Duisburg: Philharmonisches Konzert mit Armida-Quartett im Solopart

Philharmonisches Konzert : Philharmonische Tanzkapelle

Im Philharmonischen Konzert spielten die Duisburger Philharmoniker zusammen mit dem Armida Quartett Werke von György Ligeti, Daniel Schnyder und Sergej Prokofjew. Clemens Schuldt erwies sich als erstklassiger Gastdirigent.

Das jüngste, elfte Philharmonische Konzert in der Philharmonie Mercatorhalle hatte ein besonders spannendes Programm: Im Mittelpunkt stand eines der wenigen Konzerte für Streichquartett und Orchester. Komponiert hat es Daniel Schnyder, der 1961 in Zürich geboren wurde und seit 1992 in New York lebt. Es heißt „Impetus“, wurde vor fünf Jahren in Frankfurt uraufgeführt und ist eine kurzweilige, kaleidoskopartige Mischung aus verschiedenen Stilen. Wo sonst treffen Rumba-Rhythmen auf expressionistische Klangfelder? Es verbindet außerdem geschickt das Quartett als Kollektiv und Individuen mit dem in ständig wechselnder Dichte schillernden großen Orchester. Der Komponist, der auch bereits die Proben begleitet hatte, wurde in Duisburg heftig gefeiert.

Das war sicher auch ein Verdienst der charismatischen Solisten: Das Armida-Quartett, Duisburgs „Artists in Residence“ (Gastkünstler) der laufenden Saison 2018/19, steckte in die Aufführung viel hörbares Herzblut. Da mussten Martin Funda und Johanna Staemmler (Violine), Teresa Schwamm (Viola) und Peter-Philipp Staemmler (Violoncello) eine Zugabe geben, es wurde der langsame Satz aus dem ersten Streichquartett von Bedrich Smetana, das wirkte sehr sorgfältig und gerade dadurch sehr bewegend. Der erstklassige Gastdirigent war der 37 Jahre junge Clemens Schuldt, im Hauptberuf Chefdirigent des Münchner Kammerorchesters.

Die beiden Rahmenwerke waren perfekt passend gewählt, nämlich zum einen das übermütige „Concert Românesc“ (1951), ein Frühwerk von György Ligeti (1923-2006), und nach der Pause die heitere Sinfonie Nr. 7 cis-Moll op. 131 (1951/52), ein Spätwerk von Sergej Prokofjew (1891-1953). Die wenigen „falschen“ Töne im „Rumänischen Konzert“ waren für die stalinistischen Kulturfunktionäre Grund genug, das Werk nach einer einzigen Durchspielprobe zu verbieten – es wurde erst zwei Jahrzehnte später uraufgeführt, als Ligeti längst im Westen lebte, und ist erst seit den 1990er Jahren im Repertoire. Dem „Sozialistischen Realismus“ entsprach eher so etwas wie die letzte Sinfonie von Prokofjew, wobei sich der Komponist nicht von ideologischen Vorgaben in seinem hohen Qualitätsanspruch beirren ließ. Die Duisburger Philharmoniker übertrafen sich in diesem Konzert selbst, klangen besonders genau und warm, verwandelten sich mal in eine wilde Tanzkapelle, mal in ein samtiges Ballettorchester. Ein Grund für diese außerordentliche Leistung waren gewiss die Mikrofone von WDR 3, der das Konzert am Mittwoch live übertrug.

Das Armida-Quartett beendet seine Duisburger „Residency“ am heutigen Freitag, 7. Juni, um 20 Uhr, mit dem Konzert „Mozart Exploded“ im ehemaligen Gemeindehaus Ruhrort, als kammermusikalische Begegnung mit Mitgliedern der Duisburger Philharmoniker. Im nächsten, zwölften und somit für die laufende Saison bereits letzten Philharmonischen Konzert am 26. und 27. Juni, jeweils um 20 Uhr, steht im Mittelpunkt die Uraufführung des Konzerts für Violoncello und Orchester „Icaro“ von dem 1980 in Duisburg geborenen Hauke Berheide mit dem Star-Cellisten Maximilian Hornung. Leider kann die vorgesehene ukrainische Gastdirigentin Oksana Lyniv aus gesundheitlichen Gründen nicht auftreten. Axel Kober, Chefdirigent und ab der kommenden Saison 2019/20 GMD der Duisburger Philharmoniker, übernimmt und setzt an den Beginn des Abends (statt der Suite Nr. 1 aus dem Ballett „Der steinerne Gast“ op. 16 des Ukrainers Vitali Hubarenko) nun Vorspiel und Liebestod aus der Oper „Tristan und Isolde“ von Richard Wagner. Nach der Pause kommt wie geplant die Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 „Aus der Neuen Welt“ von Antonín Dvorák. Karten gibt es am einfachsten im Internet unter karten@theater-duisburg.de.

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