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Graf Recke Stiftung in Wittlaer bietet Behinderten berufliche Perspektiven.

Arbeitswelten : Gartenarbeit fördert die Integration

Bei der Graf-Recke-Stiftung erhalten Menschen mit Behinderungen eine berufliche Perspektive. Laien und Profis arbeiten dort Hand in Hand. Das erfolgreiche Projekt soll ausgeweitet werden.

Einen Schaden in Höhe von rund 300.000 Euro hat Anfang Juli ein Brand in einem Gebäude der Graf-Recke-Stiftung verursacht. In dem Haus waren Werkzeuge und Materialien der Gärtnergruppe der DiFS, das ist eine Dienstleistungstochter der Graf-Recke-Stiftung, gelagert. Von diesem Unglück ließ sich die rege Gärtnertruppe allerdings nicht lange ausbremsen. Eine Woche später ist sie in ein anderes Gebäude gezogen. Kleingeräte wurden neu angeschafft, um schnell wieder den Betrieb aufnehmen zu können, denn das Team ist nicht nur auf dem Gelände der Stiftung aktiv, sondern wird auch von Privatleuten angefordert, die sich den Garten auf Vordermann bringen lassen wollen.

Wer die neunköpfige Gruppe bucht, unterstützt gleichzeitig damit ein ganz besonderes Projekt. So arbeiten in dem Gärtnerteam Menschen mit einem ganz besonderen Unterstützungsbedarf, die auf dem ersten Arbeitsmarkt nur schwer eine Beschäftigung finden würden. Seit einem Jahr ist das Unternehmen nun auch eine anerkannte Inklusionsabteilung, in der Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen beschäftigt werden – und das mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag und nach Tarif bezahlt. „Wer uns bucht, tut dies in der Regel ganz bewusst und weiß, wie unser Team zusammengesetzt ist“, sagt Michael Seelbach.

Der Gärtnermeister mit pädagogischer Zusatzausbildung begleitet bei der Graf-Recke-Stiftung schon seit zwei Jahrzehnten junge Menschen ins Berufsleben. Und auch wenn neben ausgebildeten Gärtnern ungelernte Kräfte arbeiten, Seelbach legt Wert auch Professionalität. „Wir bieten einen vollwertigen Gartenservice von Rasen mähen über Bäume fällen bis hin zu Hecken schneiden und auch Schneeschippen im Winter an.“ Die Arbeit mit den behinderten Kollegen würde dabei besser klappen als erwartet. „Man muss ihnen etwas zutrauen und sie dann auch üben lassen.“ Leistungen würden zudem kontinuierlicher erbracht werden, als zunächst angenommen wurde.

Hilfreich ist dabei der kollegiale Umgang im recht heterogenen Team mit Menschen verschiedener Herkunft, Frauen und Männer mit unterschiedlichem Alter, mit und ohne Ausbildung, mit und ohne Beeinträchtigungen. „Wir duzen uns untereinander und so merken alle, dass sie dazu gehören“, sagt Seelbach. Die oft in inklusiven Arbeitsgruppen hohe Fluktuation der Mitarbeiter ist deshalb bislang in Seelbachs Truppe ausgeblieben, zumal die Möglichkeit besteht, das Berufsfeld Gärtner erst einmal über ein Praktikum kennenzulernen. „Ich bin echt mit der Truppe sehr zufrieden“, sagt Seelbach.

Das macht Mut, über weitere inklusive Arbeitsgruppen nachzudenken, weitere Bereiche der DiFS, zu der beispielsweise noch ein Reinigungsdienst gehört, nach und nach in Inklusionsbetriebe umzuwandeln. Dabei hat man diesmal Arbeitsplätze für Frauen verstärkt im Blick, um auch jungen Frauen beispielsweise aus den eigenen Wohngruppen und Förderschulen eine Perspektive bieten zu können. „Das könnte beispielsweise in einem Catering-Betrieb geschehen“, sagt Petra Skodzig, Finanzvorstand der Graf-Recke-Stiftung. Auch wenn mit solchen Strukturänderungen ein hoher bürokratischer Aufwand verbunden ist: „Es hat uns Spaß gemacht und der Schritt war wichtig“, sagt Skodzig.