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Bücherbummel: Schnäppchen auf der Kö

Bücherbummel : Schnäppchen auf der Kö

Schon für einen Euro kann man beim am Donnerstag eröffneten "Bücherbummel auf der Kö" einen der zahllosen an Ständen angebotenen Bände erwerben. Bereits vor der offiziellen Eröffnung belagerte das Publikum die Auslagen. Kinderbücher erwiesen sich als besonders starke Magneten.

Die Kö hat, wie jeder Düsseldorfer weiß, zwei Seiten: eine edle, die zum Flanieren und zum Erwerb von Luxusgütern dient, und eine zweite edle, allerdings etwas ruhigere: die Seite der Banken. Jetzt verläuft zwischen beiden wieder einmal für ein paar Tage eine dritte Meile: der Boulevard der Bouqinisten. Dort lädt Klein-Paris dazu ein, wie an der Seine in Freiluft-Antiquariaten zu stöbern und sich mit Lektüre für den Sommer-Urlaub einzudecken.

Das ist kein kostspieliges Vergnügen, denn Thomas Mann oder Bodo Kirchhoff gibt es dort schon für wenige Euro. Allerdings handelt es sich dabei meist um gebrauchte Exemplare oder um Bücher aus dem "Modernen Antiquariat": auf Bestellung nicht mehr lieferbar, aber bei den Händlern noch lange nicht vergriffen.

So ist der "Bücherbummel auf der Kö", diesmal erstmals parallel zu den neuen "Düsseldorfer Literaturtagen", das Gegenteil dessen, was sich Auswärtige darunter vorstellen mögen: ein Trödelmarkt für Leser, fernab allen Luxus – so fern, dass man sich fragt, ob man diesem Markt nicht doch die eine oder andere Edelecke hätte hinzufügen sollen. Schließlich stellen manche Verlage ausgesprochen schöne, teure Bildbände her, die an der Kö sicherlich ebenfalls Käufer gefunden hätten.

Buchhändler Bernd Gossens, Organisator des Marktes, lässt diesen Einwand ungern gelten: Erstens gebe es beim Bücherbummel auch normale, im Preis nicht reduzierte Ware, zweitens erwarte das Publikum gerade am Eröffnungstag Schnäppchen, drittens sei es problematisch, teure Bücher im Freien anzubieten, weil ein Schauer die Ware beschädigen könnte.

So tut man gut daran, sich an dem zu erfreuen, was man als das Wesen des Düsseldorfer Bücherbummels bezeichnen könnte: an preisgünstigen Büchern, über deren oft schon weit zurückliegendes Herstellungsdatum man großzügig hinwegsehen sollte. Schließlich geht es hier auch nicht ausschließlich ums Kaufen, sondern mindestens ebenso um die Atmosphäre. Der Trödelmarkt für Leser ist auch eine Meile, an der Kleinverlage, die Volkshochschule oder das Heinrich-Heine-Institut ihr Programm vorstellen und an der man sich ungezwungen zwischendurch mit Gulasch oder Bratwurst stärken kann.

Wer den Parcours von der Ecke Schadowstraße bis zum Graf-Adolf-Platz durchläuft, den stimmt schon einer der ersten Bücherstände darauf ein, was ihn erwartet: Jedes Buch kostet – nein, nicht zwei Euro; dieser Preis ist durchgestrichen, sondern nur einen Euro. Dafür gibt es immerhin einen angejahrten Bildband "Fürsten- und Königshäuser in Europa" oder ein Buch "Vorsicht! Fortschritt" von 1971.

Für fünf Euro verkauft ein paar Schritte weiter die "Bücherstadt Bredevoort" einen Katalog der Basler Kunstmesse von 1988. Und das Düsseldorfer Filmmuseum entsorgt seine Altbestände sogar, ohne dafür Geld zu nehmen (allenfalls eine Spende): Wer braucht die Broschüre "Spielfilme im Deutschen Fernsehen, ARD" von 1977?

Eine verdienstvolle Einrichtung ist dagegen der Kinderbücher-Stand von Haluk Alpsü. Für 2,95 Euro bekommt man dort ordentlich erhaltene, anspruchsvolle und in der Regel ja auch zeitlose Kinderliteratur, während man im Laden für so etwas richtig viel Geld loswird.

Also: nichts gegen Schnäppchen. Schon gar nicht, wenn man am Stand des Antiquariats Ahrens und Hamacher ein Standardwerk wie Christian Meiers 600 Seiten starke Caesar-Biografie für nur drei Euro erstehen kann – zumal so etwas nicht so rasch veraltet.

Ein paar Meter weiter versorgt Hollmann Buch und Presse die Laufkundschaft jahreszeitgemäß mit preisgünstigen Reiseführern. Jedes Bändchen der Marco-Polo-Reihe kostet dort nur vier Euro. Demgegenüber nehmen sich die alten Reclam-Hefte, die das Bilker Antiquariat Angelika Kiel für bis zu fünf Euro anbietet, nicht mehr gar so preisgünstig aus.

Ein Stand des Bücherbummels bietet als einziger fabrikneue Ware, ohne dafür Geld zu nehmen. Kann nicht sein? Doch: Telefonbuch und Gelbe Seiten gibt es gratis.

(RP)