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Schauspielhaus: Was ein Filmproduzent träumt

Schauspielhaus : Was ein Filmproduzent träumt

"Das Produkt" ist der Titel eines Stücks, das nur in der Phantasie des Produzenten existiert. Der Theaterautor Mark Ravenhill hat sich die Satire ausgedacht. In der Inszenierung von Katharina Weishaupt feierte das Stück in der Serie "Plan B" des Schauspielhauses jetzt eine gelungene Premiere.

Messer, Gebetsteppich und Benzinkanister gehören zu den imaginären Requisiten dieses Kinokassenschlagers, den sich Theaterautor Mark Ravenhill satirisch ausgedacht hat. Maschinenpistolen ballern sich dabei ebenso wie innige Liebesschwüre ihren Weg frei durch ein dschungelartiges Drehbuch, das hoffentlich nie verfilmt wird.

"Das Produkt", so der Titel des Stücks, existiert ja vorerst nur in der Phantasie des ebenfalls erfundenen Produzenten: "Wir sind im Reich der Träume." Und genau dort zündet sich ein erfolgloser Al-Quaida-Attentäter selbst an, weshalb seine Geliebte, eine amerikanische Geschäftsfrau namens Amy, ihren Mohammed anschmachtet: "Schließ mich in deine brennenden Arme."

Aber das bitte in Zeitlupe. Dann stürzt das Paar vier Stockwerke hinunter in einen Swimmingpool. Geht es noch abstruser? Na klar. Osama bin Laden ("Er lebt!") erteilt persönlich dem Paar die Erlaubnis zur Ehe unter Todgeweihten. Und Amy geht bei einem tibetanischen Kampfmönch in die Lehre, um Mohammed aus Guantanamo zu befreien.

In der ungemein experimentierfreudigen Reihe "Plan B" zeigt jetzt das Schauspielhaus als Inszenierung von Katharina Weishaupt die Terror-Persiflage des britischen Dramatikers. Der hat gleichsam eine Brandschutzmauer eingebaut — zwischen Irrsinn und Witz. Denn nichts von all den so wortreich ausgemalten Stunts wird dann tatsächlich auch gezeigt auf der Bühne, alles nur erzählt und immer wieder entworfen.

Eine trickreiche Idee, mit dem sich kleines Theater großartig absetzt von den Blockbustern des Kinos. Sämtliche Zutaten von Thrillern und Lovestorys, Pathos und Porno werden verquirlt zu einem Wortschwall, mit dem der Produzent — Christof Seeger-Zurmühlen — bei Probeaufnahmen seiner auserkorenen schönen Hauptdarstellerin, gespielt von Viola Pibotschka, alles vormacht.

Er springt, fällt, tut sich weh, kriecht, humpelt, rappelt sich auf und spielt mit ausladenden Gesten weiter: "Die Seele verlässt den Körper und fliegt ins Paradies." Die Umworbene sitzt oder liegt auf der Besetzungscouch, zieht nicht mal den Mantel aus und sagt die ganze Zeit kein einziges Wort. Sie verzieht kaum die Miene, höchstens mal ein schmerzliches Lächeln ist drin. Eine Videokamera — schließlich geht es ja um Probeaufnahmen — zeigt in Vergrößerung simultan das mimische Nichts auf Bildschirmen ringsum an den Wänden.

Nach 50 Minuten wendet sich der Kobold und Möchtegern im letzten Satz an seinen Partner (Markus Danzeisen als steifer Korrektor und Souffleur mit dem Script auf den Knien) und meint: "Ich glaub, sie fand's super, oder?" Die beiden glauben tatsächlich, sie hätten ihren Star gefunden. Das Publikum lacht sie aus.

Mark Ravenhill war schon 2010 mit einem dreiteiligen Zyklus am Düsseldorfer Schauspielhaus vertreten. Jetzt also ein Nachschlag. Mit dem "Produkt", uraufgeführt 2005 beim Edinburgh-Festival, hat er wieder einen Espresso gebrüht. Und das Schauspielhaus bringt ihn ohne zu Kleckern schwungvoll an den Tisch.

(RP)