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Ausstellung in Düsseldorf-Benrath: Museum für Gartenkunst zeigt 100 Jahre alte Plakate

Ausstellung in Düsseldorf : Werbung mit Blumen und Pflanzen auf 100 Jahre alten Plakaten

Im Museum für Gartenkunst werden historische Werbeträger präsentiert. Sie alle zeigen Blumen- und Pflanzenmotive. Die ältesten Ausstellungsstücke stammen aus den 1880er Jahren.

Die Lust auf Grün, im Wald, in Parks, im Garten oder auf dem Balkon, beseelt und tröstet seit Monaten die Menschen, die ansonsten mit den Beschränkungen der Corona-Pandemie hadern. Insofern konnte es kaum einen besseren Zeitpunkt geben für die jüngste Ausstellung „Gartensehnsucht“, die am Samstag im Museum für Gartenkunst das Benrather Schlosses eröffnet wurde. Zu sehen gibt es rund 70 Exponate, die als Plakatkunst für Flora, gelegentlich aber auch nur mit floralen Motiven, etwa für Eisenbahnrouten werben.

Gut 100 Jahre Plakatkunst, von den Anfängen nach 1880 über Jugendstil, neue Sachlichkeit bis hin in zu grafischen Ausdrucksformen der jüngeren Vergangenheit, von Meistern wie Alfons M. Mucha bis Klaus Staeck, umfasst die außerordentlich inspirierende Ausstellung, deren Exponate aus der Privatsammlung des Bottroper Landschaftsarchitekten Peter Drecker stammen.

„Die Kollision von ,Gartensehnsucht’ und Corona war eher zufällig, aber die Ausstellung passt gut in die Zeit, in der viele Menschen ihren grünen Daumen wiederentdecken“, sagt Lisa Maier-Bode, Sprecherin der Stiftung Schloss und Park Benrath. „Der Kontakt zu Peter Drecker, dessen beeindruckende Sammlung noch ungleich mehr Plakate als die jetzt hier gezeigten umfasst, hat schon länger bestanden, und so konnten wir die Ausstellung vergleichsweise schnell realisieren und verhindern, dass die Räume einige Monate nicht genutzt werden“, sagt Stefan Schweizer, wissenschaftlicher Vorstand der Stiftung.

Schon früh nimmt sich die Plakatkunst vieler typischer Stilmittel des Jugendstils oder Art Nouveau an. Da sind engelsgleiche Frauen in hauchdünnen Gewändern, eine überbordende florale Ornamentik sowie die zu jener Zeit moderne Typografie. Frühe plakative Kostbarkeiten machen auf die erste Luzernerische Gartenausstellung 1899, veranstaltet vom Obst- und Gartenbauverein, oder die zweitägige Fetes de Fleur im Pariser Bois de Boulogne aufmerksam.

Definitiv Schluss mit der Blümchen-Romantik war bei der zweiten Reichsausstellung des Deutschen Gartenbaus in der Essener Gruga. Eine Gärtnerin der Neuen Sachlichkeit übt den Spagat zwischen Industrielandschaft mit Fabrikschlot und Förderturm sowie Treibhäusern, die letztlich aber auch für industriell produziertes Gemüse stehen. Den kölschen Jeck als Blumenkind zeigt das Plakat zur Bundesgartenschau in Köln 1957 und mit unschuldig naiver Kinderbuch-Grafik wirbt im Land der Datschen das Amt für Information Sachsen-Anhalt 1957 für die Woche des Gartenbaus. Bismarck, der als Gartenzwerg eine Birne in einer Schubkarre transportiert, flankiert von weiteren historischen Persönlichkeiten, darunter Gustav Stresemann, Rosa Luxemburg und Napoleon, sind auf einem durchaus humorigem Plakat vereint. Unter dem Titel „Berlin durch die Blumen oder Kraut und Rüben“ soll im Rahmen der Bundesgartenschau 1985 auf eine Ausstellung in der Orangerie von Schloss Charlottenburg auf Gartenkunst in Berlin und Brandenburg hingewiesen werden. Fast als Nachruf auf die Natur, zumindest aber als Weckruf, wirkt das Plakat von Polit-Grafiker Klaus Staeck, das einen grünen Baum inmitten einer durch ein wirres Autobahnkreuz versiegelter Landschaft zeigt. Ein Fanal, das in der heutigen Zeit dringend erforderlichen Klimaschutzes mehr denn je Aufmerksamkeit verdient.