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Hückeswagen: Pure Heimat in Kaisersbusch

Orts- und Straßennamen in Hückeswagen : Pure Heimat in Kaisersbusch

In der kleinen Ortschaft stehen nur drei Häuser, es lebt sich sehr familiär. Und der Zusammenhalt ist groß.

Wenn man nach Kaisersbusch fahren möchte, muss man sich in Hückeswagen gut auskennen. Denn die kleine Ortschaft mit ihren drei Häusern liegt versteckt im hügeligen Land hinter Holte und auf halbem Weg nach Wipperfürth. Manfred und Inge Gräf leben dort schon lange. Manfred Gräf ist zwar vor 72 Jahren im Johannesstift geboren worden, hat aber anschließend sein Leben lang in der Hofschaft gelebt. „Meine Familie wohnt schon seit mehreren Generationen hier in Kaisersbusch. Bis zum Urgroßvater kann ich das noch zurückverfolgen, aber dann verliert es sich“, erzählt er. Die Historie der Hofschaft ist jedoch weitaus älter, wie ein Blick in die Geschichtsbücher verrät. „Da ist die Rede einer Hofschaft mit dem Namen ‚zome Busche‘, die erstmals 1374 urkundlich wurde, weil sie dem Kölner St.-Ursula-Stift Einkünfte abgeben musste“, sagt Gräf.

Es ist geruhsam, friedlich und ruhig, wenn man von der Straße von Holte kommend rechts abbiegt und auf die drei Häuser zufährt. Auf der Weide stehen einige Kühe, Besucher bei der Familie Gräf werden zudem von einer Schar Gänsen begrüßt. „Wir haben eine Landwirtschaft gehabt, Milchkühe. Aber das haben wir dann mit dem Eintritt ins Rentenalter aufgegeben. Jetzt haben wir noch einzelne Tiere“, sagt der 72-Jährige. Eine der drei Töchter wohnt im zweiten Haus von Kaisersbusch. „Das war das Haus meiner Schwiegereltern. Sie sind verstorben, die Tochter wollte dann wieder zurück nach Kaisersbusch und wohnt jetzt dort“, erzählt Inge Gräf.

Das Ehepaar hat vier Kinder, der Sohn wohnt im Obergeschoss des Elternhauses, die zweite Tochter in Hückeswagen und die dritte in Goch am Niederrhein. Im dritten Haus von Kaisersbusch wohnt indes kein weiteres Familienmitglied, wie Manfred Gräf schmunzelnd sagt. „Aber es ist schon so, dass wir einen großen Zusammenhalt hier auf dem Land haben.“

Dafür bringt er ein Beispiel, das sich den Menschen von Holte bis Rautzenberg mit Sicherheit ins Gedächtnis eingebrannt haben dürfte. „1979 haben wir in einer großen Gemeinschaftsleistung die Wasserleitungen verlegt“, erinnert er sich. Die BEW habe damals von sich aus kein Interesse daran gehabt, die Leitungen zu verlegen, also seien die Dorfbewohner selbst aktiv geworden. „Es war eine Bauzeit von etwa einem halben Jahr, alle Einwohner der Dörfer haben dabei mitgemacht“, erinnert sich der 72-Jährige. „Die Männer haben draußen gearbeitet, die Frauen haben sich um die Verpflegung gekümmert“, ergänzt seine Frau. Die Stadtverwaltung habe einen Bagger samt Fahrer gestellt, während die BEW die Rohre zur Verfügung gestellt habe. „Bis dahin hatten wir Brunnen für die Wasserversorgung. Aber wir brauchten mehr Wasser, auch weil es größere landwirtschaftliche Betriebe gab“, sagt Manfred Gräf.

Die gemeinsame Arbeit habe die Gemeinschaft weiter verstärkt. „Das ist auch heute noch so: Wenn ein Anwohner Geburtstag feiert oder geheiratet wurde – oder die silberne oder goldene Hochzeit gefeiert wird –, sind alle mit dabei“, berichtet Inge Gräf. Ihr Mann ergänzt: „Dafür werden große Blumengestecke gebastelt und an die Häuser gehängt. Das kennt man in den Großstädten meist gar nicht. Gäste von außerhalb blicken dann immer ganz erstaunt drein.“

Langweilig werde es ihm auch im Ruhestand in Kaisersbusch nicht, versichert der 72-Jährige. „Man hat immer was zu tun, es gibt den Garten oder ich gehe in den Busch und schlage Holz für den Kamin.“ Für ihn ist das Leben in der kleinen Hofschaft pure Heimat. „Ich bin hier verwurzelt. Ich gehe hier nicht mehr weg“, betont Graf. Seine Lieblingsstelle kann er auch eindeutig benennen – den Dom-Blick an der Abzweigung bei Isenburg. „Von da aus kann man bei entsprechender Witterung tatsächlich den Kölner Dom sehen. Und man hat da oben auch eine wunderbare Aussicht über das hügelige, grüne Land. Das ist wunderschön, dort bin ich sehr gerne.“ Die Stelle ist auch bei anderen beliebt, wohl allerdings auch bei Vandalen, wie Inge Gräft traurig sagt: „Kürzlich wurde uns der Domblick verwüstet – dafür fehlt mir jegliches Verständnis.“