TU Dortmund leitet Verfahren ein: Staatssekretär Eumann soll Doktortitel verlieren

TU Dortmund leitet Verfahren ein: Staatssekretär Eumann soll Doktortitel verlieren

Gegen NRW-Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann (SPD) soll ein Verfahren zur Aberkennung seines Doktortitels eingeleitet werden. Das teilte die Technische Universität Dortmund am Freitag mit.

Das Rektorat der Hochschule stelle bei Eumann "erhebliches wissenschaftliches Fehlverhalten" fest, hieß es. Eumann ist auch Vorsitzender der SPD-Medienkommission. Er wies die Vorwürfe erneut zurück. Die NRW-Landesregierung will den Ausgang des Verfahrens abwarten.

Worin Eumanns Fehlverhalten nach Ansicht der TU besteht, wollte eine Universitätssprecherin nicht sagen. Allgemein ging es bislang um die Frage, ob Eumann in seiner Arbeit, für die er 2011 den Doktorgrad erhielt, Inhalte aus seiner fast 20 Jahre früher vorgelegten, nicht veröffentlichen Magisterarbeit ausreichend kenntlich machte.

"Die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis sehen vor, dass der Betroffene über die beabsichtigten Maßnahmen informiert wird und Gelegenheit zur Stellungnahme erhält", erläuterte die TU das weitere Vorgehen. "Diese Stellungnahme ist abzuwarten, bevor sich das Rektorat erneut mit dem Fall befasst und die Maßnahme einleitet."

Eumann ließ am Freitag schriftlich mitteilen, dass er um seinen Doktorgrad kämpfen will: "Ich habe weiterhin keinen Zweifel, dass meine Dissertation eine inhaltlich substanzielle Erweiterung meiner Magisterarbeit darstellt. Und ich habe nicht getäuscht." Der Titel seiner Magisterarbeit habe dem Doktorvater, dem Prüfungsausschuss und dem Dekanat vorgelegen.

CDU fordert bereits den Rücktritt

Die CDU deutete bereits Rücktrittsforderungen an: "Klar ist: Wenn Herr Eumann seinen Doktortitel nicht rechtmäßig erworben hat, kann er nicht länger Staatssekretär bleiben", betonte der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, Lutz Lienenkämper, am Abend.

Die NRW-Staatskanzlei teilte mit, Eumann habe Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) informiert, und wies darauf hin, dass Eumann in dem Verfahren Gelegenheit bekommt, Stellung zu nehmen. "Der Ausgang des Verfahrens bleibt daher abzuwarten", so die Landesregierung.

In der Doktorarbeit legt Eumann offen, dass er Recherche-Ergebnisse für seine Magisterarbeit später für die Doktorarbeit aufgriff: "Glücklicherweise habe ich die damals gewonnenen Informationen aufbewahrt, um sie schließlich - über 15 Jahre später - verwenden zu können", heißt es in der Vorbemerkung der Doktorarbeit. Thema ist die Geschichte der Nachrichtenagentur "Der Deutsche Presse-Dienst" in der britischen Zone von 1945 bis 1949.

Infolge einer kritischen Rezension hatte sein Doktorvater Professor Horst Pöttker die Kommission zur Sicherstellung guter wissenschaftlicher Praxis an der Technischen Universität gebeten, die Doktorarbeit zu überprüfen. Neben dem Bericht dieser Kommission bezog sich das Rektorat mit seinem Beschluss auch auf ein externes Gutachten.

"Auf Grundlage dieser Unterlagen hat das Rektorat wissenschaftliches Fehlverhalten festgestellt und beschlossen, die Angelegenheit zuständigkeitshalber dem Fakultätsrat der Fakultät Kulturwissenschaften weiterzuleiten, damit dieser ein Verfahren zur Aberkennung des Doktorgrads einleitet", teilte die TU nun mit.

(dpa)