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Neuer Regionaldekan für Krefeld

Krefeld : Regionalvikar: „Den klassischen Pfarrer wird es nicht mehr geben“

Es ist kein leichtes Amt in Zeiten des Umbruchs; Mit einem feierlichen Gottesdienst wurde Thorsten Obst in sein Amt als Regionalvikar eingeführt. Er sagt: „Ich bin nicht deprimiert.“

Für das katholische Krefeld ist es eine wichtige Personalie und ein Markstein auf einem ungemütlichen Weg: In einem von Aachens Bischof Helmut Dieser geleiteten Gottesdienst in St.Thomas Morus wurde Pfarrer Thorsten Obst (47) in sein Amt als Regionalvikar eingeführt. Er folgt dem plötzlich und unerwartet verstorbenen Heiner Schmitz nach. Obst übernimmt damit Verantwortung in unruhiger Zeit: „Den klassischen Pfarrer, der um den Kirchturm kreist, wird es nicht mehr geben“, sagte er etwa in einem Pressegespräch vor dem Gottesdienst.

Obst’ neues Amt ist selbst Teil eines Experiments, das möglicherweise zukunftsweisend ist: Bekanntlich bildet der Regionalvikar mit Pastoralreferentin Elisabeth Vratz und dem Ehrenamtler Hans-Josef Hofer das Leitungsteam der Region Krefeld. Die Rolle des Pfarrers als alleiniger Gemeindeleiter müsse überdacht werden, so Obst. Es gebe acht Regionen mit 72 Gemeinschaften der Gemeinden (GdG), nicht alle hätten eigene Pfarrer. Damit brechen viele Fragen auf: Wie verteilt man die Pfarrer und welche Leitungsrolle können sie überhaupt noch wahrnehmen? „Ich kann nicht 500 Taufen im Jahr durchführen“, sagt Obst. Er geht mit seinen Teamkollegen davon aus, dass die Zeit der „versorgenden Kirche“, in der der Pfarrer allein die Amtshandlungen vollzieht, zu Ende geht. Beerdigung, Hochzeit, Taufe könnten schon bald von Diakonen betreut werden, der Priester ist unabdingbar für Eucharistie, Beichte und Krankensalbung.

  • Pfarrer Thorsten Obst wird Regionalvikar der
    Einführungsgottesdienst am 4. September : Thorsten Obst wird Regionalvikar
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    Kirche : Pfarrerin Irene Gierke eingeführt

Obst und seine Mitstreiter werden erst einmal bis 2021 im Amt sein: Ihre Aufgabe ist es, den von Bischof Dieser initiierten „Heute bei dir“-Prozess voranzutreiben. Die Lage in den Gemeinden soll analysiert, die Wünsche der Menschen erkundet werden. Auf dieser Grundlage will der Bischof dann Reformen einleiten. Wie Vratz berichtet, ist der Analyseprozess für die Region Krefeld abgeschlossen; ein 16-seitiger Bericht ist nach Aachen gegangen, wo er mit den Berichten aus den acht Regionen zusammengeführt wird. Krefeld hat sich auf die Themenbereiche „Spirituelle Vielfalt“, „Nächstenlieb“, „Präsenz von Kirche“, „Kinder und Jugend“ sowie „Andere Orte von Kirche“ konzentriert. Ein Ergebnis: „Armut ist sichtbar in Krefeld“ (Vratz); die Frage sei, wie tätige Nächstenliebe zu organisieren sei. Zum Thema Spiritualität sagte Vratz: „Wir brauchen in einer pluralen Gesellschaft auch plurale Angebote, zum Beispiel in der Liturgie.“ Ziel der Kirche müsse es sein, „am Lebensgefühl des heutigen Menschen anzudocken“.

Tritt man angesichts solcher Herausforderungen sein Amt mit gemischten, ja mulmigen Gefühlen an, lautete eine Frage an Obst? „Nein. Ich bin nicht deprimiert und habe Hoffnung. Wenn ich die nicht hätte, hätte ich das Amt nicht angetreten“, lautet die Antwort des neuen Regionalvikars.

Er sei jetzt fünf Jahre Pfarrer in Krefeld und habe die Zusammenlegung von Gemeinden erlebt; „Ich weiß, wie schwer die Menschen sich damit tun. Wir werden lernen müssen, dass sich der eigene Lebensraum weitet“, sagt Obst. Die Zeiten seien spannend, ergänzt Vratz, „aber wir werden auch viel Trauerarbeit, Abschiednehmen und Begleitung leisten müssen, um die Veränderungen durchzustehen“.