Armida Quartett findet im Lehmbruck-Trakt zu seinem Klangkörper

Konzert im Museum : Armida Quartett findet zu seinem Klangkörper

Die ‚Große Sinnende‘ im Duisburger Lehmbruck-Trakt lächelte milde und betört zum Spiel eines Streichquartetts, dass mit drei (vier) Werken famos aufspielte.

Der Abend begann mit dem Streichquartett Nr.1 „Tiefenrausch“ von Marko Nikodijevic aus dem Jahr 2016. Mit oszillierendem Saitenspiel, durchwirkt von Klangnebel, permutierender World-Clock, spielte sich das hellwache Armida Quartett durch akustische ‚Halluzinationen‘ und mutwillig herbeigeführter Luftnot und Todesnähe des 39-jährigen serbischen Komponisten. In dem für Momente versunkenen Lehmbruck-Trakt, stiegen Luftblasen, eine vermutlich zitierte Philip GlasSequenz und Meeresgespinste, aus der Tiefe des Raumes empor. Atemberaubend!

Das zweite Werk des gutbesuchten Abends war der Komponistin Frangis Ali-Sade (geb.1947) aus Aserbaidschan gewidmet. Barfuß, halbszenisch, durchschritten die vier Musiker den Raum. Mit schier unerhörten Klängen und musikalischen Klagen, versammelten sich perkussive Elemente und schwermütige Weisen in der Architektur des Raumes - passgenau und filigran verspielt. Sensationell an diesem Abend, nach der Pause, war aber das Streichquartett Nr.5 Sz 102 von Béla Bartók (1881-1945) aus dem Jahr 1934. Mit großem Schwung und gut herausgearbeiteter Detaillierung, verschmolzen die Musiker des Armida Quartett, Martin Funda, Johanna Staemmler, Teresa Schwamm und Peter-Philipp Staemmler, zum ersten Mal in Vollendung. Welche Offenbarung die Zuhörer genießen konnten, zeigte sich im 2. Satz, dem Adagio molto, von Bártók. Betörende Klangrede, Timing, gemeinsamer Atem, sphärisch strömendes Saitengewirke. All dies zeichnet ein international aufspielendes Streichquartett aus. Das Armida Quartett hat es!

In der Zugabe mutierte das Quartett zu einem imaginären Vokalquartett. Indem sie „Die Kunst der Fuge“ von Bach durchtränkten, mit pastosem und berückendem Legato-Spiel. Vier Streicher mit hochmusikalischer Kompetenz, Mut und Kraft, wurden vom Publikum mit so manchem Bravo bedacht. Ein außerordentliches Geschenk für die Peter Klöckner-Stiftung, die Duisburger Philharmoniker und die Stadt – diese „Artists in Residence“.

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