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Kevelaer Theaterchor Niederrhein ist als Christmas-Carol Sänger unterwegs

Gesang in Kevelaer : Gesang in Kostümen der Dickens-Zeit

Der Theaterchor Niederrhein bereitet sich für einen besonderen Auftritt beim Advents- und Krippenmarkt in Kevelaer vor. In Kostümen wie zur Zeit des 19. Jahrhunderts werden die Mitglieder Weihnachtslieder singen.

Wohlhabende Frauen und Männer ziehen mit Laternen durch enge, dunkle Gassen im England des 19. Jahrhunderts. Sie sammeln für die Armen, und sie singen Weihnachtslieder, gehen von Haus zu Haus, bringen Wärme, Licht und Barmherzigkeit. So etwa war es vielleicht in London an einem Weihnachtsabend um 1850.

In Kevelaer werden Besucher des Advents- und Krippenmarktes nun zum ersten Mal eine solche Szene erleben können. Der Theaterchor Niederrhein wird in diesem Jahr die „Christmas Carols Singers“, eine Tradition aus England zur Zeit von Charles Dickens (1812-1870), dem Autor des mehrfach verfilmten Romans „A Christmas Carol“, nachspielen.

Die Idee dazu hatten Marloes Lammerts, die vor vier Jahren den Theaterchor mit begründete, und Nicole Wagener von der Abteilung City-Management der Stadt Kevelaer. „Mich hat das Scrooge-Festival in Arcen inspiriert. Dort verwandelt sich einmal im Jahr kurz vor Weihnachten der ganze Ort und stellt die Christmas Carol von Charles Dickens nach“, erzählte Lammerts. Das ist die Geschichte vom geizigen und kaltherzigen Geschäftsmann Scrooge, der durch die Begegnung mit den „Geistern der Weihnacht“ sein Leben ändert und ein Wohltäter der Armen wird.

Nun musste der Plan in die Tat umgesetzt werden – und vor allem mussten die richtigen Kostüme her. „Sechs unserer Sängerinnen können nähen, und wir bekamen große Mengen Stoff geschenkt“, berichtete Lammerts. Zusätzlich unterstützt Edeka Brüggemeier die Aktion als Sponsor.

Zur ersten großen Kostümprobe herrschte in den Räumlichkeiten des Kevelaerer Hotels „Zum goldenen Schlüssel“ ein reges Durcheinander. Zwar wurde nur ein Schnitt benutzt – für eine Pelerine, einen langen Rock und eine Haube – aber jedes Stück ist ein Unikat. Seide, Baumwolle, Leinen – Stoffarten und Farben sind unterschiedlich, auch wurden die kurzen Schulter­umhänge liebevoll verziert. „Hier reichte der Stoff nicht, dann haben wir eine Bordüre eingesetzt“, so eine der Akteurinnen und präsentierte eine schmucke Pelerine vor dem Spiegel. Und jeder Rock sieht anders aus: mit Schleifen und Volants verziert oder kunstvoll mit Rüschen in Form gefasst.

Besondere „Hingucker“ sind die Hauben: gepunktet, gestreift, mit Glitzerfäden, Perlen, Spitzen. Sängerin Petra Meiners korrigierte noch schnell eine Rocklänge und half bei einer weiteren Sängerin aus mit einem Stück Spitze.

„Viele Ideen kamen spontan, und manche von uns haben erst jetzt entdeckt, dass sie doch nähen können“, erzählte sie. Es dauerte eine Weile, bis jede ihr Kostüm gefunden und probiert hatte. Die Männer im Chor haben es etwas einfacher, sie werden Lodenmäntel mit genähten Umhängen, dazu einen Zylinder tragen.

Die Kinder vom neugegründeten Kinder- und Jugendchor, der nun eine Abteilung des Theaterchores ist, machen ebenfalls mit. „Für die Kinder haben wir auch Kostüme, sie werden die ärmliche Kleidung der Kinder tragen, die man aus den Erzählungen von Charles Dickens kennt“, sagte Marloes Lammerts und zeigte die typischen Baumwollhosen, mit echten Löchern. Selbstgebastelte Laternen – mit Keve­laer-Motiven – werden nicht fehlen. „Nostalgie unterwegs“ lautet das Motto der Aktion auf dem Advents- und Krippenmarkt. In zwei Gruppen zu etwa 30 Sängerinnen werden sie durch die Kevelaerer Straßen ziehen, zwischen dem neuen Edeka-Markt am Antwerpener Platz und Innenstadt.

Wie es auch die wohltätigen Männer und Frauen vor 170 Jahren in England gemacht haben, wird Geld gesammelt für bedürftige Menschen. An welche Organisationen das Spendengeld geht, stehe noch nicht fest, so Lammerts. Falls das Wetter nicht mitspielt, gibt es nostalgische Regenschirme, und für die Herren in jedem Fall stilvolle Wandelstöcke.