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Rheurdt: Ein Jahr Freiwilligendienst im St. Michaelturm

St. Michaelturm in Rheurdt : Freiwillige hinterlassen ihre Fußspuren

Charlotte Schmieding leistet einen Bundesfreiwilligendienst in der Jugendbildungsstätte St. Michaelturm in Schaephuysen. Die 19-Jährige berichtet von ihren Erfahrungen.

Nach einem beherzten Stoß mit dem Knie fällt die Tür des Getränkeautomaten krachend ins Schloss. Charlotte Schmieding grinst – manchmal muss man eben sanfte Gewalt anwenden, um ans Ziel zu kommen. Zumindest, wenn man es mit störrischen Automatentüren zu tun hat. „Ich muss noch schnell die leeren Kisten wegbringen“, sagt die 19-Jährige und verschwindet hinter einer Ecke. Dann ist sie bereit für einen Rundgang durch die Jugendbildungsstätte St. Michaelturm in Schaephuysen. Noch bis September leistet sie dort einen einjährigen Bundesfreiwilligendienst (BFD) – nun wird eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger für sie gesucht.

In den Gebäuden rund um den ehemaligen Mühlenturm kennt Charlotte sich bereits gut aus, flink besorgt sie aus dem Büro die passenden Schlüssel und zeigt ihre derzeitige Wirkungsstätte. Los geht es in der Turm-Ecke, einem ebenso kleinen wie gemütlich-einladenden Raum mit Bänken aus Holzpaletten. „Den Raum habe ich gemeinsam mit dem Hausmeister ganz neu gestaltet“, erzählt Charlotte. Damit hat sie aus der Not eine Tugend gemacht. Wegen der Pandemie durften über Monate keine Jugendgruppen anreisen, daher hat sie sich – in Absprache mit Einrichtungsleiterin Sarah Kraschewski - eigene Projekte vorgenommen und bearbeitet. Nun ist sie allerdings froh, auch den Alltag im laufenden Betrieb noch kennenlernen zu können.

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Wobei der Freiwilligendienst durch die Pandemie überhaupt erst möglich wurde. Eigentlich wollte Charlotte nach dem Abitur am Lise-Meitner-Gymnasium in Geldern ein Jahr nach Neuseeland fliegen, dieser Plan wurde durch Corona durchkreuzt. „Mir war klar, dass ich nicht einfach nur ein Jahr herumsitzen möchte, bis mein Studium beginnt“, erzählt die 19-Jährige, während sie über die Wiese zu den Containern mit den Gartengeräten läuft. Eine Bekannte erzählte ihre damals von der Möglichkeit, im St. Michaelturm Freiwilligendienst zu leisten und bewarb sich. „Ich kannte die Einrichtung schon, weil ich hier als Jugendliche zu Gast war. Und ich wohne direkt unten in Schaephuysen, fast in der Nachbarschaft“, erzählt sie und greift nach einer Harke.

Ihr Ziel ist der Barfußpfad, der Kies muss glatt gezogen werden. Auch das ist eine der zahlreichen Aufgaben im Freiwilligendienst. „Man lernt die Zimmerreinigung ebenso wie die Verwaltung kennen, arbeitet mit dem Hausmeister zusammen und hilft in der Küche. Jetzt, wo wieder Gäste da sind, kann ich sogar noch die pädagogischen Angebote unterstützen“, zählt sie ihre Einsätze auf. Gerade die Pädagogik passt gut zu ihr, nach dem Ende ihres Freiwilligendienstes wird sie in Düsseldorf Soziale Arbeit studieren. „Die Zeit hier hat mich in meinem Berufswunsch gestärkt, mit Kindern und Jugendlichen arbeiten zu wollen“, betont Charlotte.

Als sie mit dem Barfußpfad fertig ist, setzt sich die Schaephuysenerin zu Sarah Kraschewski auf die Holzbänke vor der Jugendbildungsstätte. Die Einrichtungsleiterin hofft, für September eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für Charlotte zu finden. „Die BFDler sind wichtige Ansprechpartner für die Gruppen, die uns besuchen. Daher sollten sie kommunikativ und kontaktfreudig sein und viel eigenes Engagement zeigen“, umreißt sie das Anforderungsprofil. Da der Michaelturm mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer zu erreichen ist, sollten sie möglichst aus der Umgebung kommen oder aber ein Auto haben. Als Aufwandsentschädigung für den Freiwilligendienst gibt es 410 Euro im Monat, das Höchstalter ist 27 Jahre. „Ich finde es unglaublich wichtig“, sagt Leiterin Sarah Kraschewski, „dass sich die jungen Menschen hier gut einbringen können. Die Freiwilligen sollen, so wie Charlotte es gemacht hat, ihre Fußspuren bei uns hinterlassen.“

(pbm/cb)