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Hückeswagener Stadtmarketing – Stunde der Abrechnung

Denkwürdiger Abend : Stadtmarketing – Stunde der Abrechnung

Das war ein denkwürdiger Mittwochabend im Kolpinghaus: Persönliche Vorwürfe, teils aggressive Stimmung und hochkochende Emotionen prägten den Verlauf der Aussprache des noch aktiven Vorstandes im Stadtmarketing.

Es war angekündigt als Aussprache der Geschäftsführung des Stadtmarketings. Letztlich war es in weiten Strecken eine Generalabrechnung des Vorsitzenden Markus Beeh und von Geschäftsführer Frank Mombauer, die die 30 Mitglieder des Vereins und des erweiterten Vorstands im Kolpinghaus zu hören bekamen. Fast 60 Folien umfasste die PowerPoint-Präsentation Mombauers. Die Vorwürfe, die er gegen seine Vorstandskollegin Andrea Poranzke (Geschäftsführerin), Bürgermeister Dietmar Persian und einen von Mombauer so bezeichneten „Schattenvorstand“ in der Stadtverwaltung vorbrachte, waren hart. An einer Stelle sagte eine Anwesende: „Es ist fast schon üble Nachrede, was auf diesen Folien steht.“ Dass das Tischtuch innerhalb des vor einem halben Jahr gewählten Vorstandes zerrissen ist, war schon länger klar. Wie stark jedoch hinter den Kulissen offenbar Gefühle verletzt wurden, war überraschend.

Zeitweise drohte die Veranstaltung zu scheitern, nach 20 Minuten verließen die ersten Mitglieder empört den Raum; kurz schien der Rest geschlossen gehen zu wollen. Es sei vor allem der Umgangston Mombauers gewesen, der auch im weiteren Verlauf mehrfach angemahnt wurde, der dazu geführt hatte. Dirk Sessinghaus hatte angemerkt: „Jetzt mäßigen Sie bitte einmal Ihren Ton, Herr Mombauer.“ Als der jedoch zurückgab: „Sie können gerne gehen!“, ging Sessinghaus tatsächlich; Bernd Lammert folgte ihm. Bei Beeh und Mombauer hatte sich ganz offensichtlich – spätestens wohl mit dem über die BM veröffentlichten Rückzug Andrea Poranzkes als Geschäftsführerin – eine ganze Menge angestaut. Anders ließ sich nicht erklären, dass Mombauer Sätze sagte wie: „Was Sie hier gemacht haben, ist ein Schmierentheater“. Auch der Vorwurf der Erpressung und Bedrohung wurde vorgebracht – laut Aussage Mombauers habe ein „ortsansässiger Rechtsanwalt“ als Vermittler Beeh mögliche Konsequenzen angedroht. Als Vermittler eingeschaltet haben soll sich der Rechtsanwalt „namentlich auf Veranlassung von Herrn Persian“, wie Mombauer betonte, um die Verschiebung einer vom erweiterten Vorstand einberufenen Mitgliederversammlung für den 1. April zu erwirken. Der Anwalt war ebenfalls anwesend. „Finden Sie das nicht peinlich?“, fragte er Mombauer. Nein, peinlich sei das Verhalten des Anwalts gewesen, kam Mombauers Replik.

Die Stimmung im Kolpinghaus kochte mehrfach hoch, mehr Vorwürfe wurden hin- und hergeschoben, das erwähnte „Schmierentheater“ schien sich endgültig – wenngleich auf ganz andere Weise – breitzumachen, Kopfschütteln, ungläubiges Lachen und geflüsterte Kommentare nahmen zu. So etwa, als Mombauer Poranzke vorwarf, die Ideen und Themen des Stadtmarketing an die Stadtverwaltung, namentlich Bürgermeister Persian und Monika Winter, durchgestochen zu haben. „Das ist nicht zulässig“, sagte Mombauer. Auch dass weder er noch Beeh bis heute eine Mitgliederliste hätten, sei nicht in Ordnung. Dass es dabei von Mombauers Seite oft persönlich wurde, ließ die Veranstaltung leider auch nicht seriöser erscheinen.

Ebenso wenig Mombauers immer wieder vorgebrachter Vorwurf, das Stadtmarketing sei von Persian „enteignet“ worden; Ideen, wie die einer Alm-Veranstaltung auf der Bahnhofstraße, seien von der Stadt zunächst für 2019 abgelehnt, um sie dann für 2020 für sich reklamieren zu wollen. Das stieß auf Unverständnis bei den Mitgliedern. „Mir persönlich ist es vollkommen egal, ob bei einer Veranstaltung die Werbegemeinschaft, der Stadtkulturverband oder das Stadtmarketing den Hut aufhat – Hauptsache ist, die Veranstaltung ist gut. Und ich bin mir sicher, dass auch die Bürger das so sehen“, sagte eine Zuhörerin.

Bezeichnend waren zwei Aussagen, die eine fiel mitten in der hitzigen Phase: „Bis Ende des Vorjahres hat die Zusammenarbeit im Stadtmarketing super funktioniert. Woran es liegt, weiß ich nicht, aber jetzt ist es nicht mehr der Fall.“ Die andere brachte Brigitte Thiel zum Schluss, als sie in Bezug auf die Veranstaltungsdoppelung der RBS-Jubiläumsfeier und der Werbegemeinschafts-Aktion „Alt trifft Jung“ am Samstag, 18. Mai, sagte: „Das war nicht schön, als ich es erfahren habe. Aber ich habe mich mit Uwe Heinhaus darüber unterhalten. Wir haben miteinander geredet – das sollten Sie auch tun. Denn nur das bringt uns weiter.“ Dafür gab es Applaus, zum ersten und einzigen Mal an diesem denkwürdigen Abend.