Die Grippewelle 2018 greift in den Alltag in Hückeswagen ein

Hückeswagen: Die Grippewelle greift in den Alltag ein

Die landesweite Grippewelle hat auch Hückeswagen fest im Griff. Die Arztpraxen sind rappelvoll, in manchen Firmen fehlen große Teile der Belegschaft, Lehrer unterrichten vor halben Klassen. Wie kann man sich vor der Ansteckung schützen?

Wenn es sogar die Ärzte selbst erwischt, muss es eine außergewöhnliche Situation sein. Davon berichtet auch der Hückeswagener Allgemeinmediziner Werner Fabig im Gespräch mit unserer Redaktion. So müssen seine Frau und er, wie auch andere Kollegen, die Patienten von erkrankten Hausärzten übernehmen. Das macht die Lage dramatischer und die Wartezimmer voller. "Die Notfallversorgung im Oberbergischen Kreis ist aber nach wie vor gesichert", berichtet Kaija Elvermann, Leiterin des Kreisgesundheitsamts.

Wie ist die aktuelle Lage im Kreis?

Die Grippewelle führt auch in Oberberg zu einem Anstieg grippaler Infekten und Atemwegserkrankungen. Nicht in allen Fällen handelt es sich um die echte Grippe, die Influenza. In der vorigen Woche wurden dem Gesundheitsamt etwa 100 neue Fälle einer "echten" Grippe gemeldet. Der Trend zum Infektionsanstieg ist ungebrochen. "Wir haben den Höhepunkt noch nicht erreicht. Ich gehe davon aus, dass das noch zwei bis drei Wochen so weitergehen wird", sagt Fabig.

Wie ist die Situation in Hückeswagen?

Wann eine Grippe lebensgefährlich sein kann

Die Arztpraxen sind voll, einige Ärzte müssen zudem erkrankte Kollegen vertreten. Viele Hückeswagener leiden an einem grippalen Infekt, auch gibt es viele mit Durchfall und Übelkeit.

Verläuft die Grippesaison 2018 ungewöhnlich?

Bisher ist die Anzahl der Erkrankungen für den Kreis und die Jahreszeit nicht ungewöhnlich. Das Zusammentreffen von verschiedenen Infektionskrankheiten führt allerdings zu erhöhten Personalausfällen in Gemeinschaftseinrichtungen und unter medizinischem Personal. Für den Hückeswagener Arzt ist allerdings der Verlauf ungewöhnlich. Bekommt man normalerweise innerhalb von wenigen Stunden plötzlich Fieber, Halsschmerzen und Husten und klingt die Erkrankung nach wenigen Tagen wieder ab, "kommt sie jetzt schleichend und bleibt lange", sagt Fabig. Der Arzt hat schon mehrere Patienten für bis zu drei Wochen krankschreiben müssen.

Welche Schutzmaßnahmen kann ich treffen?

Der beste Schutz gegen eine Grippe ist die frühzeitige Impfung vor der Wintersaison, am besten im Oktober. Die Ständige Impfkommision empfiehlt die regelmäßige, jährliche Impfung für chronisch kranke Menschen, medizinisches Personal, Menschen ab dem 60. Lebensjahr, Schwangere im zweiten Trimenon sowie Menschen mit viel Publikumskontakt.

Kann ich mich noch impfen lassen?

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Das Robert-Koch-Institut empfiehlt die Impfung bestimmter Risikogruppen über die ganzen Wintersaison. Eine Impfung für Spätentschlossene kann tatsächlich auch jetzt noch wirken oder den Erkrankungsverlauf zumindest abschwächen.

Welche Impfstoffe stehen zur Verfügung?

Es gibt zwei verschiedene Impfstoffe gegen die saisonale Grippe: ein sogenannter Dreifach- und ein Vierfach-Impfstoff. Diese beinhalten Wirkstoffe gegen die häufigsten, aktuellen Grippeviren. Beide Impfstoffe werden jeweils nur einmal pro Wintersaison geimpft. In dem Vierfach-Impfstoff ist eine zusätzliche Variante gegen den Influenza-Stamm der Yamagata-Linie (Influenza B) enthalten. Dieser ist in diesem Winter stärker vertreten als in den Vorjahren. Wahrscheinlich werden 50 Prozent und mehr der aktuellen Grippefälle von der B-Variante verursacht.

Sollte ein Dreifach- oder Vierfach-Impfstoff verwendet werden?

Bis zur Wintersaison 2012/13 gab es ausschließlich saisonalen Dreifach-Impfstoff, seither gibt es auch den Vierfach-Impfstoff. Dieser enthält jeweils zwei Varianten eines bestimmten Virusstamms. In der laufenden Wintersaison hat die Ständige Impfkommission ihre Empfehlung hin zum Vierfach-Impfstoff geändert, da sie sich davon einen besseren Schutz gegen die Influenza B erhofft.

Welche weiteren Schutzmaßnahmen gibt es?

Das Zusammenspiel von anhaltendem kaltem Wetter sowie schlecht gelüfteten, trockenen Räumen kann die Atemwege angreifen und zu einer schlechten Immunabwehr führen, so dass Viren leichtes Spiel haben. Regelmäßiges Lüften kann die Immunabwehr ebenso unterstützen, wie häufiges, gründliches Händewaschen mit Seife. Zudem sollten Händeschütteln und der direkte Kontakt mit Erkrankten vermieden werden. Die Leiterin des Kreisgesundheitsamts rät, dass sich erkrankte Menschen zu Hause auskurieren sollten - zum einen, um weitere Komplikationen zu vermeiden, zum anderen zum Schutz anderer Menschen vor Erkrankung.

Gibt es bereits Todesfälle?

"Am Sonntag ist eine Person in einem Krankenhaus im Oberbergischen Kreis verstorben", berichtet Kaija Elvermann. Sie war bereits seit mehreren Tagen schwer erkrankt. Eine Influenza B wurde zwischenzeitlich nachgewiesen.

Kontakt zum Kreisgesundheitsamt unter Tel. 02261 88-5305. www.rki.de www.infektionsschutz.de www.obk.de

(büba)