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Ausstellung im NRW-Forum: Architektur aus Containern

Ausstellung im NRW-Forum : Architektur aus Containern

Einst dienten die Normbehälter ausschließlich zum Transport von Fracht auf Schiffen. Inzwischen bestimmen sie auch das Erscheinungsbild unserer Städte. Nicht nur als Baucontainer, sondern auch als Versatzstücke freier Architektur. Das belegt eine Ausstellung in Düsseldorf.

Der Container hat sich verselbständigt. Früher kannte man ihn nur als metallenen Koffer auf Schiffen und Lastwagen. Dann nahm er auch Menschen auf, stapelte sich auf Baustellen und ergab eine Architektur, die blitzschnell errichtet war und sich ebenso rasch entfernen ließ. Was den Bauarbeitern recht, war den Gastwirten billig. Sie begannen den Container als provisorischen Kiosk an künstlichen Stränden mitten in der Stadt oder als Behelfsküche zu nutzen. Und Händler bedienen sich des Metallkastens, wenn sie ihre angestammte Verkaufsfläche vorübergehend verlassen müssen.

Wichtiger als für unsere Wohlstandsgesellschaft wurde der Container in Katastrophengebieten. Dort nutzt man ihn als Lazarett oder als Notunterkunft, als Schutz vor den Zumutungen einer außer Kontrolle geratenen Natur und als transportablen Ersatz für eine oft unbezahlbare Architektur, die fest gemauert in der Erden steht.

Eine Ausstellung im NRW-Forum Düsseldorf führt nun anhand von 144 fotografisch dokumentierten Entwürfen, die aus einem Wettbewerb hervorgegangen sind, und 22 plastischen Modellen vor, was man aus den je 2,44 Meter breiten, 2,59 Meter hohen und 6,06 Meter oder alternativ 12,192 Meter langen Behältern bauen kann. Da fügen sich Exemplare dieser Metallkiste, die seit 1956 das weltweit standardisierte Transportmodul ist, zu Türmen und Brücken, Ferienhäusern oder Büros, Ausstellungspavillons oder skulpturaler Kunst. Breiteren Raum als solch lebenswichtige Entwürfe wie das schmucklos zusammengesetzte Container-Krankenhaus, das dem Düsseldorfer Architekturbüro Ingenhoven entstammt, nehmen Modelle ein, die sich der Zivilisation des Westens andienen. In diesem Sinne hat der schwedische Künstler Michael Johansson der Behälter-Architektur ein Denkmal gesetzt — in Gestalt einer überdimensionalen Skulptur aus Containern, Autos, Wohnwagen und Paletten, die im vorigen Jahr Bestandteil einer Ausstellung in Umea war.

Wie sich die Behälter nützlich machen können, dafür bietet das Büro Spillmann Echsle ein Beispiel. In Zürich hat es aus 17 recycelten Seecontainern ein 25 Meter hohes Büro- und Verkaufsgebäude für eine Firma geschaffen, die aus alten Lkw-Planen, Autoschläuchen und Sicherheitsgurten Taschen herstellt. Die Bundesrepublik Deutschland sprach diesem Turm der Wiederverwertung ihren Designpreis zu.

Nicht immer bewahren die Container bei ihrem neuen Einsatz ihren Urzustand. Oft werden aus den Metallwänden Fenster herausgefräst, oder die starren Behälter verbinden sich mit dynamischen Form-Elementen zu einer die Normen sprengenden Architektur. Die Phantasie der Baumeister jedenfalls schwingt sich zuweilen fast zu Utopien auf. Auch Farbe führt die Container effektvoll aus der Tristesse ihres Nutzendaseins heraus. Der zurzeit in Bau befindliche "West Melbourne Residential Tower", ein 14-stöckiges Appartement-Hochhaus am Rande von Melbournes Innenstadt, sucht den Betrachter durch kräftige, unterschiedliche Farbgebung seiner genormten Bestandteile über die Einförmigkeit seiner Konstruktion hinwegzutäuschen — mit Erfolg.

Vielleicht weckt die Ausstellung in einigen ihrer Besucher die Lust, selbt zum Container-Bauherrn zu werden. Bitteschön: Ein nackter Container kostet zurzeit rund 1200 Euro. Stattet man ihn aus, erreicht er Preise von 25 000 Euro bis zu 80 000 Euro — dann allerdings auch mit einem Fußboden aus Mahagoni-Holz.

(RP)