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Kleve: Haus Koekkoek mit Katalog zu Wieland Payer

Katalog zu Wieland Payer : Schroffe Wände unterm Sternenzelt

Beim Kerber-Verlag ist ein Buch zu Wieland Payer erschienen. Dieses kann auch als Katalog zu der feinen Ausstellung mit Landschafts-Pastellen des Erfurters im Haus Koekkoek verstanden werden und liegt im Künstlerhaus aus.

Oben auf dem Bergmassiv steht eine mächtige Mauer mit Vor- und Rücksprüngen, mit Ecken, die man auch als Türme einer Festung interpretieren kann. Schroff, aber irgendwie erleuchtet steht die Mauer oben auf dem Berg, über ihr das Himmelsfirmament, blau mit weißen Wolken durchzogen. Auf einem anderen Bild erblickt man sie über den letzten Wipfeln mächtiger Tannen. So könnte Ritter Parzival die mythische Grals-Burg Munsalvaesche erblickt haben, als er aus dem Wald heraus auf die mit all dem Reichtum und der Kostbarkeit, welche sich ein Mensch vorstellen kann, angefüllte Festung traf und zunächst kläglich versagen sollte.

Die schroffe Mauer auf dem Bergmassiv ist eines der prächtigen Pastellbilder des Erfurter Malers Wieland Payer, dessen Malerei das Klever Künstlerhaus Koekkoek derzeit präsentiert. Im Kerber-Verlag ist das Buch „Waldstaub“ über den scheinbar so romantischen Maler erschienen, das wie ein Katalog zur Ausstellung gelesen werden kann und auch im Museumsshop zu haben ist (28 Euro, ISBN 978-3-7356-0213-8). Der 70-Seiten-Band erschien 2016 zu drei Ausstellungen des Malers in Quedlinburg, Erfurt und Dresden.

In der Ausstellung „Lichtung“ im Klever Haus Koekkoek entführt Payer in seine wundersam gemalten Landschaften – Waldlandschaften oder die Felsen Islands, deren Romantik durch mythische Fantasie-ähnliche Figuren aufgebrochen wird. „Als brillanter Zeichner baut er eine Sphäre der Überwältigung, des schönen Scheins und der Traumseligkeit auf. Sie zieht den Betrachter magisch an, bis er erwacht“, schreibt Michael Freitag in dem Katalogbuch. Payer bricht mit den Traditionen, die man in seiner Landschaftsmalerei vielleicht erkennt – all die Maler, die wie er den Tann’, das Firmament und die hohen Buchen und Eichen gemalt haben – indem er zum Pastell greift, jenes zarte Farbgemisch, das lange als untauglich für die große Form der Landschaft galt. Payer geht mit dem Schimmer feinen Staubs des Pastells auf ganz große Formate, zieht das Papier auf Holzplatten auf und „verschiebt damit den Akzent von der Zeichnung wieder in Richtung Malerei“, wie Freitag schreibt.

Außerdem verschiebt der Erfurter Zeichner-Maler den Standort des Betrachters, der nicht bis über den Horizont hinauf guckt, sondern diese Linie, die oftmals Landschaftsmalerei alleine charakterisiert, ganz aus seinem Bild heraus lässt – dann gibt es keinen Horizont. Richter beschreibt das so: „Er zoomt die Ansichten so nah heran, dass der Horizont aus dem grandiosen Naturmotiv verschwindet.“ Und noch etwas führt Payer dem Betrachter vor: Dass der Mensch nicht klein oder der Natur ausgesetzt durch die Landschaft wandert, stapft oder stolziert. Bei Payer findet der Mensch nicht mehr statt: „In die unmittelbare Gegenwart gehört das wache Bewusstsein des Künstlers, dass die Welt weder ihn noch überhaupt jemanden braucht“, beschreibt Richter das Phänomen.

 Letztlich lebt der Band von diesen Bildern, die in gutem Druck wiedergegeben sind, die Landschaften voller Erscheinungen, buntem Firmament überm Tannenwald oder eben den schroffen Mauern der Burg Munsalvaesche hoch oben auf dem Massiv über den Baumwipfeln.