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Immer der Nase nach: Mantrailing als Hobby in Neukirchen-Vluyn

Spürhunde : Immer der Nase nach: Mantrailing als Hobby

Jürgen Schneider hat seine Hunde Aimy und Stella zu Suchhunden ausgebildet. Es geht um artgerechte Beschäftigung für die Tiere.

Aimy, Stella, Curtis, Yoss und Dörte verbindet ein Talent. Sie sind Supernasen. Jürgen Schneider, Besitzer der Vierbeiner Aimy und Stella, trainiert mit ihnen regelmäßig seit einigen Jahren. Über einen Facebook-Aufruf hat er andere Hundebesitzer gefunden, die sich ebenfalls mit ihren Fellnasen auf die Suche spezialisiert haben. Mantrailing nennt sich im Fachjargon das Ausbildungsfach, bei dem trainierte Hunde Menschen aufgrund ihres Individualgeruchs suchen und finden.

„Rund 10.000 verschiedene Gerüche kann der Mensch über fünf Millionen Riechzellen wahrnehmen. Die Hundenase toppt das Ganze mit gut 250 Millionen Riechzellen“, sagt der 61-Jährige. Zusammen mit Olaf Großeweischede (43) und Catherine Elsner (30) arbeitet er auf Industriebrachen und anderen für Hundenasen interessanten Flächen. „Mir geht es um eine artgerechte Auslastung“, so die Motivation von Catherine Elsner. Ihr Curtis ist von Haus aus ein Trüffelsuchhund. Lagotto Romagnolo nennt sich diese alte italienische Hunderasse mit Pudeloptik, die ursprünglich Wasserwild apportierte. „In Deutschland ist die Trüffelsuche verboten. Mantrailing ist unser Hobby“, sagt Elsner.

Die Gruppe „Suchhunde Neukirchen-Vluyn“ bietet ein munteres offenes Treffen ohne Vereinsstatus, die aus Spaß an der Freude einem Hobby nachgeht. „Zu uns kommen die unterschiedlichsten Hunde, so auch ein kleiner Chihuahua. Meine Mischlingshunde habe ich aus dem Tierschutz und angefangen, mit ihnen zu trainieren“, erzählt Schneider. Olaf Großeweischede arbeitet beispielsweise mit seiner Wunschhündin Dörte, einem Australian Cattle Dog. Die Rasse wurde ursprünglich bei der Viehtreiberei in Australien eingesetzt.

Dass Jürgen Schneider sich dem „Mantrailing“ verschrieben hat, erklärt sich schnell. Agility, der schnelle Hundesport auf dem Platz, war ihm zu anstrengend, das bloße Spazierengehen mit der Leine zu langweilig. Er ist überzeugt, jeder Hund eignet sich für die Suche, wenn man ihn lässt, Herrchen oder Frauchen mitmachen. Schneider: „Wir probieren aus, ob es passt. Denn der Hund entwickelt beim Training durch die Aufgabenstellung Selbstständigkeit, weil er alleine arbeitet. Jeder Erfolg stärkt sein Selbstbewusstsein. Das unterschätzen manche Hundehalter.“

Mit einfachen Übungen und Kommandos wie „Riech“ und „Such“ beginnt das Training. Zum Schluss sind es ganz individuelle Geruchsartikel und Duftmarken einer Person, den die Hunde in der Nase haben und mit der Sucharbeit beginnen. Sie sortieren andere Gerüche aus, bis die vermisste Person gefunden ist. Aufgabe des Hundeführers ist die richtige Deutung, das Lesen der Körpersignale seines Hundes.

„Mich fasziniert dabei der jeweilige Hundecharakter und das wenige Material, das der Hund braucht, um erfolgreich zu sein“, sagt Olaf Großeweischede. Hündin Stella arbeitet sehr ruhig und weicht nicht vom Weg ab, andere üben sich in „Erbsenzählermanier“ und kleben mit der Nase auf der Spur. Talente offenbaren sich, beispielsweise, wenn die Hunde eine 24 Stunden alte Fährte ausarbeiten. Leichter Nieselregen gilt bei der Suche als ideale Arbeitsbedingung. Mit der 7,5 Meter langen Leine gibt der Hundeführer das Tempo bei der Suche vor. Der Hund trägt Profigeschirr. „Sobald ich Curtis das Geschirr anziehe und die Leine nehme, weiß er Bescheid und ist aufgeregt. Es geht zum Training. Ansonsten führt er ein ganz normales Hundeleben“, sagt Elsner.