Eingliederung in Dormagen: Café-Projekt Seitenweise kommt bei Kunden an

Dormagen : Café-Projekt Seitenweise kommt bei Kunden gut an

Das ehemalige Kult-Café ist Teil eines Wiedereingliederungsprojekts des Kolping-Bildungswerkes Neuss. Die Resonanz darauf ist gut.

Marktzeit wird wieder Café-Zeit – zumindest was das „Seitenweise“ betrifft. Denn das Café an der Kölner Straße 145 wird ab Oktober freitags von 9 bis 14 Uhr öffnen und damit dem Wunsch vieler Kunden folgen. Betreiber ist das Kolping-Bildungswerk, das sich um die Entwicklung und Förderung von einem guten Dutzend Teilnehmern kümmert, damit diese eine berufliche Perspektive sehen und vielleicht sogar im ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen können. „Es geht um die Teilnehmer, nicht um das Café-Projekt“, betont Ingrid Gruber. Die gelernte Hotelfachfrau begleitet die Männer und Frauen in praktischen Dingen auf dem Weg zurück in die Normalität eines geregelten Arbeitstages. Jetzt ist die zeitweise Öffnung des „Seitenweise“ so gut angekommen, dass auf den besucherstarken Markt-Freitag gewechselt wird.

Gruber und ihre Kollegen sind mit den zurückliegenden neun Monaten äußerst zufrieden. „Wir haben uns mit diesem Projekt gut etabliert. Die Resonanz bei den Kunden, die uns bislang mittwochs oder donnerstags besuchen, ist ausgesprochen gut.“ Das macht auch den Teilnehmern viel Mut. „Sie sind viel sicherer und selbstbewusster geworden“, sagt Gruber. „Die Kunden interessieren sich für das Impuls-Projekt, fragen nach und die Teilnehmer sind stolz, ihnen Näheres erklären zu können.“

Das Projekt nennt sich „Individuelle Maßnahmenkombination zur Potenzialanalyse“. Es geht darum, heutige sogenannte „erwerbsfähige Leistungsberechtigte“ des Jobcenters zu fördern, begleiten und unterstützen. Das „Seitenweise“ ist einer von zwei kleinen Standorten, die das Kolping-Bildungswerk gefunden hat. An der Kölner Straße“ geht es um den Bereich Hauswirtschaft, Ernährung, Gastronomie, in einem ehemaligen Fitness-Studio an der Straße Unter den Hecken um den Bereich Metall. Am Anfang stand die „Clearingphase“, in der es darum ging, die Teilnehmer kennenzulernen und sie einer ersten beruflichen Eignungsfeststellung zu unterziehen. Dieses Prozedere steht nach den Ferien mit neuen, vom Jobcenter zugewiesenen Teilnehmern wieder an. „Die Belastbarkeit ist unterschiedlich, ebenso der familiäre Hintergrund“, erzählt Ingrid Gruber. „Wir müssen jeden Teilnehmer sehr individuell betrachten.“ Es geht um Motivation, Interesse wecken, um Selbstvertrauen. In kleinen Übungen werden Arbeitsabläufe trainiert, „dabei werden die Teilnehmer immer eng mit einbezogen“, so Gruber.

Das Café-Projekt, so klein es auch ist, beinhaltet Großes: Es ist Sozial- und Kommunikationstraining, es geht um Arbeitsorganisation und um Konflikttraining. „Und um den Faktor Zeit: Da wartet ein Kunde zwar geduldig, aber es ist innerhalb einer Zeit etwas zu erledigen“, erklärt Gruber.

Es sind viele kleine Bausteine, an die sich die Projektteilnehmer wagen und umsetzen: Die inhaltliche Gestaltung des folierten Flyers für die Café-Gäste des Sozialcafés. Sie haben sich die Beschreibungen wie „gutes Für- und Miteinander“, oder „ein Neuanfang für uns Teilnehmer“ ausgedacht. Ebenso weisen sie dort auf ihr Engagement hin. Zum Beispiel auf den „R(h)eintag“, wo sie am Rhein Müll einsammeln. Gruber will nun Kontakt aufnehmen zur Dormagener Rhein-Clean-up-Gruppe, um dort vielleicht anzudocken.

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