Parken auf der Kö Warum die Düsseldorfer lieber rückwärts parkten

Düsseldorf · Der Oberbürgermeister hat kürzlich angeregt, einen Teil der Kö-Parkplätze abzuschaffen. Unser Autor stellt fest: Autos gehörten schon immer zur Königsallee – aus gutem Grund.

 In den 1960er Jahren parkten die Düsseldorfer an der Kö schon wie heute mit der Schnauze zum Kö-Graben. Parkplätze waren da auch schon knapp.

In den 1960er Jahren parkten die Düsseldorfer an der Kö schon wie heute mit der Schnauze zum Kö-Graben. Parkplätze waren da auch schon knapp.

Foto: Archiv Brzosa

In einem IHK-Forum hatte der Oberbürgermeister die Idee auf den Tisch gebracht: einen Teil der Parkplätze auf der Königsallee für neue Gastronomie-Terrassen wegfallen zu lassen. „Die Zurschaustellung von Autos wird in der Zukunft sinken, genauso wie überhaupt die Notwendigkeit eines eigenen Autos“, sagte Thomas Geisel. Wie Politik und Verwaltung seine Einschätzung bewerten, ist noch nicht klar. Rückblickend aber wird deutlich: Das Parken – vor allem das Schrägparken – auf der Kö ist ein Stück Düsseldorfer Kulturgeschichte ist.

Als vor 100 Jahren die ersten Motorwagen durch Düsseldorf knatterten, dachte niemand daran, das Abstellen von Kraftfahrzeugen zu reglementieren. Auch zu Beginn des Ersten Weltkriegs, als in Düsseldorf schon 1083 Kraftfahrzeuge angemeldet waren, konnten die Automobilisten ihre Vehikel noch an jeder Ecke der Stadt parken. Erst Ende der 1920er Jahre bekam der Kraftfahrzeugverkehr endgültig Vorfahrt in Düsseldorf. Die Zulassungen waren rasant gestiegen; 1928 waren in der Stadt 8970 Fahrzeuge registriert.

Parkplatznot schon 1929

Um den zunehmenden Verkehr in den Griff zu bekommen, erließ die Verwaltung 1929 für die Stadt Düsseldorf eine eigene Straßenverkehrsordnung, die auch das Parken im öffentlichen Raum regelte. In den engen Gassen der Altstadt und einigen viel befahrenen Straßen der Innenstadt war das Parken nun stark eingeschränkt oder ganz verboten. Betroffen war auch die Königsallee. Fortan war hier das Abstellen von Fahrzeugen auf der Häuserseite untersagt. Das Parken war nur noch am Straßenrand zum Kö-Graben erlaubt.

 Rückwärts einparken war 1940 ohne Servolenkung sicher kompliziert – setzte aber das Auto an der Kö gut in Szene.

Rückwärts einparken war 1940 ohne Servolenkung sicher kompliziert – setzte aber das Auto an der Kö gut in Szene.

Foto: Archiv Brzosa

Die Beschränkung hatte zur Folge, dass auf der Düsseldorfer Flaniermeile schon bald Parkraumnot herrschte und die Fahrzeuglenker einen Abstellplatz suchen mussten. Das Problem war aber nur von kurzer Dauer. Zu Beginn der 1930er Jahre wurde auf der Königsallee praktiziert, was es bis dahin nur in Amerika und einigen europäischen Metropolen gab: das Schrägparken.

Schnauze zeigen am Kö-Graben

 Auch in den 50er Jahren noch mühten sich die Autobesitzer lieber mit dem Rückwärtseinparken ab, als der Kö das Hinterteil zu präsentieren.

Auch in den 50er Jahren noch mühten sich die Autobesitzer lieber mit dem Rückwärtseinparken ab, als der Kö das Hinterteil zu präsentieren.

Foto: Archiv Brzosa

Doch Düsseldorf wäre nicht Düsseldorf, wenn es das Schrägparken nur einfach übernommen hätte. Nein. Es musste noch einen draufsetzen: Auf der Königsallee wurde nicht – wie allgemein üblich – vorwärts, sondern rückwärts schräggeparkt. Ob diese Form des Parkens amtlich vorgeschrieben war oder von den Kö-Automobilisten in kollektiver Anarchie selbst herbeigeführt wurde, lässt sich heute nicht mehr erhellen. Fest steht jedoch, dass bis weit in die 1950er Jahre auf der Königsallee rückwärts geparkt wurde.

Da das Rückwärts-Einparken allgemein als schwieriger als das Vorwärts-Abstellen gilt, bleibt wohl nur als Erklärung, dass der Kö-Parker den schaulustigen Flaneuren sein Auto am liebsten von vorne präsentierte. Gemessen an der tristen Uniformität der Frontpartien heutiger Autos waren die kühnen Kühlerkonstruktionen der PKWs der unmittelbaren Vor- und Nachkriegszeit ja auch richtige Hingucker. Heute ist das Schauparken auf Düsseldorfs bekanntester Straße längst Geschichte. Und es ist wohl kein Zufall, dass das rückwärts Schrägparken auf der Kö just zu der Zeit aus der Mode kam, als die Autos begannen, ihre Individualität zu verlieren. Aus Schauparken wurde Schwarmparken. Eigentlich Schade. Aber wer will schon einen SUV mit einer 0-8-15-Schnauze von vorne sehen?