1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach
  4. Kultur

Mönchengladbach: Konzert des vision string quartet am 15.11.

Konzert : Ein Quartett der Extraklasse

Das vision string quartet begeistert sein Publikum mit einem lockeren Auftritt, hinter dem sich besonders anspruchsvolle Leistung verbirgt.

Kein Zweifel: Das vision string quartet, zu Gast beim zweiten Meisterkonzert im Konzertsaal Theater, ist ein besonderes Quartett. Dass, vom Cellisten natürlich abgesehen, die jungen Musiker aus Berlin nicht sitzen, sondern stehen, ist nicht weiter von Bedeutung. Wohl, dass alle vier das komplette Programm auswendig vortragen – und das mit einem späten Beethoven-Quartett und einer recht unorthodoxen Komposition von Ligeti.

In György Ligetis erstem Streichquartett, den „Métarmophoses nocturnes“, geht es zwar nicht durchgehend, mitunter aber doch recht robust zu. Manchmal denkt man, über den Noten stünde nicht grazioso, sondern „kratzioso“. Wohl ganz im Sinne des Komponisten schonen die Spieler weder ihre Kräfte noch die Bogenhaare und die Saiten ihrer Instrumente. Wobei dem aufmerksamen Hörer spätestens bei „Tempo di Valse“ dämmert, dass der gute Ligeti auch parodistische Elemente ins Spiel bringt. Die Anforderungen an die Spieler sind auf jeden Fall hoch. Ihr lockeres Auftreten sollte über ihre erstaunliche Leistung deswegen nicht hinwegtäuschen.

Wie gehen Jakob Encke und Daniel Stoll (Violine), Sander Stuart (Viola) und Leonard Disselhorst (Violoncello) an ein so empfindsames Werk wie Schuberts Quartettsatz D703 heran? Nun – ganz hervorragend. Einerseits übertreiben sie die Romantik nicht. Sie spielen Schubert nicht sentimental, auf keinen Fall schmalzig. Aber da ist auch nichts gefühlskalt oder gar steril. Die Tonbildung ist kultiviert, die Spannung des Werks wird durchgehend hochgehalten. Die Kantilenen atmen, die Musik droht nicht stehen zu bleiben.

Ähnliches lässt sich auch von Beethovens a-moll-Quartett op. 132 sagen. Die Wiedergabe ist durchdacht, und sie wird mit einem Maximum an Engagement von den Spielern angegangen. Hinreißend gelingt der langsame Satz, bis zum Schluss des Werkes steckt eine immense Spannung im Vortrag. Bei den zwei folgenden Zugaben nutzen die vier Spieler die Gelegenheit, das zu tun, womit sie ihrem Ensemble auch einen Namen geschaffen haben. Sie erfreuen, man darf auch sagen, amüsieren die begeisterten Zuhörer mit Werken, die wie aus einer anderen Welt erscheinen. Zuerst gibt es mit Samba gezupfte südamerikanische Klänge aus ihrer eigenen Kompositionswerkstatt. Zum Schluss lassen sie noch etwas Schnelles folgen – sehr witzig, spritzig und furios.