Philharmonisches Konzert in Duisburg

Philharmonisches Konzert : Sinnsuche mit 260 Mitwirkenden

Das jüngste, zehnte Philharmonische Konzert brachte die monumentale Sinfonie Nr. 2 c-Moll von Gustav Mahler.

Gustav Mahler begann mit der Komposition seiner zweiten Sinfonie 1888, also mit 28 Jahren, und vollendete sie 1894, also vor 125 Jahren. In dieser Zeit arbeitete er als Dirigent nacheinander in Leipzig, Budapest und Hamburg, komponierte meist in den Sommerferien in den Alpen. Diese Sinfonie, die am Mittwochabend im Philharmonischen Konzert zu hören war, dauert letztlich 80 Minuten und befasst sich mit den letzten Dingen: Die Suche nach dem Sinn des Lebens mündet im letzten der fünf Sätze in den Glauben an Gott und die Auferstehung, daher der Name „Auferstehungs-Sinfonie“.

Der erste Satz ist inspiriert von dem Epos „Todtenfeier“ des polnischen Dichters Adam Mickiewicz, in dem Geister der Verstorbenen beschwört werden, damit die im Fegefeuer irrenden Seelen ihre Ruhe finden können. Im zweiten Teil des Epos werden die Seelen der Verstorbenen aufgerufen, um von ihrem früheren Leben zu berichten. In starkem Kontrast dazu steht der zweite Satz der Sinfonie, ein idyllischer Ländler. Den dritten Satz gestaltete Mahler als sarkastisches Scherzo, frei nach seinem eigenen Orchesterlied „Des Antonius von Padua Fischpredigt“. Im vierten Satz „Urlicht“ kommt ein Alt-Solo dazu. Bei dieser Vertonung ließ Mahler – anders als später beim Finale – die Textvorlage (aus der Dichtung „Des Knaben Wunderhorn“) unangetastet. Im fünften Satz, am Ende auf einen Text nach Friedrich Gottlieb Klopstock, erweitert sich die Besetzung um eine Sopran-Solistin und einen großen gemischten Chor, im Orchester unter anderem auf vierfache Holzbläser (im Fall der Klarinetten sogar fünffach), zehn Hörner (zu den zuvor sechs kommen vier weitere dazu, zunächst als Fernorchester) und zehn Trompeten (desgleichen).

Wenn dieses eindrucksvolle Werk in Duisburg aufgeführt wird (das war zuletzt vor acht Jahren der Fall, beim Abschiedskonzert für den damaligen Generalmusikdirektor Jonathan Darlington), ist die Philharmonie Mercatorhalle immer fast ganz gefüllt. Diesmal war das Interesse besonders groß, denn am Dirigentenpult stand Axel Kober, Chefdirigent und Generalmusikdirektor der Duisburger Philharmoniker. Wenige Tage zuvor hatte er an derselben Stelle ein musikgeschichtlich verwandtes Werk dirigiert, nämlich Richard Wagners Musikdrama „Götterdämmerung“ (die RP berichtete). Auch die „Auferstehungs-Sinfonie“ ließ er klangprächtig und stilbewusst aufführen. Der Teufel steckte nur im Detail, zum Beispiel wenn vor allem im ersten Satz jene Beschleunigungen, die Mahler ausdrücklich „unmerklich“ wünschte, zumindest am Mittwoch noch etwas hektisch wirkten. Jedenfalls zeigte das Orchester viel Mahler-Kompetenz, vor allem in den Hörnern. Die Gesangs-Seite war auch gut vertreten, mit Anke Krabbe (Sopran), Ingeborg Danz (Alt) und nicht zuletzt dem Philharmonischen Chor Duisburg sowie dem Landesjugendchor NRW, glänzend einstudiert von Marcus Strümpe beziehungsweise Christiane Zywietz-Godland und Hermann Godland.

Im nächsten, elften Philharmonischen Konzert am 5. und 6. Juni, jeweils um 20 Uhr, ist das Armida-Quartett – Duisburgs „Artists in Residence“ (Gastkünstler) der laufenden Saison 2018/19 – die Solisten in dem jazzigen Konzert für Streichquartett und Orchester „Impetus“ von Daniel Schnyder, der Gastdirigent Clemens Schuldt rahmt mit dem übermütigen „Concert Românesc“ von György Ligeti und der heiteren Sinfonie Nr. 7 cis-Moll op. 131 von Sergej Prokofjew. Karten gibt es am einfachsten per Mail an karten@theater-duisburg.de.

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