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Freilaufende Hunde reißen drei Rehe binnen zehn Tagen in Gruiten

Jagdrevier Gruiten : Hunde töten drei Rehe in zehn Tagen

In zwei Fällen starben auch Jungtiere im Mutterleib. Der Jagdpächter ist geschockt und informiert mit Zusatzschildern.

Die Zeit zwischen April und Mai ist für Karl-August Niepenberg normalerweise immer eine ganz besondere: In diesen Wochen tragen die weiblichen Rehe (Ricken) ihre Kitze aus, die dann im Mai zur Welt kommen (in 90 Prozent aller Reh-Schwangerschaften werden Zwillinge geboren).

Doch in diesem Jahr ist die Freude des Gruitener Jagdpächters auf den tierischen Nachwuchs deutlich getrübt. Mehrere Fälle von wildernden Hunden machen Niepenberg mächtig zu schaffen: „Allein in den vergangenen zehn Tagen haben wir drei Tiere verloren“, berichtet er. Neben einem Rehbock seien auch zwei Ricken gerissen worden. „Als wir die Tiere untersucht haben, mussten wir feststellen, dass beide jeweils zwei Junge trugen.”

470  Hektar umfasst das Jagdrevier des Gruiteners, etwa 50 Rehe sind dort beheimatet: „Wenn man diese Zahlen zugrunde legt, haben wir in den vergangenen Tagen bereits fast zehn Prozent unseres Bestandes verloren“, rechnet er vor.

Das Gebiet von der Grenze zu Schöller über Oberhaan, Teile des Osterholz bis hin zur Grube 7 beinhaltet jede Menge Wanderwege. Gerade in den vergangenen Tagen waren viele zusätzliche Erholungssuchende dort unterwegs.

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Die coronabedingte Konzentration auf Spaziergänge hat auch viele Hundebesitzer in den Wald geführt, die dort sonst eher seltener hingehen. „Das sollen sie alle ja auch gerne tun“, betont Karl-August Niepenberg, „aber bitte nur mit dem Hund an der Leine.“

Das gelte im Übrigen auch für jene Hunde, die normalerweise gut auf Kommandos hören: „Wenn der Jagdinstinkt einsetzt, machen Sie als Hundehalter gar nichts mehr – dann ist das Tier weg und hetzt das Wild“, weiß der Jäger aus langjähriger eigener Erfahrung. Deshalb gelte klipp und klar: „Im Wald herrscht Leinenpflicht.“ 95  Prozent der Hundehalter seien einsichtig und hielten sich an die Vorschrift, so seine Erfahrung. der Rest sei leider meist unbelehrbar.

Gerd Spiecker ist Vorsitzender der Kreisjägerschaft Düsseldorf und Mettmann und kennt das Problem ebenfalls. Er sagt: „Es gibt diejenigen, die den Hund an die Leine nehmen, sobald wir auftauchen und ihn sofort wieder losmachen, wenn wir nicht mehr zu sehen sind. Die tun lediglich so, als hätten sie ein Einsehen, stattdessen ist ihnen alles egal. Und leider kommt es auch immer wieder vor, dass wir aufs übelste beschimpft werden.“ Einmal habe er sogar die Polizei gerufen und Anzeige erstattet, so aggressiv habe sich der Hundehalter ihm gegenüber gezeigt, berichtet Spiecker.

Viermal hat auch Niepenberg bereits gerichtlich Bußgelder gegen besonders uneinsichtige Hundehalter erwirkt. 300 bis 400 Euro betrug die zu zahlende Summe. Doch diesen Weg beschreitet er äußerst ungern, und das nicht nur, weil die Gerichte mittlerweile überlastet sind.

Der Jagdpächter hofft immer noch, dass er an die Vernunft der Leute appellieren kann. Daher hat er jetzt eine ganze Reihe Hinweisschilder zusätzlich angebracht, auf denen er deutlich macht, warum die Leinenpflicht gerade in der „Kinderstube des Wildes”, wie der Wald auch oft genannt wird, so wichtig ist.

„Gerade in den kommenden Wochen werden sich viele Jungtiere im hohen Gras befinden, nicht nur Rehkitze“, sagt Niepenberg. „Ein einziger freilaufender Hund kann da verheerende Schäden anrichten.“