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Interview mi EX-BDI-Präsident Jürgen Thumann: "Als OB würde ich Hochhäuser bauen"

Interview mi EX-BDI-Präsident Jürgen Thumann : "Als OB würde ich Hochhäuser bauen"

Im Industrie-Club dozierte Ex-BDI-Präsident Jürgen Thumann über Industriepolitik. Im RP-Interview spricht der Unternehmer über den Ausbau des Reisholzer Hafens, die Räumung des Occupy-Camps – und er philosophiert darüber, was er machen würde, wenn er Düsseldorfs OB wäre.

Im Industrie-Club dozierte Ex-BDI-Präsident Jürgen Thumann über Industriepolitik. Im RP-Interview spricht der Unternehmer über den Ausbau des Reisholzer Hafens, die Räumung des Occupy-Camps — und er philosophiert darüber, was er machen würde, wenn er Düsseldorfs OB wäre.

Herr Thumann, die Industrie und die Stadt wollen den Reisholzer Hafen zu einem Containerterminal ausbauen. Eine dort ansässige Künstlergruppe und Anwohner sind dagegen, Naturschützer zumindest skeptisch. Wie ist Ihre Haltung?

Thumann Bei allem Respekt für den Umweltschutz, aber wir müssen von dieser Dagegen-Mentalität wegkommen. Eine prosperierende Stadt wie Düsseldorf braucht einen Flughafen, eine gute Autobahnanbindung und auch einen Hafen für Wirtschaftsgüter. Der Rhein ist die Hauptschlagader Deutschlands. Wir liegen direkt an dessen Ufer. Diese Chance müssen wir nutzen.

Aber wie sollen die Konflikte der beteiligten Parteien gelöst werden?

Thumann Die Initiatoren müssen sich mit den vermeintlichen Gegnern zusammensetzen. Es geht ja nicht um irgendetwas Abstraktes, sondern konkret um die Schaffung von vielen Arbeitsplätzen. Viele vergessen: Der hohe Industrieanteil hat dazu geführt, dass sich unser Land schneller als andere von der Krise erholt hat. Ein Viertel der Wirtschaftsleistung Deutschlands wird von der Industrie generiert — und Düsseldorf ist eines ihrer Zentren.

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Bis vor wenigen Jahren hatte man in Düsseldorf aber den Eindruck, Industrie sei ein Stiefkind. Mode und Werbung und Finanzen waren angesagt...

Thumann
In den 90er Jahren war Industrie bloß noch Old Economy, alle hier wollten New Economy. Und heute gibt es eine regelrechte Renaissance der Industrie in unserem Land. Die Menschen haben erkannt, dass nur mit einem gesunden industriellen Kern auch Dienstleistungen prosperieren können.

Aber dabei wurde die Industrie in Düsseldorf vernachlässigt. ThyssenKrupp etwa hat die Stadt verlassen, Gerresheimer oder Rheinmetall haben hier eine kleine Verwaltung. Produziert wird woanders...

Thumann ThyssenKrupp hatte mehrere Verwaltungsstandorte, einer war Düsseldorf. Mehrere Standorte waren nicht effizient, also hat man sich für eine Zentrale entschieden. Aus Krupp-Sicht war Essen die erste Wahl. Gerresheimer hatte ein veraltetes Werk. Beim Wandel zu einem Spezialisten für pharmazeutische Verpackungen gab es günstigere Alternativen. Die hohen Grundstückspreise hier in Düsseldorf spielen natürlich auch eine Rolle. Da ist es schwer, wirtschaftlich industriell zu produzieren.

Das würde heißen, man lässt eine De-Industrialisierung der Stadt zu?

Thumann Wenn es günstiger ist, woanders zu produzieren, aber hier zu lenken und zu verwalten, dann heißt das nicht, dass Düsseldorf de-industrialisiert wird.

Müsste die Stadt nicht dennoch für billige Industrieflächen kämpfen, um Arbeitsplätze zu schaffen?

Thumann Sie unterschätzen, dass Düsseldorf flächenmäßig sehr klein ist. Da hat auch die Verwaltung wenig Spielraum. Düsseldorf macht andere Dinge, die die Stadt zum erfolgreichen Wirtschaftsstandort macht.

Woran denken Sie konkret?

Thumann Das neue Gaskraftwerk auf der Lausward zum Beispiel. Das wird das Effizienteste der Welt. Ein Beispiel dafür, wie effizient die deutsche Industrie ist.

Wenn Sie Oberbürgermeister von Düsseldorf wären, was würden Sie vorantreiben, was ändern?

Thumann Ein interessanter Gedanke, OB zu sein. Ich denke, ich würde mehr Grundstücke für Hochhäuser ausweisen — also primär für Büros, aber auch für Wohnungen. Ich befürworte auch den Abriss des Tausendfüßlers. Die Hochstraße ist heute ein maroder Bau. Der Tausendfüßler trennt die Innenstadt — optisch und faktisch. Den Ausbau der U-Bahn finde ich gut, und den Bau des Kö-Bogens auch. Weil ich in der Nachbarschaft wohne, wurde ich übrigens oft als Gegner des Kö-Bogens gehandelt — weit gefehlt. Grundsätzlich würde ich als OB weiter daran arbeiten die Infrastruktur noch mehr zu verbessern.

Sie sprachen von der Dagegen-Kultur. Vor der Johanniskirche demonstrieren seit mehr als einem halben Jahr die Anhänger der Occupy-Bewegung. Haben Sie Verständnis?

Thumann Jede Protestbewegung ist endlich und ich glaube in diesem Fall erreicht sie kaum noch jemanden. Außerdem trägt das Lager an der Johanniskirche nicht zur Verschönerung des Stadtbildes bei. Für Kirchgänger ist es nicht gerade einladend, da durchzugehen. Die Anhänger dieser Bewegung haben ihre Meinung lange kundgetan. Sie haben damit Ihren Zweck erreicht. Einer Räumung des Occupy-Lagers würde ich heute zustimmen.

Sie prangern oft an, es werde zu wenig für Bildung ausgegeben. Selbst aber haben Sie nicht studiert. Kann man heute noch ohne Studium Karriere machen?

Thumann Man kann! Auch wenn man wie ich nur über mittlere Reife und eine kaufmännische Lehre verfügt. Durch familiäre Umstände wurde ich mit 19 Unternehmer, da war ich nach damaligem Recht nicht mal volljährig. Auch heute noch kann man ohne Studium etwas werden. Ich kann nur jeden ermutigen. Wichtig ist, dass man im Leben niemals aufhört, dazuzulernen.

Als Präsident des Arbeitgeberverbandes Businesseurope, der 20 Millionen Unternehmen vertritt, fliegen Sie durch die Welt. Sie haben etliche Firmen verkauft, sind über 70 und ein reicher Mann. Warum legen Sie nicht einfach die Füße hoch?

Thumann Wer aufhört, aktiv zu sein und zu lernen, der wird alt. Ich möchte weiter lernen und im Geist jung bleiben.

Und was machen Sie, wenn Sie nicht reisen oder lernen?

Thumann
Dann fahre ich morgens mit dem Fahrrad zum Carlsplatz, kaufe was Frisches ein und genieße das Leben in dieser wunderschönen Stadt. Eine Dauerkarte für Fortuna kaufe ich mir jetzt natürlich auch.