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Bürger sollen erneut über Gegendenkmal am Reeser Platz diskutieren können

Nach Protest gegen Siegerentwurf : Bürger sollen erneut über Gegendenkmal am Reeser Platz diskutieren können

Der Stadtrat will eine weitere Runde Bürgerbeteiligung, bevor über ein mögliches Gegendenkmal am Reeser Platz entschieden wird. Die Künstler, die den umstrittenen Siegerentwurf beim Wettbewerb geschaffen haben, wehren sich gegen die scharfe Kritik.

In der Frage nach einem möglichen Gegendenkmal auf dem Reeser Platz werden erneut die Bürger beteiligt. Dies hat der Stadtrat am Donnerstag mit breiter Mehrheit beschlossen, die einzige Gegenstimme kam vom Ratsherrn der Republikaner. Dabei sollen die fünf Entwürfe diskutiert werden, die von der Wettbewerbsjury prämiert worden waren. Die FDP scheiterte mit dem Vorschlag, den kritisierten Siegerentwurf auszusortieren.

Die Politik wünscht sich einen künstlerischen Gegenentwurf zu dem Soldatendenkmal aus der Nazi-Zeit. Clara Gerlach (Grüne) betonte, die Kunstkommission habe bewusst einen Ideen- und keinen Realisierungswettbewerb ausgerichtet, die Entscheidung über eine Umsetzung eines Entwurfs liege bei der Politik. „Wir wollten Diskussionen.“ Alexander Fils (CDU) sagte, es gebe kein geglücktes Vorbild für ein „Gegendenkmal“ zu einem Nazi-Monument, daher sei der Auftrag an die Künstler sehr schwer gewesen. Aus seiner Sicht könnte es am Ende doch auch bei einer Hinweistafel bleiben.

Die Künstlergruppe „Ultrastudio“, die die begehbare Stahlbrücke entworfen hatte, wehrt sich derweil gegen die Kritik. Prominente Künstler wie Gerhard Richter, Günther Uecker oder Katharina Sieverding hatten einen Aufruf der Schriftstellerin Ingrid Bachér unterschrieben, die kritisiert, das Gegendenkmal greife seinerseits nationalsozialistische Ästhetik auf. Sie spricht unter anderem von einem „versehentlichen Stahlgewitter“.

Die Künstlergruppe beklagt in einer Stellungnahme eine „populistisch vereinfachende Darstellung“ ihres Werks und spricht von einer „hetzerischen Kampagne“. Die Fehlinterpretation des Werks in Bachérs Aufruf „untergrabe die ernsthafte und komplexe Auseinandersetzung, die dieser Ort und der Entwurf verdienen sollten“. Die Künstlergruppe sieht die Stahlbrücke als bewusste Störung der Ästhetik des 1939 fertiggestellten Soldatendenkmals.