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Corona bringt auch die Wälder in Leverkusen und Leichlingen in Gefahr

Wilder Müll und Zigaretten : Corona bringt Wälder in Gefahr

Viele Menschen zieht es derzeit in den Wald. Vermüllung und Brandgefahr steigen.

Ein Spaziergang ins Grüne, das Wetter genießen, auf andere Gedanken kommen – derzeit zieht es viele Menschen in die Wälder. Von Home-Office, Kontaktverboten und den eigenen vier Wänden geplagt, sehnen sie sich nach frischer Luft und Bewegung. Die Konsequenz sind stark frequentierte Routen durch Flora und Fauna. Für die Natur hat das teils dramatische Folgen, wie Forstverwalter warnen. Sie beklagen Müllberge, steigende Brandgefahr durch Zigarettenkippen und Stress für Wildtiere durch abgeleinte Hunde.

Einer von ihnen ist Ralf Pilgram, der mit dem Bürgerbusch das größte zusammenhängende Waldgebiet Leverkusens unter seinen Fittichen hat. „Wir haben einen Punkt erreicht, an dem Menschen ihren Müll im Wald abladen“, sagt der 70-Jährige. „Da die städtischen Annahmestellen wegen Corona geschlossen sind, werden Bauschutt oder Gartenabfälle einfach im Wald entsorgt.“ Vor allem am der Wohnbebauung nahen Bürgerbuschweg sei das traurige Ergebnis sichtbar. „Die Leute bringen alles her. Es ist schlimm.“ Er melde alle Verstöße dem Ordnungsamt. In einem Fall sei der Verursacher vielleicht durch einen gefundenen Kassenbon zu ermitteln, auf dem die Kontonummer des Abfallsünders zu sehen sei. „Das Müllproblem liegt mir sehr am Herzen, sagt Pilgram.

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Doch das ist nicht seine einzige Sorge in dem großen Waldareal mitten in der Stadt. Durch geringen Niederschlag steigt die Gefahr für Brände im Unterholz, wo noch viel durchgetrocknetes Laub liegt. Unachtsam weggeschnippte Zigaretten können schnell zu einem Feuer werden, das zu einem Waldbrand anwächst. „Das ist sehr, sehr gefährlich“, sagt Pilgram und verweist auf einen Böschungsbrand Ende März.

Zudem habe er vergangenen Freitag eine kleine Gruppe junger Leute im Wald angetroffen, die sich wohl abseits der Wege verabredet hatten. Er habe den Jugendlichen mahnende Worte mit auf den Weg gegeben, sich an die Regeln zu halten und anschließend ihren Müll mitzunehmen, „aber nichts dergleichen ist passiert. Am nächsten Tag habe ich die Bescherung dann gesehen“, klagt der 70-Jährige. „Ich habe Verständnis dafür, dass es viele bei dem schönen Wetter nach draußen zieht, leider gibt es einige sehr rücksichtslose Zeitgenossen.“

Unter diese Kategorie fallen auch einige Hundehalter, die ihre Vierbeiner im Wald ableinen. Das sei in der beginnenden Brut- und Setzzeit der Wildtiere nicht akzeptabel, sagt Peter Krause, Förster im Roderbirkener Wald. „Die trockenen Sommer der vergangenen Jahre, das Eschentriebsterben und der Borkenkäfer haben dem Klinikwald erheblichen Schaden zugefügt.“ Ein Drittel der Fichtenbestände sei krank oder abgestorben. „Dadurch haben die Wildtiere deutlich weniger Deckung.“ Auch er mahnt, beim Spaziergang aufs Rauchen verzichten: „Der Wald ist sehr geschwächt.“

(dora)