Hückeswagen: Dreigestirn als Helden in Strumpfhosen

Hückeswagen: Dreigestirn als Helden in Strumpfhosen

Das Hückeswagener Trio Torsten Pütz, Holger Haybach und Axel Mundt bildet in der kommenden Karnevalssession das Dreigestirn der Narrenzunft Neye. Mit der Anprobe der Kostüme ging's für die Jungs jetzt inoffiziell los.

Keine Kompromisse. Der Bart bleibt dran! Axel Mundt wird auch als Jungfrau Alexandra auf den liebevoll gepflegten Kinnbart nicht verzichten. Ein ausgewachsener Damenbart ist der etwa sechs Zentimeter lange und zwei Zentimeter breite Streifen ohnehin nicht. Außerdem verleiht er der jecken, blond perückierten Jungfrau das gewisse Etwas.

"Papa, Du bist ja jetzt ein Mädchen!": Mundts Tochter Maxime kann's noch gar nicht richtig fassen, als der 50-Jährige im Wintergarten seines Kumpels und Prinzgemahls Torsten Pütz zum ersten Mal das blau-güldene Jungfrauen-Kostüm anprobiert – Perücke, Krone und der obligatorische Handspiegel inklusive. Nur das Strumpfband fehlt noch; das kommt erst in der Session zum Einsatz. "Wenn einer das haben will mit den Zähnen, muss er zahlen", sagt Jungfrau Alexandra zur Erheiterung seiner Adjutantin Peggy Brandenburg, die in der Session 2011/12 selbst Prinzessin war.

Derweil schwitzt Bauer Holger schon in vollem Ornat. Dicke Jacke, Umhang, schwere Hose, Stiefel und der Hut mit den neu eingesteckten Pfauenfedern auf dem Kopf – der Hückeswagener ahnt so langsam, auf was er sich da eingelassen hat. In Pütz' Wintergarten ist es noch angenehm kühl, die Körpertemperatur geht dennoch in Richtung Fieber. Und auch der Jungfrau wird's ein wenig plümerant: "Unter der Perücke sind's gefühlte 38 Grad", stöhnt Alexandra, muss aber dabei lachen. Wie soll das während der Session erst in den vollbesetzten Sälen und Zelten werden?

Mittlerweile ist auch der "Chef" des närrischen Triumvirats aufgetaucht. Torsten Pütz trägt eine kurze Pumphose über der weißen Strumpfhose und in Ermangelung der blauen Schnallenschuhe noch Gesundheitslatschen – so also sieht der Traum eines jeden Jecken aus, den Wicky Junggeburth im Kölner Karneval so hingebungsvoll mit "Eimol Prinz zo sin. . ." besingt.

Während Bauer Holger mit Jacqueline Clever von der Narrenzunft Neye ebenfalls schon eine Adjutantin zur Seite steht, hat der Prinz noch keinen fürsorglichen Begleiter gefunden. Bei der Anprobe hilft ihm daher die Vereinsschneiderin Bärbel Leineweber in die Prinzenjacke und knöpft ihm den Umhang an die Schulter. "Is' was spack", stellt die Expertin fest, als sie prüfend von hinten an der Jacke zupft. "Das ist das einzige Kostüm, das gepasst hat", echauffiert sich Torsten Pütz. Das gute Secondhand-Stück hatte er extra bei Hintzen in Korschenbroich geholt, einer auf Uniformen und Kostüme aller Art spezialisierten Firma.

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Die Schneiderin hat jedoch eine Lösung parat: "Dann setzen wir die Knöpfe ganz nach außen." Dadurch bekommt der Prinz im Rücken mehr Spielraum. Probeweise wirft der 48-Jährige die Arme in die Luft, als würde er ein imaginäres närrisches Volk begrüßen. Als die Arme wieder unten sind, rutscht auch das Oberteil auf die Hüfte. "Bei den anderen Kostümen war ich bei sowas bauchfrei", erzählt Torsten I. grinsend.

Bärbel Leineweber bittet er: "Mach es nicht zu eng, sonst rutscht das Oberteil nicht wieder runter, wenn ich mal in Aktion bin." Die Weihnachtsplätzchen-Saison fällt für ihn und seine beiden Mitstreiter daher wohl zugunsten der Karnevalssession aus.

Bis morgen müssen die Kostüme perfekt sitzen, denn dann stellt sich das erste Hückeswagener Dreigestirn im Wipperfürther Karneval zusammen mit der gesamten Narrenzunft Neye dem Fotografen für das Sessionsheft und den Internetauftritt. Ausgerechnet am Altstadtfest-Sonntag! Torsten Pütz hat "seinem" Bauern daher angeboten, sich bei ihm umzuziehen. Denn Holger Haybach wohnt an der Marktstraße. "Und Du willst ja nicht etwa in voller Montur übers Altstadtfest laufen. . ."

Das würde in der karnevalistischen Diaspora Hückeswagen wohl für so manchen irritierten Blick sorgen. Aber die drei Heukeshowwer Jungs haben sich ohnehin vorgenommen, in der nächsten Karnevalssession der Schloss-Stadt ein wenig Entwicklungshilfe in Sachen Schunkeln, Strüßjer und Bützen zu geben.

(RP)
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