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Hückeswagener Landleben nahe der „Milchstraße“

Orts- und Straßennamen in Hückeswagen : Landleben nahe der „Milchstraße“

Vom Pflügen mit dem Pferd bis zum automatischen Melk- und Fütterungsroboter – diese Entwicklung hat sich innerhalb von 60 Jahren bei der Familie Busch auf dem Hof abgespielt. Auch viele Kinder und Jugendliche nehmen Anteil am Hofgeschehen.

Wo sich der unverbaubare Weitblick bis fast zur Bever-Talsperre hinzieht, die Kinder noch Tipis und Buden bauen, Bauernhof- und Natur(er)leben noch möglich sind, da befindet sich der Hof der Familie Busch. Sie betreibt hier einen Milchviehbetrieb mit insgesamt 260 Tieren in der vierten Generation.

„Meine Großeltern Laura und Hugo Busch aus Hönde in Radevormwald haben den Hof Scheuer im Jahre 1898 gekauft, den meine Eltern Emil und Erna Busch als Hofnachfolger weiterführten“, sagt Manfred Busch. Weiter erzählt er über die Herausforderungen, die sich ihm schon in jungen Jahren stellten. „Mein Vater starb 1958, meine Mutter nur ein halbes Jahr später. Ich war Vollwaise mit 16 Jahren“, erinnert sich der heute 77-Jährige, der mittlerweile stolzer Uropa von vier Urenkeln ist.

Mit 21 Jahren heiratete Manfred Busch und kümmerte sich von da an nicht mehr allein, sondern gemeinsam mit seiner Frau Inge um den weiteren Aufbau des Hofes. Das landwirtschaftliche Leben bedeutete für sie körperlich harte Arbeit: Melken mit der Hand, Pflügen mit einem Pferdegespann, und der Erntetransport mit dem Pferdewagen. Auf diesem wurden auch die gefüllten Milchkannen des Hofes und die der Nachbarn gesammelt und zur Kneipe Voss, später Overland, an die Hauptverkehrsstraße gebracht, wo sie vom Milchwagen der Spedition Vesper abgeholt und zur Molkerei gebracht wurden. Die heutige Bundesstraße 483 wurde deshalb auch gerne als „Milchstraße“ bezeichnet. Elektronische Kühlung war damals nicht denkbar, daher wurden die Milchkannen an warmen Tagen zu Fuß in den im Tal liegenden Scheuerbach zum Kühlen gebracht. Erst 1961 konnten manche Arbeitsgänge durch den ersten Trecker erleichtert werden.

Einen herben Schicksalsschlag musste die Familie im Jahr 1976 verkraften, als der Stall bis auf die Grundmauern abbrannte. 30 Rinder und 60 Schweine kamen in den Flammen um. In Eigenleistung und mit Hilfe der Feuerwehr Herweg, Freunden und Nachbarn, darunter die vier Söhne der Familie Gruhn, wurde ein neuer Rinderstall errichtet. Für die Mithilfe ist die Familie noch bis heute dankbar. 1978 entstand das heutige Wohnhaus, in dem heute vier Generationen der Familie zusammenleben. In den darauffolgenden Jahren wurde der Viehbestand wiederaufgebaut. Schweine gab es noch bis 1992, bevor sich die Familie auf die Milchviehhaltung mit rot- und schwarzbunten Holsteinrindern spezialisierte. Von 2014 bis 2016 produzierte die Familie Naturkäsesorten aus der hofeigenen Milch, die es unter den Namen wie „Hückeswagener Schlosskäse“ und „Beveraner Alt“ zu kaufen gab. Danach schwenkte die Familie auf eine Direktvermarktung von Kalb- und Rindfleisch um.

Heute wird der Betrieb unter dem Namen BUMI-GbR von Dietmar (der älteste Sohn von Manfred Busch), und einem seiner Söhne, Daniel Busch, weitergeführt. „Im Vergleich zu früher hat sich viel verändert“, sagt Dietmar Busch, der besonders mit der Investition in die Melkroboter sehr zufrieden ist. „Die Melkroboter erleichtern die Arbeit und ermöglichen es uns, die Zeit in andere Projekte zu investieren“. Seit 2018 finden erlebnis- und naturpädagogische Angebote mit der gemeinnützigen UG Hand&Werk auf dem Hof statt.

Neben einer Bauernhofgruppe und dem pädagogischen Bogenschießen, gibt es eine Jungschar, sowie ein Teenkreis. „Unser Anliegen bei den Angeboten ist es, verschiedene Facetten der Landwirtschaft und der Natur erlebbar zu machen, sowie die Weitergabe christlicher Werte“, erläutert Daniel Busch, der neben seiner Tätigkeit als Landwirt als staatlich anerkannter Erzieher bei Hand&Werk mitarbeitet.

„Besonders der Umgang mit den Tieren kommt bei den Kindern gut an“, sagt der 26-Jährige. „Aufgrund dessen haben wir unsere Tierarten gemeinsam mit Hand&Werk um Hühner, Schafe und zwei Ponys erweitert.“ Doch auch die Kühe spielen hier eine Rolle, wie zum Beispiel die Kuh Barbie, die sich so schnell nicht aus der Ruhe bringen lässt. „Ich habe schonmal darüber nachgedacht, für Barbie eine Reitbeteiligung auf Ebay-Kleinanzeigen anzubieten“, witzelt Daniel Busch.

Das Engagement sei aus Leidenschaft, aber auch aus dem Glauben heraus entstanden. „Wir wollen den Kindern und Jugendlichen hier auf dem Hof etwas Wertvolles mit auf den Weg geben“, fügt der junge Familienvater hinzu.