1. NRW
  2. Städte
  3. Goch

Der 100-jährige Karl Wessels ist Uedems ältester Bürger

Jubiläum : Keppelner feiert 100. Geburtstag

Karl Wessels ist der älteste Bürger Uedems. Im Kopf ist der Senior noch topfit.

Fahnen säumen den Gehweg zum Einfamilienhaus, das die zahlreichen Gäste durch einen bepflanzten Torbogen betreten. Eine dreistellige Zahl schmückt den Bogen. Denn es ist ein besonderer Tag in der Gemeinde: Karl Wessels, der älteste Bewohner Uedems, feiert seinen 100. Geburtstag – gemeinsam mit den engsten Bekannten: seiner Familie und seinen Nachbarn.

Geboren wurde Wessels am 4. März 1920 in Keppeln. Die Zwischenkriegszeit prägte seine Kindheit, das NS-Regime seine Jugend. Er ist der Sohn eines Schneiders und Friseurs. Überdies führten seine Eltern einen Lebensmittelladen. Karl Wessels selbst fand eine Anstellung in der Schuhfabrik „Van Haag“. In dem Beruf arbeitete er insgesamt über vier Jahrzehnte.

Unterbrochen wurde diese Arbeit allerdings durch den Krieg: Wessels wurde eingezogen, geriet für zwei Jahre in Kriegsgefangenschaft. Auf den Tag genau, ein Jahr nach seiner Entlassung, heiratete er am 7. Juli 1948 seine damalige Freundin Katharina. Aus der Ehe ging eine große Familie hervor: Vier Kinder, neun Enkel und elf Urenkel – der jüngste gerade einmal anderthalb Jahre alt.

Ein Geheimnis für sein langes Leben hat er nicht. „Das ist einfach so gelaufen, ein Jahr nach dem anderen“, sagt der 100-Jährige und lacht. Seit nunmehr 52 Jahren wohnt er in Uedem, hat eine starke Bindung zu seinen Nachbarn und seiner Familie. Tochter Gisela Rosen organisierte die Geburtstagsfeier. Auch Bürgermeister Rainer Weber gratulierte „dem ältesten Bürger der Gemeinde“ herzlich zum Ehrentag und überreichte einen großen Geschenkkorb. Freudig schwärmen die Nachbarn überdies bei Kaffee und Kuchen von ihrem Karl. Lustig, fleißig und rundum „ein sehr, sehr lieber Nachbar“, der immer gute Laune versprüht, sei Wessels. „Und singen kann er“, wird er gelobt und stimmt alsgleich ein Stück an.

Mittlerweile sitzt der Senior im Rollstuhl, Seh- und Hörvermögen sind stark eingeschränkt. Im Kopf ist er dafür noch topfit. „Er guckt jeden Abend aufmerksam die Nachrichtensendungen. Er merkt sich alles und zu jedem Thema kann man mit ihm reden – insbesondere über Politik“, sagt seine Tochter Gisela. Auch betont sie seine Hilfsbereitschaft: „Wo er helfen konnte, hat er auch geholfen.“ Ob im Garten, im Haushalt, bei Renovierungsarbeiten oder – Wessels hat nach wie vor eine entsprechende Maschine im Keller stehen – wenn das Schuhwerk eines Nachbarn ausgebessert werden musste. „Und seine Taten bekommt er jetzt hundertfach zurück.“ So kann Wessels immer auch auf seine gute Nachbarschaft vertrauen.

„Er hat immer selbst auf sich aufgepasst“, sagt seine Tochter weiter. „Und er hat nie aufgegeben. Ich glaube, das ist es, was ihn so alt hat werden lassen.“