Düsseldorf: Gehbehinderte Frau in Bus zum Aufstehen gedrängt

Nahverkehr in Düsseldorf : Gehbehinderte Frau zum Aufstehen gedrängt

In einem vollen Bus sollte die 65-Jährige für einen Kinderwagen Platz machen.

Irmtrud Drawert ist 65 Jahre alt, lebt in Garath und ist gehbehindert. Wenn sie in Düsseldorf unterwegs ist, ist sie auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Im Bus sitzt sie, wenn es möglich ist, auf den für mobilitäteingeschränkte Menschen und Kinderwagen reservierten Plätzen nahe der Türen.

Auf diesem Sitz saß sie auch, als sie mit der Linie 730 von Benrath in Richtung Unterrather Friedhof unterwegs war. „Der Bus war sehr voll“, erinnert sich Drawert, „und als an einer Haltestelle eine Frau mit Kinderwagen dazu kam, passte es nicht mehr.“

Nach der Schilderung von Irmtrud Drawert forderte der Busfahrer die 65-Jährige daraufhin auf, den Platz freizumachen, kam zu ihr nach hinten, als sie sich weigerte. „Ich bin gehbehindert, auch wenn ich ohne Rollator unterwegs war, kann ich im Bus nicht stehen“, sagt sie. Das hat die Benratherin auch dem Busfahrer erklärt, der jedoch habe sich uneinsichtig gezeigt, die Leitstelle gerufen und mit der Polizei gedroht. Auch unter den Fahrgästen sei einige Unruhe entstanden, erinnert sich Irmtrud Drawert. „Die Situation wurde schließlich gelöst, weil ein Mitreisender aufgestanden ist und mir seinen Platz angeboten hat“, so die 65-Jährige. Für sie ist die Angelegenheit jedoch nicht erledigt: Drawert hat Beschwerde bei der Rheinbahn eingereicht, zwischenzeitlich sogar eine Anzeige gegen den Fahrer wegen Nötigung in Erwägung gezogen.

Die Rheinbahn bedauere den Vorfall, sagt eine Sprecherin. „Das ist nicht der Ton unseres Unternehmens.“ Sie ermutigt Fahrgäste, die in ähnliche Situationen wie Irmtrud Drawert geraten, Kontakt aufzunehmen. „Nur so können wir auf unsere Fahrer zugehen und sie sensibilisieren.“ Gleichzeitig bittet die Sprecherin auch um Verständnis: „Unsere Mitarbeiter sind oft spontan Schiedsrichter vor Ort, müssen in schwierigen Situationen zwischen aufgebrachten Fahrgästen vermitteln.“ Gerade in voll besetzten Fahrzeugen käme es oft zu Konkurrenz um die Sonderflächen für Kinderwagen, Fahrräder und Rollatoren. „Unsere Mitarbeiter werden entsprechend geschult, allerdings kommt es in der Praxis immer wieder zu Problemen.“

Irmtrud Drawert aus Garath indes hofft auf grundsätzliche Veränderungen. „Wenn die Busse nicht so voll wären, würden solche Situationen ja gar nicht entstehen“, sagt sie und hofft, dass die Rheinbahn vielleicht in Zukunft darüber nachdenkt, auch auf Routen außerhalb des Stadtzentrums Busse und Bahnen mit höherer Taktung fahren zu lassen.