Alternative Kunst in Dormagen: Mit Graffiti-Projekten aus der Illegalität

Alternative Kunst in Dormagen : Mit Graffiti-Projekten aus der Illegalität

Die Szene der Sprayer, die an Projekten der Stadt teilnehmen oder Auftragsarbeiten von Hauseigentümern umsetzen, ist rund 50 Personen groß. Sie lehnen illegale, strafbare Schmierereien ab.

Den Begriff Graffiti verbinden viele mit illegalen Schmierereien. An Hauswänden, an Brücken und vorzugsweise auf dem Gelände der Deutschen Bahn. Solche Sprayer raus aus der Illegalität zu holen, aber auch an dieser Kunstform Interessierten eine Plattform zu geben – das gelingt der Stadt seit über zehn Jahren. Bei vielen wird die Lust zum sprayen kanalisiert, indem die Stadt spannende Projekte und Objekte anbietet, wie die Autobahnunterführung am Holzweg, wo ein Dutzend junger Leute jetzt in einer Nacht-Aktion aktiv war. Oder beim Bauwagen-Sprayen in der „Rübe“ innerhalb eines geförderten Projektes „Jugend stärken im Quartier“.

Es ist reine Spekulation, ob die Stadt mit deutlich mehr illegalen Graffiti verschandelt wäre, gäbe es diese Projekte und das Engagement von Klaus Güdelhöfer, Jugendförderer der Stadt, nicht. „Es wäre schön, wenn wir einige junge Leute so aus der Illegalität holen würden. Ich glaube, dass wir das auch schon geschafft haben.“ Das war ein Ansatz für die 2008 gestartete Graffiti-Initiative. Der zweite war, Graffiti als „Ausdrucksform von jungen Leuten“ zu akzeptieren und ihnen Raum zur Darstellung zu geben. Messbar ist das Interesse anhand einer (nicht öffentlichen) Facebook-Gruppe, wo sich Dormagener Sprayer austauschen und wo Güdelhöfer Projekte platziert. Dort sind 50 junge Leute angemeldet. „Es hat sich eine Szene entwickelt, die sich selbst reglementiert und illegales Sprayen ablehnt.“ Eine Regel heißt: „Nicht Schlechtes auf Gutes“, eine andere „Gute Bilder hängen lassen.“ Während die Illegalen den provokanten und strafbaren Weg suchen, um aufzufallen, nutzen andere hingegen Projekte oder sogar Auftragsarbeiten, um ihrem Hobby nachzugehen. Beim letztjährigen Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ wurden Sprayer gebeten, eine hässlich graue Wand in Straberg mit Natur-Motiven zu verschönern. Auch die St. Nikolaus-Schule und die Erich-Kästner-Schule nahmen die Künste von Sprayern in Anspruch. Spektakulär war die „Nacht- und FarbNebel-Aktion“ vor wenigen Tagen, als ein Dutzend junger Leute mit Unterstützung heimischer Firmen (Beleuchtung, Farben) die Unterführung am Holzweg gestaltete.

Ganz aktuell ist der zweitägige Workshop der Jugendeinrichtung „Die Rübe“ zu Ende gegangen, bei der die beiden Bauwagen auf dem Gelände von jugendlichen Teilnehmern unter Anleitung eines Profis besprüht wurden. „Das Projekt bietet jungen Menschen eine legale und von einem Künstler begleitete Möglichkeit, sich auszuprobieren und auszudrücken. Wir haben das rege Interesse der Jugendlichen für dieses Thema aufgegriffen und können ihnen einen regelmäßigen Termin und geschützten Rahmen dafür bieten“, sagt Koordinatorin Cosima Nauroth. Projektleiterin der „Rübe“, Laura Rehmet ergänzt: „Die Jugendlichen zeigen sich sehr motiviert und sind mit viel Freude dabei.“ Das Mikroprojekt „Buntpause“ wird von der Jugendberufshilfe der Stadt koordiniert. Es ist Teil des vom Europäischen Sozialfonds geförderten Projektes „Jugend stärken im Quartier“.

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