Wohnungsmarkt in Düsseldorf: Wem gehört die Stadt?

Kaum Transparenz am Wohnungsmarkt: Wem gehört Düsseldorf?

Hohe Mieten, wenig Wohnraum, anonyme Eigentümer: Wir durchleuchten gemeinsam mit dem gemeinnützige Recherchezentrum Correctiv den Wohnungsmarkt. Und Sie können mitmachen.

Der Wohnraum in Düsseldorf ist knapp, vor allem fehlen günstige Wohnungen. Junge Familien werden aus der Stadt gedrängt, Alteingesessene aus ihren Wohnungen heraussaniert. Wie groß sind die Probleme? Vor allem: Wem gehören die Wohnungen? Das wollen unsere Redaktion und das gemeinnützige Recherchezentrum Correctiv in den kommenden Monaten herausfinden – zusammen mit den Mietern. Die wichtigsten Fakten zum Thema im Überblick:
Die Situation in Düsseldorf Ende 2016 – neuere Zahlen liegen nicht vor – gab es 354.386 Wohnungen in Düsseldorf. 19,6 Prozent davon wurden von den Eigentümern genutzt. Bleiben 284.975 Mietwohnungen. Wem gehören sie? Das ist nicht immer bekannt, der Stadt liegen dazu keine Daten vor. Die Städtische Wohnungsgesellschaft verfügt über 8600 Mietwohnungen. Ansonsten? Antwort auf die Frage nach dem Eigentümer kann nur das Amtsgericht geben. Dort werden die Grundbücher, in denen sie eingetragen sind, verwaltet. Einsicht nehmen kann nicht jeder – Transparenz auf dem Wohnungsmarkt ist schwer zu erreichen. Eine andere Frage ist schnell beantwortet: Hat Düsseldorf genug Wohnraum? Nein. Pro Jahr peilt die Stadt 3000 neue Wohnungen an. Sie fehlen in allen Segmenten.

Das sagen Kenner des Wohnungsmarktes Es gibt unbekannte Fonds und Investoren aus Übersee, die in Düsseldorf mit Wohnungen spekulieren. „Da werden Wohnungen an Firmennetzwerke verkauft. Man weiß nicht, wer sich dahinter verbirgt“, sagt Michaelo Damerow, Geschäftsführer des Mietervereins. Für die Mieter bedeute dies häufig Ärger: „Man hat schon keinen Ansprechpartner, wenn etwas kaputt ist. Klar, es gibt oft eine Hausverwaltung. Aber mit dem Vermieter spricht man nie. Ärgerlich wird es, wenn nach dem Auszug derjenige, der die Kaution zurückzahlen müsste, nicht ausfindig zu machen ist.“ Er habe das Gefühl, sagt Damerow, dass der typische Vermieter, der ein Mietshaus als Kapitalanlage kaufe, langsam aussterbe.

Die Beobachtung teilt Johann Werner Fliescher von Haus und Grund, der die Interessen von Eigentümern vertritt. Denen werde es durch immer neue Vorschriften schwer gemacht, sagt er. Flächen für Neubauten würden eher an Großinvestoren verkauft, die dann ganze Wohngebiete bauen würden. Für den Privatmann rentiere sich das Geschäft oft nicht mehr. „Ich kenne Fälle, da wurde ein Mietshaus in zehn Jahren von drei, vier Investoren ge- und verkauft, jeweils mit Wertsteigerung“, sagt er. Das Perfide: Die Investoren verkauften nicht die Häuser, sondern machen sie je zu einer GmbH und verkaufen diese – und sparen damit die Grunderwerbsteuer, die in NRW bei 6,5 Prozent liegt. Share Deals nenne man das, alleine 2017 habe es in Düsseldorf Geschäfte dieser Art im Wert von einer Milliarde Euro gegeben.

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Jörg Schnorrenberger vom Ring Deutscher Makler kennt das Problem ebenfalls, hält es in Düsseldorf aber für nicht so gravierend: „Es gibt diese Deals, der Großteil der Wohnimmobilien ist aber in Privatbesitz“, sagt er. Er meint, eine ausreichende Zahl neuer Wohnungen könne man nur im Umland bauen.
Darum geht es in dem Projekt Wie viele Share Deals gibt es? Wer spekuliert auf dem Wohnungsmarkt? Das wollen RP und Correctiv herausfinden. Dabei sind auch Sie gefragt als Mieter: Nur mit Ihnen können wir mehr über die Eigentümer-Struktur in der Stadt herausfinden. Wenn Sie wissen, wer ihr Vermieter ist, können Sie uns das auf www.wem-gehoert-duesseldorf.de mitteilen. Wenn Sie es nicht wissen, können wir es gemeinsam herausfinden – indem Sie Ihren Mietvertrag im CrowdNewsroom von Correctiv hochladen und wir in Ihrem Auftrag beim Amtsgericht nachfragen. Die Funktion wird bald freigeschaltet. Erreichen können Sie uns per E-Mail an wemgehoertduesseldorf@rheinische-post.de. Oder Sie besuchen uns heute auf dem Campfire Festival vor dem Landtag: Um 12 Uhr stellen Lokalchef Uwe-Jens Ruhnau, Reporterin Laura Ihme und Justus von Daniels von Correctiv das Projekt im RP-Zelt vor. Danach stehen sie auf dem Festival-Gelände für Fragen zur Verfügung.

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