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Kleve: Mittelalter im Museum Kurhaus

Handschriften in Kleve : Ein Höhepunkt der Buchmalerei

Die Sammlungspräsentation „Wasser & Wein II“ präsentiert ein Stück Mediengeschichte: Vom Manuskript über handkolorierte Drucke hin zum modernen Faksimile und interaktiven digitalen Seiten aus dem Stundenbuch.

Es ist ein prachtvolles Stück, das sich da zwischen diversen anderen Silberteilen aus verschiedenen Epochen in der Vitrine versteckt: 30 mal 20 Zentimeter ist der Buchdeckel groß, entstanden vor über 500 Jahren. Das bildreiche Stück wird in die Nachfolge des Klever Bildschnitzers Dries Holthuys verortet und entstand um 1490. Der Buchdeckel ist aus geprägten Leder und darauf steht eine glänzende Kreuzigungsgruppe mit Maria, Johannes und dem Gekreuzigten. In den Ecken des Buchdeckels sitzen wie in runden Siegeln die Symbole der vier Evangelisten.

Alle Figuren und Reliefs sind aus Silber getrieben und gegossen, teils vergoldet. Sie gehörten zu einem Epistolar aus dem Stift Kleve. Die Stiftspfarre Kleve ist auch der Leihgeber des Stücks, das das Mittelalter im Museum Kurhaus um ein weiteres Mosaiksteinchen vervollständigt. Während sich die vier Eck-Siegel auf Drucke des Malers und Kupferstechers Martin Schongauer beziehen, erzählen Kreuz, Maria und Johannes von den Triumphkreuzgruppen im Herzogtum Kleve, besonders die Holthuys zugeschriebene in der Minoritenkirche.

Mit der neuen Einrichtung „Wasser & Wein II“ hat Kleves Museumsdirektor Harald Kunde die Dauerpräsentation des Mittelalters weiter geschärft, nachdem bei „Wasser & Wein I“ der Katharina von Kleve Saal neu geordnet wurde und man durch das Innen-Fenster schon von der Galerie aus einen Blick erhaschen kann. Neu im kleinen Kabinett mit den Miniaturen aus der Sammlung Wörner ist das Stundenbuch der Katharina von Kleve als Faksimile. Kunde ist stolz, damit ein Stück Mediengeschichte abbilden zu können: Die kostbar mit Gold verzierten Handschriften aus anderen Stundenbüchern, die aus der Sammlung Wörner ausgewählt wurden, in den Vitrinen linker Hand, rechts gedruckte Buchseiten, ebenfalls mit Gold verziert aber deutlich flacher in der Darstellung. Geradeaus steht jetzt das berühmte Stundenbuch, dessen Original tief im Inneren der New Yorker Bibliothek wie ein Schatz gehütet wird. Von den 1000 Faksimiles, die während der Restaurierung des Buches angefertigt wurden, sind sogar zwei in Kleve. Eines im Stadtarchiv, das derzeit in Wesel zu sehen ist, und das im Klever Museum, das gehütet unter Glas dauerhaft im Museum gezeigt wird. „Unseres ist eine Schenkung eines mit dem Hause verbundenen Mäzens - dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Kunde. Aus New York bekam Kunde digital aufbereitete Seiten, die jeder Besucher an einem von der Stadt gesponserten Tablet-Computer blättern und bei Belieben vergrößern kann.

„Wir haben bewusst darauf verzichtet, die Seiten auszudrucken und groß auf die Wand zu ziehen - ein Stundenbuch muss so intim gezeigt werden, wie es die Menschen benutzt haben“, sagt Kunde. Zumal diese damals schon sündhaft teuren Bücher eher klein sind. „Neben seiner individuellen Textgestaltung ist das Stundenbuch Katharinas aber vor allem dank seiner 157 Miniaturmalereien weltberühmt“, sagt Kunde. Die große Zahl an Miniaturen höchster Qualität ebenso wie der erlesene Randschmuck dieser Prachthandschrift stellten einen Höhepunkt der gesamten Buchmalerei der nördlichen Niederlande des Spätmittelalters dar. Genau das zeigt das Faksimile.