Kaarst: Kunst auf kleinster Fläche

Kaarst : Kunst auf kleinster Fläche

Paul Effert ist wohl der erfolgreichste Briefmarkendesigner der vergangenen 20 Jahre. Seit 1965 lebt er in Kaarst. Jetzt, zum 80. Geburtstag, ehrt die Stadt ihn mit einer Ausstellung im Atrium des Kaarster Rathauses.

Welcher Künstler schafft es schon, dass seine Werke millionenfach gedruckt werden? Paul Effert gestaltete die Briefmarke zur Deutschen Einheit — sie wurde 95 625 000 Mal produziert. Vielleicht liegt der Erfolg in der Prägnanz seiner Entwürfe begründet — Effert hat Gebrauchsgrafik in Krefeld und Düsseldorf bei Professor Walter Breker studiert.

Die Ausstellung im Atrium des Kaarster Rathauses beleuchtet aber nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart des Künstlers Paul Effert: So sind auch allerneueste Arbeiten zu sehen.

Kulturdezernent Heinz Dieter Vogt wies in seiner Begrüßungsrede auf die kreative Omnipräsenz des 80-Jährigen hin: "Sie haben das Signet für unsere Städtische Galerie, das 550-Jahr-Logo für die Sankt Sebastianusbruderschaft Kaarst, das Logo für die Sparkassenstiftung Kaarst-Büttgen und für das Georg-Büchner-Gymnasium entworfen." Effert, der sich nach seinem Studium selbstständig machte, hat unzählige Gestaltungsaufgaben mit Bravour erledigt — in der Ausstellung sind jede Menge Beispiele zu sehen.

Ob Meisterbrief oder Aufträge von der Kosmetikindustrie — der rüstige 80-Jährige hatte stets die richtige Idee. Was leicht daherkommt, ist das Ergebnis einer akribischen, hochkonzentrierten Arbeit.

117 Mal beteiligte sich der dreifache Vater ab 1989 an Gestaltungswettbewerben für Briefmarken. Vor zwei Jahren setzte er sich zuletzt mit einem Entwurf durch. Die erfolgreichsten Kreationen sind jetzt in der Ausstellung ebenso zu sehen wie von ihm entworfene Münzen. Diesem Metier sollte er sich nur kurze Zeit widmen.

Die Stadt präsentiert in ihrer Geburtstagsausstellung für Paul Effert zwei Entwürfe, die der Wahl-Kaarster hatte für sich entscheiden können: Die Münzen aus Anlass von 2000 Jahren Bonn sowie die Gedenkmünze zum Deutschen Widerstand. Die Kalligraphie war ein Thema, mit dem sich der dreifache Vater, der der Kinder zuliebe von Düsseldorf nach Kaarst gezogen war, über Jahrzehnte befasste.

Und es lässt ihn auch jetzt nicht los: Seine neuesten Werke sind Malerei, wobei die Einflüsse der Kalligraphie ebenso nicht zu übersehen sind wie die kurzen japanischen Gedichte, auf die er Bezug nimmt.

Die Neusser Kunsthistorikerin Dagmar Kühn-Wienstroer wies in ihrer Rede darauf hin, dass die Leichtigkeit dieser Arbeiten nicht darüber hinwegtäuschen könne, dass sie das Ergebnis akribischen Schaffens eines Perfektionisten seien. Es scheint, als hätten die Buchstaben das Tanzen gelernt: leicht, schwebend und geheimnisvoll.

(NGZ)
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