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Eine "Miteinanderstadt" sollte Randgruppen in ihre Mitte holen

Soziales Miteinander : Tafel in Hotelkomplex integrieren?

Manuel Brüx muss damit rechnen, als Träumer und Utopist angesehen zu werden. Vielleicht ist ja sein Traum aber wert, mal drüber nachzudenken? Er fände es toll, einen Hotelbau mit sozialen Einrichtungen aufzuwerten.

Utopien passen nicht in unsere meist so nüchterne Sicht der Dinge. Wenn jemand ambitionierte Pläne hat, die wirtschaftlich wenig sinnvoll erscheinen, wird er schnell als Spinner abgetan. Aber zurzeit ist wenig normal, und da darf man ruhig auch mal seiner Phantasie und Sehnsucht freien Lauf lassen, findet Manuel Brüx. Die Gocher Tafel in einen Hotelbau zu integrieren fände er eine gute Idee.

Der Ehrenamtler gehört zum Team der Tafel, die in seiner Heimatstadt übergangsweise ein neues Domizil gefunden hat. Wegen der Corona-Pandemie mussten die Helfer ihren Service erst einmal aussetzen, denn in den Stamm-Räumlichkeiten war es zu beengt, um dort kontaktlos, wie es die Krise fordert, zu agieren. Das Angebot, erst einmal den leerstehenden Aldi-Markt an der Gartenstraße zu nutzen, der nach Grundstückstausch der Stadt gehört, wurde gerne angenommen. Die Örtlichkeit stellte sich als so geeignet heraus, dass die Ehrenamtler um Pfarrerin Rahel Schaller dort am liebsten gar nicht mehr weg gingen. Insbesondere Manuel Brüx vom Leitungsteam fragt sich, ob es der „Miteinander-Stadt“ nicht gut zu Gesicht stünde, die am Rand der Gesellschaft lebenden Menschen in ihre Mitte zu holen, indem man ihnen eine neue Anlaufstelle bietet?

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„Bei der gegenwärtigen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Entwicklung wird die Altersarmut erheblich zunehmen, viele Menschen werden auch auf die Tafeln angewiesen sein“, glaubt Brüx. Er ist froh über die städtische Initiative, die dazu führte, dass in Goch die Lebensmittelausgabe an Bedürftige wieder möglich ist. Der neue Standort kommt gut an, „auch wenn er für die Mitarbeiter der Tafel eine ziemliche Belastung durch einen erheblichen Mehraufwand an Arbeit bedeutet. Immerhin liegt die durchschnittliche Altersstruktur der bei der Tafel Mitarbeitenden deutlich über 70 Jahre und die körperlichen Anstrengungen sind nicht  unerheblich.“ Jedenfalls ist genügend Platz vorhanden, und Helfer wie Kundschaft sind sehr zufrieden. Brüx’ Vision ist nun, den Standort dauerhaft dort zu belassen und in ein neues Stück Goch zu integrieren: Vor dem Hintergrund des viel diskutierten Projekts eines Hotelneubaus im Rosengarten werde ja auch die Idee diskutiert, ein solches Hotel lieber im Bereich des ehemaligen Aldi zu realisieren. „In das Ensemble könnte ein Bauteil mit kleinen Wohnungen einbezogen werden, die über den neu zu errichtenden Räumen von Arche und Tafel liegen würden. Diese Räume sollten für die Kunden diskret zugänglich sein.“

Laut Brüx hätte ein solches Konstrukt gleich mehrere Vorteile: „Neben dem Erhalt des Rosengartens wären die Wohnungen erschwinglich und lägen auch zentral in der Innenstadt. Dadurch alleine schon würden sich die sozial benachteiligten Mitbürger nicht als „Randfiguren“ unserer Stadtgemeinschaft fühlen, die sich ja bekanntlich als „Miteinanderstadt“ versteht. Natürlich wäre die Rendite nicht so hoch wie bei einem reinen Hotelprojekt. Indes gäbe es einen kaum abzuschätzenden Gewinn für eben jenes so stark propagierte soziale Selbstverständnis!“ Es ergäbe sich die Gelegenheit, Wertschätzung für die selbstlos  erbrachte Leistung des Ehrenamtes in Bereichen zu zeigen, in denen sich Gesellschaft und Politik überfordert oder nicht zuständig fühlen.