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Theater im Hotel – mit Hamster und Katastrophenalarm

Theater im Hotel – mit Hamster und Katastrophenalarm

Haben Sie schon mal mit 17 anderen Menschen auf dem Boden einer Luxussuite gekauert, bedeckt von einer Wärmeschutzdecke, und ein Mantra gesungen, um mit einem unkontrolliert wachsenden Hamster zu kommunizieren?

Eine Frage, die die Besucher des Theaterprojekts "Until the end of the world" seit dem Wochenende mit "Ja" beantworten können. Denn anstatt gemütlich in den antiken Sesseln des Spielorts, der Suite 307 des Steigenberger Parkhotels, zu versinken und dem Gebaren der Schauspieler zuzuschauen, wurden sie selbst Teil eines skurrilen Theatererlebnisses.

Dieses beginnt schon auf dem Weg zum eigentlichen Aufführungsort: Mit Warnweste wartet vor dem Schauspielhaus eine aufgeregte Führerin, die die Theatergäste über einen Störfall im benachbarten Thyssenhaus informiert. Man werde die Damen und Herren nun evakuieren, die Gruppe müsse bitte eng zusammenbleiben. So geht es durch den Hofgarten mit dem Hinweis, die hier lebenden Enten seien "natürlich längst kontaminiert". Passanten blicken verwundert. Als ein Kamerateam die Evakuierten um Interviews bittet, ist das Aufsehen perfekt – und die Theaterbesucher längst mit der Inszenierung verwoben.

In der Luxussuite des Hotels am Rand der "Sperrzone" angelangt, wird die Gruppe in dem zur Forschungsstation umgebauten Wohnzimmer von drei Wissenschaftlerinnen in Beschlag genommen: "Schauen Sie auf das direkt gegenüberliegende Thyssenhaus, fällt Ihnen etwas auf? Bitte analysieren Sie diese Fotos!" Gleichzeitig macht der übelgelaunte Mieter der Suite, der mit seiner Freundin ein romantisches Frühstück im Bademantel einnehmen möchte, seinem Ärger über die Untermieter Luft. Ein Kamerateam sorgt für zusätzliches Chaos.

Der Aufenthalt in der Suite nimmt seinen Lauf, als Geo-Psychologin und Tierstimmenimitatorin herausfinden, dass sich im Thyssenhaus ein Hamster befindet, der unkontrolliert wächst, während das frühstückende Pärchen über Bruttoinlandsprodukt, Wirtschaftskraft und Geburtenraten philosophiert. "Alternativen zum Wachstum" lautete schließlich das Thema von "Until the end of the world", dem zweiten Austauschprojekt für junge Theatermacher des europäischen Theaternetzwerkes Mitos 21. Mit dabei sind Künstler vom National Theatre London, vom Théâtre National de La Colline Paris, vom Schauspiel Frankfurt und vom Düsseldorfer Schauspielhaus. Verantwortliche Dramaturgin ist Christina Zintl, die 1980 in Bonn geboren wurde.

Am Ende des einstündigen Aufenthalts in Suite 307 entschließt sich der Hamster, nicht mehr kommunizieren, sondern weiter wachsen zu wollen, die Evakuierten müssen nach Gruppenkuscheln auf dem King-Size-Bett und bereits erwähntem Katastrophenalarm samt Mantra-Gesang das Gebäude verlassen und stehen wieder auf der Straße im geschäftigen Alltag der Stadt. Einige kichern ungläubig: Wo ist man da nur hineingeraten? In jedem Fall in eine theatrale Situation der besonders abgedrehten Art – wo die vielen seltsamen Eindrücke jede Botschaft überlagern. Komplimente für die durchweg ernsten Mienen der sieben Schauspieler.

(RP/rai)