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Angela Winkler im Savoy: Singen als späte Leidenschaft

Angela Winkler im Savoy : Singen als späte Leidenschaft

Die Berliner Schauspielerin Angela Winkler hat im Alter von 67 Jahren den Gesang für sich entdeckt. Mit ihrem Chansonabend "Ich liebe Dich, kann ich nicht sagen" ist sie heute Abend zu Gast in Düsseldorfer Savoy Theater.

Sie hat schon immer mit leidenschaftlichem Herzen gesungen. Zu ihrem eigenen Vergnügen, für ihre vier Kinder und häufig auch auf der Theaterbühne. Gerade erst überraschte sie ihr Publikum als grandiose "Lulu" in Bob Wilsons Inszenierung am Berliner Ensemble mit Songs von Lou Reed. Doch immer blieb das Singen spielerisch. Nie kam Angela Winkler dazu, ihre Lieblingslieder auf einer CD zu bündeln. Erst recht lag ihr der Gedanke fern, als Sängerin auf Tournee zu gehen.

Doch jetzt, mit 67 Jahren, traut sie sich beides zu. Sie veröffentlichte das Album "Ich liebe Dich, kann ich nicht sagen" und wagt sich mit einem Chansonabend in die Konzertsäle. Heute gastiert die Berlinerin im Savoy-Theater in Düsseldorf, eine Stadt, die ihr vollkommen fremd ist. "Ich war kein einziges Mal da, was soll ich mir denn anschauen?", fragt sie. Vielleicht den Rhein, die Uferpromenade, den Medienhafen? "Ach nein", wehrt sie den Vorschlag ab und lacht. "Ich wohne ja an der Spree, da muss ich nicht anderswo aufs Wasser schauen!"

Ihre von der Bühne und aus vielen Filmen vertraute Stimme klingt zart und jung, streicht oft nur wie ein Hauch vorbei. Angela Winkler erzählt von der beflügelnden Kraft ihrer Konzertauftritte. "Das Publikum ist ganz dabei, fast andächtig. Auch ich spüre eine vollkommene Konzentration, mehr noch als beim Spielen. Das Singen ist vergleichbar mit einer Großaufnahme beim Film."

Dass danach die Menschen auf sie zukommen und sagen, wie berührt sie sind, empfindet sie als neue, beglückende Erfahrung. "Es tut wohl, dass der Abend so gut aufgenommen wird, damit konnte ich nicht rechnen. Denn natürlich habe ich mich auch gefragt, will man meine Lieder überhaupt hören? Brauchen die Menschen nicht etwas anderes, um ihre Alltagssorgen zu vergessen? Ich merke jedoch, wie sehr sie gerade die melancholischen Töne genießen. Weil sie einem Zeit geben, mit dem eigenen Leben einzutauchen."

Ihre Lieder sind ihr früher oder später zugeflogen. Auf der CD fügen sich unterschiedliche musikalische Farben zu einem Kaleidoskop zusammen: Friedrich Hollaender ist dabei, Arnold Schönberg, auch Songs von Brecht und Schuberts Vertonung von "Röslein auf der Heide". Das Volkslied sang sie neulich in einer Talkshow, und alle lauschten hingerissen. "Meine erste Talkshow überhaupt", sagt sie. "Seitdem ich Konzerte gebe, hat sich manches geändert. Es liegt danach immer meine CD aus, ich gebe Autogramme und stelle verwundert fest, wie meine Person in den Blickpunkt des Interesses rückt." Schnell fügt sie hinzu: "Großen Anteil am Gelingen des Abends haben meine drei Musiker, ich bin so froh, dass ich sie gefunden habe. Sie passen wunderbar zu mir und geben mir auf der Bühne Schutz." Mit dem Pianisten Adam Benzwi hat sie schon häufig gearbeitet, neu dabei sind die Akkordeonistin Melanie Barth und der Kontrabassist Horst Nonnenmacher.

Während Angela Winkler lebhaft weiterplaudert, verschwimmen die Bilder der empfindsamen Seele aus "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" (wofür sie 1975 den Deutschen Kritikerpreis, 1976 das Filmband in Gold erhielt) oder die tragische Gestalt aus Schlöndorffs Oscar-gekrönter "Blechtrommel" immer mehr. Diese Filme haben wohl die meisten Bewunderer ihrer Kunst im Kopf. Viele reagieren erstaunt, wenn sie der echten Angela Winkler begegnen. "Denkt man denn wirklich, ich bin wie in meinen Rollen?", fragt sie. "In Berlin, wo mich die Leute im Supermarkt und in der U-Bahn sehen, passiert mir das nie."

Dort leben auch die vier Kinder aus der Verbindung mit dem Bildhauer Wigand Witting. Alle sind musisch begabt, vor allem Nele, die mit dem Down-Syndrom zur Welt kam und im RambaZamba-Theater Bewundernswertes leistet. Man könnte leicht annehmen, Angela Winkler betrachte ihre Jahre im legendären Ensemble der Berliner Schaubühne als ihre künstlerisch fruchtbarste Zeit. Sie widerspricht: "Am fruchtbarsten waren die Anfangsjahre in Castop-Rauxel. Jeden Tag auf einer anderen Bühne, alles konnte man spielen und ausprobieren. Dort habe ich am meisten gelernt."

Info Angela Winkler tritt heute im Savoy-Theater auf: 20 Uhr, Graf-Adolf-Str. 47, Telefon 0211-8308900, www.savoy.de

(RP)