Geldern: Vierfache Amokdrohung

Geldern: Vierfache Amokdrohung

Erst stellte sich eine Schülerin und gab zu, per Schriftzug am Lise-Meitner-Gymnasium eine Straftat angekündigt zu haben. Am Freitag ermittelte die Polizei drei weitere Täterinnen. Keine wollte die Drohung wahr machen.

Die erste Täterin, eine zwölfjährige Schülerin aus Geldern, hatte sich noch am späten Donnerstagabend mit ihrer Mutter bei der Polizei gemeldet. Am Freitag kamen drei weitere hinzu: eine elfjährige Schülerin aus Issum, eine Zwölfjährige aus Geldern und ein zwölfjähriges Mädchen aus Kerken.

Sie hatten laut Polizei auf Tischen im Gelderner Lise-Meitner-Gymnasium (LMG) Amokdrohungen hinterlassen. Der Schriftzug des zuerst geständigen Mädchens hatte am Donnerstag zu einer Durchsuchungsaktion der Polizei in der Schule geführt, die bis in die Abendstunden dauerte (die RP berichtete).

Nicht fündig geworden

Gestern Morgen mussten sich die Schüler einer Gepäckkontrolle unterziehen. Fünf uniformierte Polizisten ließen die Jungen und Mädchen am Eingang Taschen und Rucksäcke öffnen und suchten nach verdächtigen Gegenständen. Fündig wurden sie nicht. Ermittlungen der Gelderner Kripo führten allerdings zu den Urhebern weiterer Amokdrohungen. Während die am Donnerstag geständige Geldernerin eine Tat für den gestrigen Freitag angekündigt hatte, um schulfrei zu bekommen, hatten die drei weiteren Schülerinnen die nächsten Tage als Termine genannt. Wie die Polizei betont, war die Durchführung einer Amoktat von ihnen nicht beabsichtigt.

Die Schulleitung hatte die Eltern am Donnerstag über Meldeketten informiert und ihnen freigestellt, ihre Kinder zu Hause zu lassen. "Etwa die Hälfte der Schüler fehlt", schätzte gestern Achim Diehr, stellvertretender Leiter des LMG. Der Unterricht verlief relativ normal. Ob während der Stunden über den Vorfall gesprochen werden sollte, blieb laut Diehr jedem Lehrer überlassen.

Die Jugendlichen gaben sich vorwiegend gelassen. "Wir sind nicht beunruhigt", sagten drei aus der elften Jahrgangsstufe auf ihrem Weg von der Bushaltestelle zum Gymnasium. "Das ist ein Fall für den Psychologen", befand ein Junge aus der 10 b. "Die Drohung sollte man ernst nehmen", äußerte sich Hans-Josef Kaisers, der am LMG Mathematik und Chemie unterrichtet. Anke Wittkamp wurde angesichts der Streifenwagen vor dem Eingang die Situation bewusst. "Ich hoffe, dass es nur ein Schülerstreich ist", sagte die Lehrerin für Biologie, Sport und Italienisch.

Mehr als 10 000 Euro

Strafrechtlich sind die Täterinnen nicht zu belangen. Über schulrechtliche Konsequenzen werde nachgedacht, so Diehr. Und die Polizei prüft, ob und inwieweit den Kindern beziehungsweise den Eltern der Einsatz der Beamten und auch der Sprengstoffspürhunde in Rechnung gestellt werden kann. Das könnte teuer werden. Kreispolizeipressesprecher Heinz van Baal erinnerte an einen ähnlichen Vorfall im vorigen Jahr in Kevelaer: "Da waren es mehr als 10 000 Euro."

(RP)