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Der Kurfürst und bergischer Regent Carl Theodor besucht Hückeswagen

Rückblende : Der Kurfürst und bergischer Regent Carl Theodor besucht Hückeswagen

Überliefert ist ein Besuch vom 30. April 1749, der von Vinzenz von Zuccalmaglio, genannt Montanus, in einem Theaterstück verewigt wurde. Er schrieb 1856, also über 100 Jahre später, das Werk „Der Kurfürst in Hückeswagen oder Das Maifest“ und ließ es durch den von ihm selbst initiierten „Jünglingsverein“ aufführen.

Die Zeiten, in denen Geschichtsschreibung in erster Linie bedeutete, das Wirken „großer Männer“ darzustellen, sind glücklicherweise vorbei. Jedoch noch Mitte des 20. Jahrhunderts neigten zumeist männliche Historiker oder Autoren dazu, einer solchen Glorifizierung Vorschub zu leisten. Ein schönes Beispiel auf lokaler Ebene hierfür ist der Kurfürst und bergische Regent Carl Theodor, der von 1742 bis 1799 lange Zeit an der Spitze des Herzogtums Berg stand. Überliefert ist von ihm ein Besuch vom 30. April 1749, der von Vinzenz von Zuccalmaglio, genannt Montanus, in einem Theaterstück verewigt wurde. Er schrieb 1856, also über 100 Jahre später, das Werk „Der Kurfürst in Hückeswagen oder Das Maifest“ und ließ es durch den von ihm selbst initiierten „Jünglingsverein“ aufführen. 1985 trat anlässlich der 900-Jahr-Feier der Stadt der Theaterverein Wipperwagen gemeinsam mit der Lüttringhauser Volksbühne und dem Laienspiel Hünger in einem Ensemble an, um das Stück auf dem Schlossplatz unter freiem Himmel zu spielen. Der Bergische Geschichtsverein ließ vor diesem Jubiläum auch eine Wetterfahne rekonstruieren, die sich einst auf dem Schelmenturm des Schlosses befand und die Initialen des Regenten „C-T-C“ trug. Der ehemalige Schulleiter Bernhard Lampen wollte in dem Kurfürsten einen Förderer der heimischen Tuchindustrie erkennen, was er 1981 in einem Artikel darlegte.

Die historische Realität ist jedoch weitaus ernüchternder. Wie sein Vorgänger Kurfürst Carl Philipp regierte er das Land vom Süden aus - wechselweise aus Heidelberg, Mannheim und München. Dem Pfälzer fiel 1742 das Territorium Jülich-Berg per Erbe zu. Der Düsseldorfer Regierungssitz, wo der Regent von Jülich-Berg normalerweise residierte, blieb nach dem Erbfall vakant und wurde lediglich mit dem jülich-bergischen Kanzler als Statthalter besetzt. Zwar versuchten die Düsseldorfer den Kurfürsten mit einem pompösen und fast ruinösen Empfang zu einem Umzug zu bewegen, doch vergeblich. Carl Theodor machte sich ab 1747 lediglich zu Reisen ins Bergische auf, nachdem er zuvor erstmals 1746 den Niederrhein besuchte. Der Grund war die Visitation wichtiger Gewerbeorte wie Burg an der Wupper mit seiner Gewehrlauffabrik, Solingen oder Wuppertal. Aus wirtschaftlicher Sicht war die Region wichtig, schon alleine aufgrund der dort generierten Steuereinnahmen. Tatsächlich irrt Bernhard Lampen in seinem Aufsatz nicht, wenn er den Kurfürsten einen Förderer der heimischen Wirtschaft nennt, allerdings waren die Tuchmacher eher aufgrund eigener Initiative erfolgreich, zu wenig ausgeprägt waren die damaligen Instrumente der Wirtschaftsförderung.

Ein Porträt von Kurfürst Carl Theodor. Foto: Wikimedia Commons, Public Domain oder BM/Wikimedia Commons, Public Domain

Ansonsten gab es aus Hückeswagener Sicht viele Probleme: Die Amtsleute und deren Verwalten waren durchweg korrupt. Kam aus dem fernen Süden eine neue Verordnung, zum Beispiel die Vornahme einer Landvermessung, wurde diese einfach ignoriert oder durch die Landtage boykottiert. Die Vorteile nahm man jedoch gerne mit: So beschleunigte der Kurfürst den Chausseebau, der bis 1790 auch im Bergischen gute Fortschritte machte. Zwar war der Regent katholisch, jedoch konnten sich auch die anderen Religionsgemeinschaften in der Schloss-Stadt entwickeln.

Natürlich hinterließ die lange Regierungszeit Spuren, von den auch die Düsseldorfer mit diversen Prachtbauten profitierten, doch weder ist eine Glorifizierung noch ein übermäßiges Schlechtreden angesagt. Die Realität ist manchmal viel profaner und Kurfürst Carl Theodor nur ein entfernt weilender Herrscher. NORBERT BANGERT