Geldern: Ruwelaner wollen endlich mehr Geld

Geldern : Ruwelaner wollen endlich mehr Geld

Die Mitarbeiter des großen Gelderner Leiterplattenherstellers Ruwel fordern Lohnerhöhungen nach Jahren des Verzichts. Die Geschäftsführung sagt "Nein" und verteidigt diesen Kurs. Kritik an der Unternehmenspolitik wird laut.

In den Tarifauseinandersetzungen beim Gelderner Leiterplattenhersteller Ruwel werden härtere Bandagen aufgezogen. Gestern beriet ein 13-köpfiges Gremium mit Vertretern der Belegschaft und der Gewerkschaft IG Metall über mögliche "Aktionen". Die Drohung, die über allem schwebt: Streik.

Die Geschäftsführung droht zurück. Sollten die Mitarbeiter für den Arbeitskampf stimmen, so würden die Ruwel-Kunden "ihre Entscheidung, mit Ruwel Geschäfte zu tätigen, infrage stellen", heißt es in einem Schreiben, das an die Belegschaft verschickt wurde und das der Rheinischen Post vorliegt. Lieferzeiten würden überzogen, Konzernmutter Unimicron würde verstimmt. Der Brief endet in angriffslustigem Ton: Die Mitarbeiter könnten die IG Metall mal fragen, "ob sie Ihnen einen Arbeitsplatz geben".

Bernd Börgers, Gewerkschaftssekretär der IG-Metall, bewertet das als Säbelrasseln: "Das sind Drohgebärden, um Druck auf die Beschäftigten auszuüben." In der Belegschaft werde der Brief als Provokation und Einschüchterungsversuch empfunden.

Er hat Verständnis für Frust in den Reihen der Ruwelaner. Seit Jahren gilt ein Haustarifvertrag mit Löhnen deutlich unter dem Flächentarif: Um etwa ein Drittel seien die Gehälter geschrumpft. Damit habe man auf schwächelnde Unternehmenszahlen reagiert. Mittlerweile sehe der Unternehmensprüfer die Firma aber "auf einem guten Weg", so Börgers: "Ruwel ist aus der Krise raus." Jetzt wollten die Mitarbeiter endlich ein Stück abhaben vom Kuchen.

Vor dem Hintergrund all dessen werden allgemeine Klagen über die Ruwel-Unternehmenspolitik laut. Seit Jahren versuche die Firma, unliebsame Kollegen loszuwerden. Ehemalige Festangestellte seien in eine Zeitarbeitsfirma "ausgelagert", über die sie zum Teil seit 2009 nach wie vor für Ruwel arbeiteten. Es gebe viel zu viele Überstunden. Und die Mitarbeiter sollten verzichten, während teure Berater bezahlt würden und die Chefetage - so die Vermutung - an Boni festhalte.

Geschäftsführer Gerard van Dierendonck weist all das zurück. Auch Führungskräfte hätten keine Lohnerhöhungen bekommen, es sei denn, sie hätten auch neue Aufgabenbereiche. Was er selbst als Geschäftsführer verdiene sei "absolut in der Norm für die Verantwortung, die ich trage", und: "Im Moment steht mein Bonus auf Null." Die laufenden Beraterverträge seien sinnvoll, und Überstunden kämen sicher vor, "aber nicht strukturell".

Auf die Zeitarbeitskräfte allerdings sei man angewiesen. "Der Markt für Leiterplatten geht ziemlich aggressiv hoch und runter", begründet van Dierendonck. "Ich muss mit der Firma atmen können, und das tue ich mit Leiharbeitern."

Das Angebot der Firma an die Mitarbeiter: Es soll alles beim Alten bleiben. Das heißt: Inflationsausgleich statt Lohnerhöhungen und im Jahr eine 400-Euro-Sonderzahlung. Verglichen mit dem wirtschaftlichen Umfeld zahle man gut.

Ruwel sei mit der Unterstützung des Konzerns Unimicron in einem Prozess gewaltiger Investitionen: 15 Millionen Euro im Laufe von zweieinhalb Jahren, und das in schwieriger Marktsituation mit "permanentem Preisdruck". Man müsse sich jetzt zukunftsfähig aufstellen, sagt van Dierendonck. "Das heißt, dass wir nicht in der Lage sind, höhere Gehälter zu zahlen."

Derzeit arbeiten bei Ruwel rund 240 Festangestellte und etwa 70 Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma.

(RP)
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