Boxen: Ein harter Prüfstein für Timo Rost in der Classic Remise

Am Samstag in der Classic Remise : Ein harter Prüfstein für Boxprofi Timo Rost

Am Samstag steigt der Gerresheimer Boxprofi gegen den Polen Bartlomiej Grafka in den Ring. Die Classic Remise ist längst ausverkauft.

Timo Rost fühlt sich gut. „Bestens sogar“, versichert der 28-Jährige gut gelaunt. „Meine Vorbereitung ist wunderbar gelaufen, ohne störende Zwischenfälle. Ich bin bereit.“ Das muss der Gerresheimer Boxer allerdings auch sein, denn am Samstagabend wartet wahrscheinlich die härteste Prüfung seiner bisherigen Profikarriere auf ihn. Als Hauptattraktion des großen Boxabends in der Classic Remise an der Harffstraße trifft Rost auf den drei Jahre älteren Polen Bartlomiej Grafka.

Seinen Internationalen Titel des Weltverbandes WBF setzt er diesmal nicht aufs Spiel, wohl aber geht es um die Wahrung seiner großen Fernziele. Denn daran, dass er irgendwann in den nächsten Jahren Weltmeister werden möchte, hat sich nichts geändert. „Dafür muss ich mich in der Rangliste allerdings noch ordentlich verbessern“, erklärt Rost.

Das Prinzip des Herausforderungs-Systems ist im Grunde ganz einfach. Ein Boxer hält den Weltmeistertitel eines der großen Verbände und ist damit die Nummer eins der Rangliste. Die jeweilige Nummer zwei ist der potentielle Pflicht-Herausforderer – und die Kämpfer auf den Ranglistenplätzen drei bis 15 haben das Recht, im Rahmen einer freiwilligen Herausforderung gegen den Champion zu kämpfen. Damit ist Rosts Ziel bereits klar definiert: „Ich möchte innerhalb der nächsten zwei Jahre unter die ersten 15 der Welt im Supermittelgewicht kommen.“ Aktuell steht er an Position 228.

Die Aufgabe seines Teams, das aus Trainer Rüdiger May, Managerin Eva Dzepina und Promoter Uwe Betker besteht, ist es nun vor allem, auf diesem ambitionierten Weg die richtigen Gegner für den Masterstudenten zu finden. „Wir waren uns immer einig: Fallobst kommt für uns nicht in Frage“, erklärt der Düsseldorfer, der im Sommer seine Lebensgefährtin Laura geheiratet hat. „Unser Plan ist es, dass ich, wann immer es geht, gegen Boxer antrete, die in der Rangliste über mir stehen. Denn wenn ich gegen diese gewinne, hole ich entsprechend mehr Punkte für die Rangliste.“

Der Kampf gegen Grafka ist daher doppelt wichtig – nicht nur, weil es in der seit Wochen ausverkauften Classic Remise ein echtes Heimspiel für Rost ist. Dank seiner enormen Erfahrung von 50 Profikämpfen mit der Bilanz von 22 Siegen, drei Unentschieden und 35 Niederlagen – die meisten davon gegen starke Gegner – hat sich der Pole auf einen Ranglistenplatz deutlich vor Timo Rost (bislang sieben Siege, ein Remis und keine Niederlage) geschoben. Folglich gibt es viele Punkte zu gewinnen. „Natürlich hat er mir einiges an Erfahrung voraus“, sagt der Gerresheimer. „Aber ich bin dennoch zuversichtlich. Ich glaube, dass ich boxerisch besser bin.“

Viel wird davon abhängen, ob Rost bei der Marschroute bleibt, die May für ihn erarbeitet hat. Sie sieht vor, dass sich der Lokalmatador nicht auf eine wüste Rauferei mit dem Polen einlässt. Rosts Stärke ist das technisch saubere, auf einer bärenstarken Kondition fußende Boxen – und diese Linie muss er über die kompletten acht Runden durchziehen. „Einen Knockout werde ich gegen ihn nicht schaffen“, orakelt der 28-Jährige, „das ist ihm seit einer Ewigkeit nicht mehr passiert.“

Beginnen wird der Kampf gegen 22.30 Uhr, doch in den fünfeinhalb Stunden zuvor bekommt das Publikum bereits eine Menge interessanten Boxsport zu sehen. Wie beim ersten Gastspiel des Internationalen WBF-Champions vor elf Monaten ist sein Kampf und die drei anderen Profifights eingebettet in einen Amateur-Städtekampf, diesmal Team Düsseldorf gegen Zweitligameister Hamburg Giants. „Das ist eine spannende Sache“, meint Rost. „Ich habe ja selbst jahrelang als Amateur geboxt und habe noch viele Verbindungen ins Amateurlager, das ich sehr interessiert verfolge.“

Der Förderverein Düsseldorfer Boxvereine ist am Samstag in Zusammenarbeit mit Helmut Vorholt, dem 79-jährigen Mäzen der Faustkämpfer aus der Landeshauptstadt, auch Veranstalter der Boxgala. Für die Amateure und das Team Rost ist es eine Angelegenheit mit großem gegenseitigen Nutzen: Vorholt und der Förderverein geben dem Profi – der ja die Gage seines Gegners ansonsten selbst bezahlen muss – durch die Organisation der Gala erst die Möglichkeit, sich einen solch starken Kontrahenten wie Grafka leisten zu können. Rost füllt den Amateuren dafür mit seinen Fans die Halle. Es gibt schlechtere Kooperationen.

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