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Gesamtschüler entwickeln Ideen für strukturschwache Region in Österreich

Schulprojekt in Düsseldorf : Gesamtschüler planen die Zukunft einer Region

Bei einer Zukunftswerkstatt beschäftigten sich Schüler der FCGS mit Lösungsstrategien für die strukturschwächsten Regionen Europas. Ihre Ideen dürften im österreichischen Dörfchen Murau für Aufmerksamkeit sorgen.

Die Gemeinde Murau in der österreichischen Steiermark gehört zu den strukturschwächsten Regionen in ganz Europa. Der demografische Wandel schlägt sich hier mit voller Wucht nieder. Vor allem junge, arbeitsfähige Menschen ziehen weg. Gerade mal 20 Einwohner leben dort auf einem Quadratkilometer. „Dazu ist die Gesundheitsversorgung ganz schlecht und Touristen lockt es auch nicht wirklich dahin“, fasst Jan die düstere Prognose von Mia, Jeanette und Ali für die Region zusammen.

Die vier Schüler der Freien Christlichen Gesamtschule (FCGS) in Hassels diskutieren, wo die Kernursache liegen könnte und welche Lösungsansätze der Gemeinde helfen könnten. Am Ende sind sich alle einig. „Das Hauptproblem ist die fehlende Infrastruktur“, sagt Ali. Denn ohne Anbindung ans Fernbahnnetz oder eine Autobahn ist Murau weder für Unternehmen, noch für den Touriusmus interessant.

Doch nicht nur mit Murau beschäftigten sich die im Plenarsaal des Rathauses versammelten Schüler aus der „Q2“.  Im Rahmen einer Zukunftswerkstatt der gemeinnützigen „Eurosoc#Digital“ GmbH, die von der Generaldirektion Regionalpolitik und Stadtentwicklung der Europäischen Kommission kofinanziert wird, standen noch fünf weitere problembehaftete – und vor allem ländliche – Regionen in Europa auf dem Plan.

Die Schüler bewegten sich dabei auf dem Feld der europäischen Kohäsionspolitik. Deren Ziel ist es, eine nachhaltige, territoriale Entwicklung zu fördern, die künftig zu einem Ausgleich des Wohlstand zwischen den europäischen Nationen führen soll. In ihrem Planspiel durften die Schüler zu diesem Thema fiktiv die großen Mittel des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) aufwenden, der circa ein Drittel des gesamten Finanzrahmens der EU umfasst. Auch einige Wohnbauprojekte in Garath profitieren aktuell von diesem Sozialfonds.

Konkret befassten sich die Schüler aus dem Düsseldorfer Süden aber mit den Herausforderungen des Klimawandels, der Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft und der Bevölkerungsentwicklung in den statistisch schwächsten Regionen der EU. „Nachdem die Probleme identifiziert wurden, erarbeiten die Schüler Lösungsansätze und spielen deren Konsequenzen durch“, erklärte Eurosoc-Projektmanagerin Mareike Mayer.

Mit Anette Kranz vom städtischen vom städtischen „Europe Direct“-Infozentrum besprachen die Gesamtschüler anschließend die Machbarkeit der ausgearbeiteten Konzepte. Ein Wasserpark und Skigebiete um den Tourismus anzukurbeln, eine Hyperloop-Bahn für die Infrastruktur – es sind milliardenschwere Pläne, die die Schüler für Murau entwickelt haben. „Lohnt es sich wirklich, soviel Geld für 3.000 Einwohner zu investieren?“, fragt Jeanett schließlich. Ja, finden alle vier. Und beantworten damit indirekt auch eine der größten Streitfragen, mit denen sich die EU-Parlamentarier auseinandersetzen müssen. Nämlich die, wie hoch der Preis für europäische Solidarität am Ende sein darf.

In einer früheren Version dieses Artikels war berichtet worden, Schüler des Freien Christlichen Gymnasiums (FCG) hätten über das Thema diskutiert. Wir bitten, diese Verwechslung zu entschuldigen.