1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Krefeld: Anderer Buchladen lädt Martin Walker ein

Kultur in Krefeld : Martin Walker zu Gast in der Mediothek

Der Andere Buchladen hatte den schottischen Autor zu einer Lesung aus seinem Bruno-Krimi „Connaisseur“ eingeladen. Die Veranstaltung fand jedoch wegen des größeren Platzangebotes in den Räumen der Mediothek statt.

Das Wasser lief den Zuhörern im Munde zusammen, als Martin Walker von dem traditionellen Dinner bei Bruno las. So jedenfalls berichteten viele im Anschluss, denn zu sehen war das wegen der Masken nicht.

Zu viel Information? Also: Der Andere Buchladen hatte den schottischen Autor Martin Walker zu einer Lesung aus seinem Kriminalroman „Connaisseur“ eingeladen. Sie fand in der Mediothek statt: Weit auseinander stehende Stühle in sehr gutem Abstand zu einem Bühnenpodest mit drei gemütlichen Stehleuchten. Mediotheksleiterin Evelyn Buchholtz bedankte sich herzlich beim langjährigen Kooperationspartner Anderer Buchladen für das „unglaubliche Timing“. Denn weitere Lesungen können im November nicht mehr stattfinden, wenn die Mediothek auch geöffnet bleiben darf: „Wir sind eine Bildungseinrichtung“, erklärte Buchholtz.

Auch für Martin Walker war dieser Abend in Krefeld der vorerst letzte in einer bis Mitte November geplanten Lesereihe. Im Gepäck hatte er seinen zwölften Roman über Kommissar Bruno, der im französischen Périgord lebt.

Martin Walker, Schotte, geboren 1947, Oxford-Absolvent, Historiker, hat lange Jahre als politischer Journalist für den britischen „The Guardian“ gearbeitet, ist Mitdenker und Vorstand in einem Thinktank in Washington – und es schwirrt auch der Gedankenfetzen herum, dass er sich aus eigener Anschauung mit den Geheimdiensten Ihrer Majestät auskennt. Seit 1999 hat er einen seiner Lebenspunkte in das Herz Frankreichs verlegt. Dort, im Périgord, lebt und genießt auch sein Kommissar Benoit Courrèges, genannt Bruno. Ihn hat Walker 2008 das Licht der Krimiwelt erblicken lassen. Zu Brunos Entourage zählt natürlich sein Hund mit dem Schriftstellernamen Balzac, und dazu seine Kollegen und Vorgesetzten, seine Freunde und Freundinnen. Folie sind meist historische Ereignisse – im Périgord finden sich die Höhlenmalereien von Lascaux; es gehörte zu Aquitanien und war Zankkapfel zwischen England und Frankreich; war besetzt von Nazideutschland. Historische Zusammenhänge sind bei Walker immer ausgezeichnet recherchiert.

Wie bei jedem seiner Fälle lädt der sinnenfrohe Kommissar Bruno zu einem gemeinsamen Abendessen in sein Häuschen auf dem Lande ein. Hier ist zum Beispiel auch Hodge dabei, der FBI-Mann. Denn es geht bei „Connaisseur“ um eine ermordete junge Amerikanerin, die sich besonders mit Kunst der Renaissance auskannte.

Wie Bruno die Zutaten für sein Abendessen frisch aus dem Garten erntet, wie er die verschiedenen delikaten Gänge zubereitet – übrigens hier nichts für Vegetarier – und mit welchen erlesenen Getränken er sie kredenzt, daraus lasen Walker und Paul Steinbach in der Mediothek vor – mit dem oben erwähnten Effekt, dass die meisten mit Lust auf Essen nach Hause gingen. Denn für den Leseabend hatte man sich der Könnerschaft des Schauspielers vom benachbarten Hause versichert – die beiden Männer gaben ein ausgezeichnetes Duo ab.

Walker setzte mit einer Passage aus dem englischen Original „The body at the castlewell“ ein, Steinbach las anschließend Abschnitte aus dem Deutschen. So spielten die beiden sich die Bälle zu, und es war ein Genuss, dem Schreiber und dem Schauspieler mit seiner geübten Stimme zuzuhören. Jede Figur bekam eine andere Nuance – man war direkt dabei und fühlte sich versetzt in die Gespräche der exklusiven Trüffelgilde.

Schön zu sehen, wie Walker, der ziemlich gut Deutsch spricht, seinem Partner auf der Bühne folgte, ihm zufriedene Blicke zuwarf: „Es ist wunderschön, mit so einem Schauspieler zu arbeiten“, bedankte er sich.

Vor den Zuhörern verneigte Walker sich dann noch nach so einigen launigen Anmerkungen mit einem Cole-Porter-Song: „One of those things“ spielt in dem Roman auch noch eine Rolle. Darauf hat die Lesung großen Appetit gemacht.

Appetit ist auch das Stichwort für zwei herrliche Off-Spins. Aus Brunos Rezepten in den Krimis sind zwei bebilderte Bände entstanden: „Brunos Kochbuch“ enthält Rezepte und Geschichten aus dem Périgord, die der belesene Walker gesammelt hat. „Brunos Gartenkochbuch“ hat Walker zusammen mit seiner Frau Julia Watson geschrieben, einer Foodjournalistin. „Die deutschen Leser sind verantwortlich für die Kochbücher“, sagte Walker. „Sie haben in ihren Leserbriefen immer nach den Rezepten gefragt.“ Und, Überraschung, besonders für die französischen Freunde: „Brunos Kochbuch“ wurde zum besten französischen Kochbuch der Welt gekürt.