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Geschäfte in Kleve und Goch unter Corona-Bedingungen gut angenommen

Einkaufen trotz Corona : Endlich wieder fast normal einkaufen

Nicht ganz so viele Menschen wie sonst bei schönem Wetter bewegten sich durch Kleve, Mensings Damenhaus musste schnell wieder schließen. Entspannte Stimmung in Goch und Zuversicht bei Händlern in Kalkar und Uedem.

Auf diesen Montagmorgen haben viele Ladenbesitzer sehnsüchtig gewartet. Erstmals seit vielen Wochen Corona-Krise dürfen sie ihre Geschäfte wieder öffnen. So erwacht also um 10 Uhr das Leben in der Klever Innenstadt. Es ist ein schöner Frühlingsmorgen. Die Sonne lacht vom Himmel. Die Fußgängerzone ist ganz gut gefüllt, längst nicht so sehr, wie das normalerweise der Fall wäre, aber deutlich besser als in den vergangenen Wochen, als Kleve einer Geisterstadt glich.

Gegen Mittag ist vielen Händlern klar: So viel wie vor Corona werden sie so schnell nicht mehr verdienen. Denn die Menschen genießen zwar, dass wieder Leben in der Stadt ist. Aber die Angst, in engen Räumen auf andere Kunden zu treffen, ohne Sicherheitsabstand einhalten zu können, hält viele davon ab, tatsächlich die Läden zu betreten und etwas zu kaufen. Klaus Fischer, Filialleiter bei Alexander Herrenmoden, ist dankbar, dass er wieder öffnen darf. Doch er ist zugleich nicht sehr zuversichtlich für die nächsten Wochen. „Wenn wir 50 Prozent unseres sonstigen Umsatzes machen würden, wäre das viel. Aber lieber die Hälfte als gar keinen Umsatz“, sagt Fischer. Ein Problem sei, dass große Geschäfte wie Saturn und Galeria Kaufhof noch nicht öffnen dürfen. „Solange diese Magneten geschlossen haben, haben es die kleineren Händler auch schwer“, betont er. Einen Großteil seines Umsatzes macht Fischer mit Anzügen und Kleidern für festliche Anlässe. „Das ist fast alles weggebrochen“, sagt Fischer. Außerdem fehle die Kundschaft aus den Niederlanden.

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Henk Gaastra und seine Frau Alexandra haben schon immer gerne in Kleve eingekauft. Auch an diesem Montag sind sie hier, stöbern bei Kürvers nach Schuhen. Beide tragen eine Maske, wie geschätzt jeder zehnte Innenstadtbesucher. „Wir müssen vorsichtig sein. Mein Mann hatte vor einigen Monaten eine Chemotherapie“, sagt sie. Aber Einkaufen ist für sie auch ein Stück Lebensqualität, Selbstbestimmung. Das wollen sie nicht aufgeben.

Nina Kiesow vom gleichnamigen Lederwarengeschäft hätte gehofft, dass noch mehr Kunden den Weg in die Innenstadt finden. Aber es hätte auch schlimmer kommen können. „Es ist heute wie an einem schlechten normalen Tag“, sagt sie. Immerhin: „Die Kunden, die in unseren Laden kommen, tun das gezielt und kaufen auch etwas“, sagt Kiesow. Das bestätigt auch Brigitta Schmitt vom Modehaus Mensing. Sie hatte aber auch ein unschönes Erlebnis am Montag: Das Ordnungsamt verfügte, dass sie das Damenmodenhaus nach wenigen Stunden Betrieb wieder schließen musste. Der Hintergrund: Das Mensing-Herrenmodenhaus darf öffnen, weil es weniger als 800 Quadratmeter hat. Weil das Damenmodenhaus hingegen deutlich größer ist, hat Schmitt das Obergeschoss absperren und im Erdgeschoss Abstandmarkierungen anbringen lassen. Doch das alles half nichts. Um 12.30 Uhr musste die Damenmode auf Anordnung des Ordnungsamts wieder schließen.

In Goch verteilte sich die Kundschaft gleichmäßig in der Fußgängerzone, je nach Größe der Ladenlokale durften jeweils zwei bis vier Einkaufswillige gleichzeitig rein. Vielerorts lockten Rabatte zwischen 20 und 50 Prozent, und das, obwohl die Frühjahrsmode praktisch komplett noch vorhanden ist. Beim Rundgang war festzustellen, dass „Nickis kreative Hütte“ in der Brückenstraße mit Verweis auf Corona die endgültige Schließung des Ladens zum 31. Juni ankündigt. In der Fußgängerzone hingegen ist fast alles geöffnet, wenn auch strenge Regeln gelten: Einlass nur vereinzelt, Striche auf dem Boden, Desinfektionsspray zur Begrüßung. Karin Arntz als Chefin des Weberings und Inhaberin eines Geschenkehauses führt zahlreiche Gespräche und ist froh, dass sie wieder direkten Umgang mit ihren Kunden pflegen kann. „In den vergangenen Wochen war ich aber immer telefonisch erreichbar, habe Bestellungen entgegengenommen und ausgeliefert. Auch, wenn es manchmal nur Backförmchen oder Glückwunschkarten waren.“ Die oberste Devise seien zufriedene Kunden. Geöffnet haben auch die Eisdielen (Hinsetzen nach wie vor nicht möglich), Änderungsschneider Dennis näht ununterbrochen Gesichtsmasken - die Leute strömen in sein Geschäft.

Heidi Binn, in Uedem die Vorsitzende der Einzelhändler, ist sehr zufrieden mit dem ersten wieder verkaufsoffenen Tag. „Die Leute bleiben auf Distanz, wissen, worauf es ankommt, aber sie halten uns die Treue. Das ist ein gutes Gefühl.“ Genau so sieht das Dorothe Flinterhoff vom gleichnamigen Geschäft in Kalkar. „Schenken, Kochen, Wohnen“ ist ihr Metier, und sie ist dankbar, dass die Kunden offensichtlich darauf gewartet haben, wieder in den Laden kommen zu können. Mit Pfeilen auf dem Boden, Plexiglas an der Theke und verschiedenen Ein- und Ausgängen sorgt sie für Sicherheit und ein gutes Gefühl.