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Grevenbroich: Unser Prinzenführer in Köln

Grevenbroich : Unser Prinzenführer in Köln

Der Grevenbroicher Rüdiger Schlott hat eine wichtige Aufgabe im Kölner Karneval: Er ist Prinzenführer. Der 46-Jährige sorgt dafür, dass das Dreigestirn der Domstadt bei mehr als 400 Terminen pünktlich auf der Bühne steht.

Der Mann ist richtig im Stress: Innerhalb von 52 Tagen muss er 410 Termine organisieren, koordinieren und letztlich auch besuchen. Rüdiger Schlott (46) aus Grevenbroich ist Prinzenführer der Kölner Prinzen-Garde von 1906. Er sorgt dafür, dass Prinz Frank Steffens, Bauer Günter Fluch und Jungfrau Hans Rene Sion ("Reni) pünktlich auf den kleinen und großen Bühnen des "kölschen Fasteleers" stehen. Ein Knochenjob!

Schlott ist als Vorreiter der Grevenbroicher Schützen bekannt. In jedem Sommer führt er das Regiment hoch zu Ross an. Seit einigen Jahren ist er auch im Kölner Karneval ganz vorne mit dabei. 1991 machte Schlott seine ersten Erfahrungen in der Fußtruppe der Prinzen-Garde, später wechselte er ins Reiterkorps, wurde später Equipeführer. "Diese Sache muss ich wohl gut gemacht haben", meint er lächelnd. Denn kein Geringerer als der heutige Präsident der Prinzengarde, Kurt Stumpf, schlug den Grevenbroicher vor, seine Nachfolge als Prinzenführer anzutreten. Seit 2008 kümmert sich Rüdiger Schlott nun um die Termine der jeweiligen Dreigestirne.

"Das ist vor allem in der heißen Phase eine sehr zeitintensive Aufgabe", erklärt Schlott. Nach der Prinzenproklamation, die wegen der langen Session in diesem Jahr erst am 14. Januar über die Bühne ging, ist der Grevenbroicher nahezu pausenlos mit Prinz, Bauer und Jungfrau unterwegs. "Manchmal haben wir an einem Abend bis zu 15 Termine vor der Brust", berichtet der 46-Jährige: "Vom Besuch in der Kinderklinik über Seniorensitzungen bis hin zu den Prunkveranstaltungen den großen Sälen." Mit dem Jahresurlaub alleine lasse sich das nicht bewerkstelligen: "Zum Glück habe ich einen verständnisvollen Chef, der mir ausreichend Freiraum lässt", erzählt der Mitarbeiter einer großen Versicherungsgesellschaft. Um immer am Ball und nahe beim Dreigestirn zu sein, hat er für den Rest der Session seinen Wohnsitz in die "Hofburg" der Narrenherrscher verlegt, das Kölner Pullmann-Hotel. Ehefrau Stefanie lebt derzeit alleine zu Hause. Sie kann aber durchaus die Leidenschaft ihres Mannes nachvollziehen – sie mischt im Reiterkorps mit und ist Ehrensenatorin der Großen Kölner Karnevalsgesellschaft von 1882.

Mit dem Dreigestirn pflegt Rüdiger Schlott einen höflichen, aber bestimmten Umgang: "Prinz, Bauer und Jungfrau können sich blind auf mich verlassen – dafür müssen sie aber auf mein Kommando hören. Denn Pünktlichkeit ist ein absolutes Muss im Karneval", erklärt Schlott. Bis zum Rosenmontag hält der Termin-Stress an. Am höchsten Feiertag der Domstadt kann der Grevenbroicher jedoch ein wenig verschnaufen. Dann steht der Vorreiter der Bürgerschützen auf dem Prinzenwagen von Narrenherrscher Frank Steffens. Und dann wird er Kamelle unters Volk werfen – und zwar gleich zentnerweise.

(NGZ)