiben dem offenen Meer zu. Mit dem Holzrelief hat Emil Sorge ein Medium gefunden, in dem er die Reflektion seiner umgebende Welt einarbeitet und festhält. Sowohl im Abbild als auch im Holzrelief selbst und in der Kombination aus beidem zusammen entsteht das Spektrum seiner Arbeit.

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