Köln: AfD-Mitglied Christer Cremer trägt rechte Symbolik zur Schau

"Merkel Jagd Club"-Shirt: Verwendet Kölner AfD-Kreisvorstand bewusst ein rechtes Symbol?

Christer Cremer ist Kreisvorsitzender der AfD in Köln. Auf einem T-Shirt mit dem Aufdruck "Merkel Jagd Club" stellt er seine rechte Gesinnung zur Schau. Absichtlich?

"Merkel Jagd Club" steht auf dem T-Shirt, das Christer Cremer Anfang März in einem Lokal in Köln-Ehrenfeld trägt. Der 34-Jährige ist Kreisvorsitzender der Alternative für Deutschland (AfD). An diesem Tag kamen AfD-Mitglieder zusammen, um den Stadtbezirksverband für Ehrenfeld, Nippes und Chorweiler zu gründen. Auf Cremers Shirt ist ein Dackel zu sehen, hinter dem zwei Waffen gekreuzt sind. Unter dem Logo steht "…wilde verwegene Jagd…", seitlich prangen zwei Kornblumen.

Klaus Lober vom Bündnis "Kein Veedel für Rassismus" sagt dazu: "Deutlicher kann man seine Gesinnung nicht zur Schau stellen." Denn die blaue Kornblume galt ab Ende des 19. Jahrhunderts als Symbol der deutschnationalen Bewegungen. Von 1933 bis 1938 war die Kornblume in Österreich unter Nationalsozialisten ein Erkennungszeichen, die NSDAP war dort damals verboten. In Österreich gerieten FPÖ-Mitglieder immer wieder in die Kritik, weil sie eine blaue Kornblume am Revers trugen — sie ersetzten sie schließlich durch ein Edelweiß. "Christer Cremer stellt mit seinem T-Shirt offen Bezüge zum Nationalsozialismus her", sagt Lober.

Das bestreitet Christer Cremer. Er sagt: "Wie man auf dem Foto von diesem Abend sieht, mache ich die Merkel-Raute - das ist schwarzer Humor. Die Kornblume auf dem T-Shirt ist für mich erst einmal eine Blume. Ich fand es wegen des Dackels witzig." Die Blume sei vielleicht irgendwann mal als Symbol missbraucht worden, das Shirt sei für ihn aber "unverfänglich".

Der Schriftzug "…wilde verwegene Jagd…" ist eine Anspielung auf das Gedicht "Lützows wilde Jagd" von Theodor Körner, wie Lober sagt. "Körner wird von Nationalsozialisten zum Nationalhelden stilisiert, sein Grab war ein Wallfahrtsort der Nazis", sagt er. Doch auch davon will Cremer nichts wissen. "Es ging mir um den Dackel", sagt er. "Merkel Jagd Club" spiele an auf das Zitat des AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland, der nach der Bundestagswahl gesagt hatte, Angela Merkel jagen zu wollen. Gauland habe außerdem eine Krawatte, die mit Hunden bedruckt sei und die inzwischen hinlänglich bekannt sei. "'Merkel Jagd Club' bedeutet einfach, dass wir als Oppositionspartei die Kanzlerin vor uns hertreiben werden - auch wir in Köln", sagt Cremer.

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Die Jugendorganisation der AfD (Junge Alternative) in Brandenburg hatte die Shirts zuerst drucken lassen. Für Lober stellen die gekreuzten Schusswaffen im Logo "eine klare Gewaltandrohung dar", wie er sagt. "Christer Cremer scheint damit keine Probleme zu haben."

Cremer sagt: "Die Jagd ist natürlich nur im übertragenen Sinne gemeint - es geht darum, sich kritisch mit der Regierung auseinanderzusetzen, was wir als unseren Wählerauftrag verstehen."

In Deutschland müsse es ja erlaubt sein, ein T-Shirt mit Dackel-Aufdruck zu tragen. "Ich habe mir noch ein zweites in einer anderen Farbe bestellt", sagt Cremer.

(hsr)