Hückeswagener Genossen wollen Eskens / Walter-Borjans

Wahl der SPD-Bundesspitze : Hückeswagener Genossen wollen Esken und Walter-Borjans

Die SPD-Mitglieder stimmen derzeit über die neue Doppelspitze der Bundespartei ab. In der Schloss-Stadt scheint sich ein Favoriten-Paar herauskristallisiert zu haben.

Wenn es nach den Hückeswagener Genossinnen und Genossen geht, wird die Bundespartei künftig von einem Duo aus Nordrhein-Westfalen geführt. Bei einer Umfrage unserer Redaktion sprachen sich alle vier Befragten für Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans aus. Die Bundestagsabgeordnete (58) und der frühere NRW-Finanzminister (67) haben zumindest die Stimmen von Horst und Heike Fink, Ditmar Jaeger und Tobias Wachs sicher, um ab Dezember die Nachfolge der zurückgetretenen Parteichefin Andreas Nahles zu übernehmen.

Für Wachs, Schriftführer der im Frühjahr neu in Hückeswagen etablierten Jusos, kamen letztlich nur zwei der insgesamt sechs Duos in Frage: Christina Kampmann und Michael Roth oder Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans. Kampmann / Roth seien jung und (eher) links. „Sie haben Erfahrungen in Außenpolitik, Digitalisierung und diskutieren kontrovers und offen über ihre Meinungen und haben gute Ideen zur Änderungen innerer Strukturen“, betont Wachs. Esken / Walter-Borjans hätten Regierungserfahrung, seien links, digital versiert und stünden letztlich für soziale Gerechtigkeit und eine Bekämpfung des Raubtierkapitalismus. „Genau diese beiden Punkte können die Partei weiterbringen“, sagt der Hückeswagener Juso. „Mit einem linken Programm, einem Ende der großen Koalition und der Rückkehr zu sozialdemokratischen Themen können wir auch wieder mittelfristig Wahlen gewinnen.“ Daher sei das Duo Esken / Walter-Borjans am besten für den Vorsitz geeignet.

Ditmar Jaeger, mit einer Unterbrechung seit 1961 in der SPD, gibt ebenfalls diesem Duo seine Stimme. „Es muss was passieren bei uns“, stellt der Hückeswagener klar. Seit Jahren werde in der Partei alles nur schöngeredet, aber letztlich ohne Wirkung. Entsprechend müsse ein Schlussstrich gezogen werden – auch bei der Groko. Jaeger sähe es am liebsten, die SPD würde aus der Koalition mit der Union aussteigen, glaubt aber nicht daran unter einem Vorsitz von Esken und Walter-Borjans. Dennoch sind diese beiden seine Favoriten für die Ämter an der Spitze der Bundes-SPD: „Die Jusos stehen komplett hinter ihnen, und sie werden junge Leute mit reinziehen.“ Denn die SPD braucht offenbar gerade junge und frische Ideen.

Horst Fink ist immer noch euphorisch, wenn er an die Regionalkonferenz Ende September in Troisdorf denkt, der Vorsitzende des Ortsvereins ist weiterhin angetan von „der tollen Atmosphäre und Stimmung“. Fink hatte festgestellt: „Das sozialdemokratische Herz schlägt wieder!“ Zudem wurde bei dieser Veranstaltung reichlich Zuversicht verströmt. „Ich habe viele gute Sachen dort gehört“, berichtet der SPD-Ratsherr. Letztlich habe er sich für Esken / Walter-Borjans entschieden – Esken habe eine klare Sprache, Walter-Borjans präge eine Standfestigkeit gegenüber dem Großkapital. „Außerdem hat er bei den Ankäufen der Steuer-CDs klare Kante bewiesen“, sagt Fink.

Auch bei seiner Frau gab die Regionalkonferenz den Ausschlag für ihre Entscheidung: Esken und Walter-Borjans hätten sie mit ihren Argumenten und ihrer Art überzeugt, macht Heike Fink deutlich. „Ich glaube, dass dieses Duo die SPD wieder nach vorne bringen kann.“ Beide seien nicht verbraucht und nicht zu sehr in der Bundespolitik verstrickt, aber lange genug dabei, um sich bereits einen Namen gemacht zu haben. „Mit ihrer Art bringen sie die Leute hinter sich – ältere wie jüngerere“, ist sich Heike Fink sicher.

Derweil zeigt sich Tobias Wachs angetan von der Ur-Wahl durch die Parteibasis. „Ich begrüße diese Wahl als starkes basisdemokratisches Mittel und hoffe, dass dies weiter ausgebaut wird“, sagt er mit Blick auf die Wahl des Kanzlerkandidaten.

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